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Forchheims größter Arbeitgeber
Abspaltung? Healthineers drängen auf Siemens-Entscheidung
Der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers blickt zurück auf das Geschäftsjahr und wagt eine Prognose für 2026. Indes steht in München Mitte November eine spannende Entscheidung an.
Der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers blickt zurück auf das Geschäftsjahr und wagt eine Prognose für 2026. Indes steht in München Mitte November eine spannende Entscheidung an. // Foto: Daniel Karmann/dpa
Forchheim/Erlangen – Trotz teurer US-Zölle soll Siemens Healthineers auf Wachstumskurs bleiben. Was das für Forchheim und Erlangen bedeuten könnte und wieso der Vorstand endlich Klarheit vom Mutterkonzern Siemens fordert.

Solides Wachstum. Exzellente Performance. Operative Verbesserung.

Mit Vokabeln wie diesen wollen Vorstandschef Bernd Montag und Finanzvorstand Jochen Schmitz auf der Jahrespressekonferenz der Siemens Healthineers AG in Erlangen Optimismus verbreiten. Und das schaffen sie zum Teil auch. Und doch verschwinden auch bei Deutschlands Vorzeige-Medizintechniker die Sorgenfalten nicht gänzlich. Schnell drängt sich die Frage auf, ob und was diese Herausforderungen in absehbarer Zeit für Auswirkungen auf die Standorte Erlangen und Forchheim haben könnten.

Siemens Healthineers: Geschäftsjahr 2025 schließt „erfolgreich“ ab

Doch der Reihe nach. „Trotz eines herausfordernden Umfelds haben wir ein weiteres erfolgreiches Jahr abgeschlossen“, sagt Vorstandschef Bernd Montag, während er die Bilanzzahlen vorstellt und auf das nächste Jahr vorausblickt.

Den veröffentlichten Zahlen zufolge stiegen die Umsatzerlöse im Vergleich zum vorigen Jahr um 5,9 Prozent auf knapp 23,4 Milliarden Euro (auf vergleichbarer Basis, also ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte). Der (bereinigte operative) Gewinn des Konzerns beträgt im Geschäftsjahr 2025 fast 3,9 Milliarden Euro. 2024 waren es noch 3,5 Milliarden, ein Plus von zehn Prozent.   

Bernd Montag, CEO Siemens Healthineers: „Trotz eines herausfordernden Umfelds ein weiteres erfolgreiches Jahr abgeschlossen“
Bernd Montag, CEO Siemens Healthineers: „Trotz eines herausfordernden Umfelds ein weiteres erfolgreiches Jahr abgeschlossen“ // Foto: Siemens Healthineers

US-Zölle trüben die Zahlen erheblich ein

Was positiv klingt, trübt sich dennoch durch „makroökonomische Herausforderungen“ (CFO Schmitz), welche den in mehr als 180 Ländern aktiven Konzern mit etwa 74.000 Beschäftigten weltweit stark belasten. Vor allem würde sich die US-Zollpolitik negativ auf das Geschäft niederschlagen, berichtet Schmitz. In Zahlen ausgedrückt: 200 Millionen Euro. Diese finanzielle Belastung, so fürchtet er, mache sich im neuen Geschäftsjahr noch einmal deutlicher bemerkbar. Er rechnet mit etwa 400 Millionen Euro.

Dennoch freuen sich die Healthineers-Chefs darüber, dass in allen Bereichen ein Wachstum erreicht werden konnte. Am deutlichsten ist das in der Bildgebungssparte zu sehen (plus 8,5 Prozent), also beispielsweise die Herstellung von Computer- und Kernspintomografen. Auch das Sorgenkind Diagnostics mache laut CEO Bernd Montag zumindest leichte Fortschritte, sodass er positiv auf das neue Geschäftsjahr und die mittelfristige Zukunft blickt.

Vor allem bildgebenden Geräte (wie hier ein Computertomograf auf der China International Import Expo in Shanghai) stützen das Geschäft des Medizintechnik-Giganten Siemens Healthineers.
Vor allem bildgebende Geräte (wie hier ein Computertomograf auf der China International Import Expo in Shanghai) stützen das Geschäft des Medizintechnik-Giganten Siemens Healthineers. // Foto: Johannes Neudecker/dpa

Davon sollen auch die Aktionäre profitieren, denn der Vorstand schlägt eine Dividende von einem Euro pro Papier vor (im Vorjahr waren es 95 Cent). Für sie eine gute Nachricht, zumal der Kurs der Aktie in den vergangenen Wochen eher wenig mit Wachstum geglänzt und auch zuletzt noch einmal stark nachgelassen hatte.

Umsatz steigt seit drei Jahren – was das für Forchheim und Erlangen heißt

Laut CFO Jochen Schmitz ist der Umsatz in den vergangenen drei Jahren stetig gestiegen. Und der Trend für kommendes Jahr sieht ähnlich aus. Jubelschreie dürfte das in Städten wie Erlangen und Forchheim hingegen trotzdem kaum auslösen.

Auch wenn weder Konzern noch die Rathäuser den Namen Siemens Healthineers offiziell mit den gigantischen Haushaltslöchern in Verbindung bringen, gilt ein Zusammenhang mit Gewerbesteuerrückzahlungen an die AG als offenes Geheimnis. Und weil das so ist, gehen Insider davon aus, dass selbst ein stetiges Umsatzplus die örtlichen Finanzverwalter nicht vor dem Steuer-Gau schützen könne. Denn wo der Konzern wie viel steuerpflichtigen Gewinn macht, lässt sich davon nicht ableiten.

„Verlagerung der Wertschöpfung“ möglich: Arbeitsplätze in Gefahr?

Auf jeden Fall rechnet der Vorstand mit einem weiteren soliden Wachstum (plus fünf bis sechs Prozent).  Allerdings seien dafür entsprechende Maßnahmen möglich, ergänzt Jochen Schmitz. Vor allem dann, wenn es noch andauere, die Unsicherheiten der US-Zollpolitik zu kompensieren. Er spricht von „Hebeln der Preisgestaltung, der konsequenten Kostenkontrolle und der Verlagerung der Wertschöpfung“. Konkreter führt er dies nicht aus.

Schon jetzt produziert die Siemens Healthineers AG hauptsächlich in den USA. Angst um Arbeitsplätze brauchen aber vor allem die Beschäftigten in Erlangen und Forchheim wohl nicht zu haben. Erstens seien die Standorte historisch gewachsen und ließen sich aufgrund der Komplexität der Wertschöpfungskette gar nicht simpel auslagern. Zweitens hatte der Konzern vor Kurzem erst für 350 Millionen Euro das High-Energy Photonics (HEP) Center Forchheim errichtet, immerhin die größte Einzelinvestition des Unternehmens. Eine Abkehr von den hiesigen Standorten lässt sich also nicht erkennen.

Siemens AG entscheidet, ob sie ihre Anteilsmehrheit abgibt

„Wir haben ein solides Fundament für unsere nächste Strategiephase“, so Montag. Wie genau diese aussehen mag, wird der Konzern am 17. November während des Kapitalmarkttages in London präsentieren.

Eine wichtige Entscheidung aber fällt schon vorher, vermutlich Mitte kommender Woche, wenn Siemens seine Zahlen und Strategien veröffentlichen will: Und zwar, ob sich Siemens wie bereits angedeutet tatsächlich von der Mehrheitsbeteiligung der Healthineers (aktuell gut 70 Prozent) trennen will und die jetzige Tochter damit in die Eigenständigkeit entlässt. Bereits im Februar hatte Siemens 26,5 Millionen seiner Anteile für 1,45 Milliarden Euro verkauft.

Healthineers-CEO Bernd Montag indes kommentiert die Frage nach der Aktionärsmehrheit nur vage; lässt aber durchblicken, dass man längst mehr sei als „nur eine Medizintechnik-Tochter der Siemens AG“. Das Wichtigste sei nun „Klarheit“. Schließlich sei man „2018 an die Börse gegangen, um ein eigenständiges Unternehmen zu etablieren“. Ob bei einem möglichen Ausstieg auch der Name geändert werden würde, müsse man laut Montag „in Ruhe überlegen“.

 

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