Vorbote eines milliardenschweren Befreiungsschlages? Oder künstlich erzeugte Aufregung um nichts? Die Börsenwelt blickt derzeit gespannt auf den fränkischen Medizintechnikgiganten Siemens Healthineers mit Sitz in Erlangen und Franken. Den Grund dafür liefert in dieser Woche eine Meldung der US-amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg, laut derer Siemens Healthineers „nach Angaben informierter Kreise erste Gespräche mit großen Finanzinvestoren über einen möglichen Verkauf seiner Diagnostiksparte aufgenommen“ habe.
Siemens Healthineers: Milliardengeschäft durch Verkauf?
Wie Bloomberg weiter berichtet, gehe es um ein Volumen von mehr als sechs Milliarden Euro, zu den Interessenten würden demnach namhafte internationale Investmentgesellschaften wie Blackstone gehören. Als Grund gibt der Bericht an, Siemens Healthineers wolle seine Geschäfte mit dem Verkauf seiner Diagnostiksparte „straffen“. Was ist dran an dieser Meldung und was würde sie für das Unternehmen und die Beschäftigten in Erlangen und Forchheim bedeuten?
Anruf bei Siemens Healthineers. Ein Unternehmenssprecher blockt ab. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir M&A-Gerüchte grundsätzlich nicht kommentieren können“, sagt er am Telefon. „M&A“ steht für „Mergers & Acquisitions“ und bedeutet auf Deutsch Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen. Derlei Gerüchte sind nicht selten. Mal mehr, mal weniger konkret.
Würde sich ein möglicher Verkauf auf Erlangen und Forchheim auswirken?
Wie konkret die Gerüchte in diesem Fall sind, ist schwer einzuschätzen. Denn auch außerhalb der Konzernzentrale ist über den Bloomberg-Bericht hinaus kaum etwas über mögliche Gespräche und deren mögliche Inhalte zu erfahren. Nur eins: Selbst wenn sich Siemens Healthineers von seiner Diagnostiksparte trennen wollen würde, gäbe es wohl kaum Auswirkungen auf die fränkischen Standorte.
Denn bei der möglicherweise betroffenen Sparte gehe es beispielsweise um die Testung von Blut- und Gewebeproben. Dem Vernehmen nach würde der Bereich Bildgebung, der vor allem für die Hauptstandorte Forchheim und Erlangen interessant ist, nicht zu einem theoretischen Verkauf dazugehören. Ebenso die Varian-Sparte (Technologien zur Krebsbehandlung).
Wenngleich sich die Verantwortlichen aus der Konzernzentrale mehr als bedeckt halten, dürften sowohl die Führung als auch die Anleger der Healthineers-Aktie die momentanen Gerüchte wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Immerhin konnte die angeschlagene Aktie zwischenzeitlich um einige Prozentpunkte zulegen.
Diagnostiksparte von Siemens Healthineers seit Jahren angeschlagen
Und ganz aus dem Nichts entstehen diese Gerüchte auch nicht. Lange Zeit hatte die Labordiagnostik dem Konzern keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben, auch zuletzt sind die Umsätze wieder leicht gesunken.
Zwar hatte es während der Corona-Pandemie ein kurzes Hoch gegeben, was vor allem dem Verkauf von Antigen-Schnelltests zu verdanken gewesen sein dürfte. Doch das währte nur kurz. Schnell wurden erste Verkaufsgerüchte laut. Bereits auf der Bilanzpressekonferenz am 8. November 2023 aber sagte Konzern-Chef Bernd Montag: „Der Fokus bei Diagnostics liegt ausschließlich auf der Transformation“.
Diese sei nach wie vor in vollem Gange, wie beispielsweise den Zahlen des jüngsten Geschäftsberichts für das dritte Quartal 2025 zu entnehmen ist. Insgesamt gilt die Labordiagnostik Wirtschaftsexperten zufolge seit jeher als „Klotz am Bein“ (Angela Maier, Wirtschaftswoche) des Unternehmens, seit der Siemens-Mutterkonzern 2006 einen der größten Anbieter für Laborsysteme aufbaute.
Bilanzpressekonferenz im November: Klärung noch in diesem Jahr?
Allerdings, so moniert die Fachpresse weiter, hätten sich nie Synergien mit dem eigentlichen Fokus der seit 2018 eigenständig an der Börse gehandelten Siemens Healthineers AG ergeben: bildgebenden Systemen wie Magnetresonanz- (MRT) sowie Computertomographen (CT). Von daher dürfte es – allen möglichen Erfolgen des aktuellen Transformationsprozessen zum Trotz – auch in Zukunft weiterhin Gerüchte über einen Verkauf der Diagnostik-Sparte geben. Ob und wie CEO Bernd Montag diese beispielsweise während der Bilanzpressekonferenz am 5. November kommentieren wird, bleibt abzuwarten.














