Ein neues Portal soll es Patienten ermöglichen, digital mit ihrem Krankenhaus in Kontakt zu sein. Über das Patientenportal sollen Termine vereinbart, wichtige Unterlagen an die Klinik übermittelt oder Unterstützung nach der Entlassung erleichtert werden. Unter dem Titel „Mein-Krankenhaus.Bayern“ soll das Projekt den Austausch zwischen Ärzten, Pflegekräften und Patienten für über 100 – überwiegend bayerische – Kliniken verbessern.
Im Mai 2023 wurde die Klinik IT Genossenschaft (KIG) gegründet, um den Aufbau der Plattform voranzutreiben. Durch den Verbund der Kliniken hätte die Plattform eine enorme Dimension von rund 26.000 Betten. „Möglich wurde das Vorhaben durch das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG). Mit dem KHZG erhalten die Kliniken für ihr Patientenportal von Bund und Freistaat Bayern Fördermittel, insgesamt steht den an der Ausschreibung beteiligten Krankenhäusern ein zweistelliger Millionenbetrag zur Verfügung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Nach einer EU-weiten Ausschreibung konnte sich damals das Forchheimer Unternehmen Siemens Healthineers, Tochtergesellschaft von Siemens, den Auftrag sichern, die technische Seite des Projekts zu übernehmen.
Siemens Healthineers und Kliniken beenden Zusammenarbeit
Die Plattform sollte ein großer Schritt hin zu echter Digitalisierung im Gesundheitswesen sein. Eigentlich sollte sie bis Anfang 2025 an den Start gehen. Doch das ist bisher nicht passiert. Stattdessen wurde nun bekannt, dass die KIG und Siemens Healthineers die Zusammenarbeit beendet haben.
„Die Krankenhäuser im MKB (Mein Krankenhaus Bayern)-Verbundprojekt und Siemens Healthineers (SHS) haben sich am 28. April 2025 einvernehmlich auf eine Beendigung der Zusammenarbeit verständigt. Grundlage ist ein gemeinsam geschlossener Aufhebungsvertrag“, schreibt Siemens Healthineers Pressesprecher Heiko Jahr auf Nachfrage. Benedict Gross, Projektmanager bei der KIG bestätigt dies.
Patientenportal: Fristen werden zur Herausforderung
Im Laufe der Umsetzung des Projekts seien verschiedene Herausforderungen aufgetreten, die die inhaltliche und zeitliche Realisierung erheblich beeinflusst hätten. Dadurch sei Laut Jahr eine planmäßige Durchführung des Projekts immer mehr erschwert worden. „Trotz intensiver Bemühungen beider Seiten ließ sich keine tragfähige Perspektive für eine Umsetzung im bisherigen Rahmen finden“, erklärt Jahr. Das Projekt könne von Siemens Healthineers nicht in der geplanten Form und innerhalb der Fristen des Krankenhauszukunftsgesetzes umgesetzt werden.
Ähnlich beschreibt Gross (KIG) die Herausforderungen. Der Zeitplan liege bei diesem Projekt nicht in der Hand der Krankenhäuser. „Da die Finanzierung zu großen Teilen aus Mitteln des Krankenhauszukunftsfonds stammt, arbeiten wir in sehr ambitionierten Zeitzielen, die alle Beteiligten erreichen müssen — uns bleibt hier sehr wenig Spielraum“, so Gross.
Projekt geht ohne Siemens Healthineers weiter
Man habe in den vergangenen Monaten intensiv nach Möglichkeiten gesucht, die Umsetzung zusammen mit Siemens Healthineers wie geplant zu ermöglichen. Am Ende sei aber doch entschieden worden, die Zusammenarbeit zu beenden.
Eine Entscheidung, die man sich auch auf Seiten von Siemens Healthineers nicht leicht gemacht hat, wie Jahr deutlich macht: „Der Beendigung des bisherigen Vertrags sind viele Abstimmungen und Verhandlungen vorausgegangen.“ Auf die Standorte von Siemens Healthineers in Erlangen und Forchheim hat das Ende des Projekts laut Sprecher Heiko Jahr keine direkten Auswirkungen.
Das Projekt Patientenportal, das schon weit fortgeschritten sei, werde weiter umgesetzt, bestätigt Gross (KIG). Für die technische Infrastruktur soll ein neuer Dienstleister beauftragt werden.












