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Seltene Ausbildung
Super-Azubi tüftelt bei Siemens Healthineers an Hightech
Robin Hornschuh ist Glasapparatebauer und gehört zu den bundesbesten Azubis des Jahres 2024. In seiner Freizeit stellt er kunstvolle Glasfiguren wie dieses Einhorn her.
Robin Hornschuh ist Glasapparatebauer und gehört zu den bundesbesten Azubis des Jahres 2024. In seiner Freizeit stellt er kunstvolle Glasfiguren wie dieses Einhorn her. // Martin Regner
Forchheim/Adelsdorf – Der Beruf, den Robin Hornschuh gelernt hat, ist selten. Im Dezember 2024 wurde er als bundesweit bester Azubi seines Fachs ausgezeichnet. Und in Forchheim arbeitet er an der Hightech der Zukunft.

Dass er einmal zu den besten Azubis Deutschlands gehören würde und in Forchheim an einer ganz neu entwickelten Zukunftstechnologie im Bereich Gesundheitstechnik mitarbeiten wird, war vor ein paar Jahren noch nicht abzusehen, als Robin Hornschuh in Thüringen seine Berufsausbildung zum Kunstglasbläser antrat. Denn normalerweise mündet diese häufig darin, zum Beispiel in der für ihren Weihnachtsschmuck bekannten Stadt Lauscha im Thüringer Wald bunte Christbaumkugeln herzustellen. 

Aus Thüringen an den Standort in Forchheim gewechselt

Doch es sollte anders kommen und das hat viel mit einer Selbsterkenntnis zu tun, die Hornschuh im Gespräch mit dem Fränkischen Tag folgendermaßen formuliert: „Ich habe irgendwann für mich festgestellt: Das macht einen Heidenspaß und ich gehe auch in dieser Ausbildung auf. Aber ich möchte doch noch eine Stufe weitergehen.“ In der Konsequenz wollte er sich zum Glasapparatebauer weiterbilden. In diesem Handwerk entstehen zum Beispiel aufwändige Glaskolben für chemische Labore. 

Ein typisches Beispiel für ein Werkstück im Glasapparatebau: Ein von Robin Hornschuh handgemachter Kugelkühler für chemische Labore.
Ein typisches Beispiel für ein Werkstück im Glasapparatebau: Ein von Robin Hornschuh handgemachter Kugelkühler für chemische Labore. // Martin Regner

Praktischerweise fand er einen Ausbildungsplatz für Glasapparatebauer bei Siemens Healthineers im thüringischen Rudolstadt, wie Hornschuh weiter erklärt. Später holte ihn das Unternehmen an den Standort in Forchheim, wo bei Siemens Healthineers gerade eine neue Generation von Computertomografen zur Marktreife entwickelt wird. Dort seien Mitarbeiter mit einem Verständnis für die Glasbearbeitung gesucht worden. 

Kristalle entstehen bei Siemens Healthineers unter Glas

Wie der Pressesprecher von Healthineers in Forchheim, Heiko Jahr, bei dieser Gelegenheit erläutert, werden für die neuartigen Geräte, die mit einer geringeren Strahlungsintensität genauere Bilder aus dem Inneren des menschlichen Körpers liefern sollen, eigens gezüchtete Kristalle benötigt. Und diese wiederum entstehen über mehrere Wochen hinweg, in denen die Temperatur ständig kontrolliert werden muss, in großen Glaskolben, an und mit denen Robin Hornschuh in Forchheim arbeitet. 

In großen Glaskolben werden in Forchheim spezielle Kristalle gezüchtet, die später in einer neuartigen Generation von Computertomografen wertvolle Dienste leisten sollen. Daran arbeitet bei Siemens Healthineers in Forchheim Robin Hornschuh mit.
In großen Glaskolben werden in Forchheim spezielle Kristalle gezüchtet, die später in einer neuartigen Generation von Computertomografen wertvolle Dienste leisten sollen. Daran arbeitet bei Siemens Healthineers in Forchheim Robin Hornschuh mit. // Deutscher Zukunftspreis/Ansgar Pudenz

Rückblickend beschreibt Hornschuh die erste Zeit seiner Ausbildung noch in Thüringen als „eine Art Kampf mit dem Material, das war nicht so leicht.“ Zum Lernprozess gehörten reihenweise an den heißen Stellen des Glasstabs verbrannte Finger, aber auch Schnittwunden von scharfkantigen Glasscherben, wenn mal ein Werkstück zerbrochen oder in heißem Zustand geplatzt ist.

Nach einem Unfall kam der Biss, der Beste werden zu wollen

Die Herausforderungen, vor die einen die Arbeit mit heißem Glas stellt, fasst Hornschuh rückblickend mit einem Zitat seines ersten Lehrmeisters in Thüringen zusammen: „Der hat dazu mal einen sehr wichtigen Satz zu mir gesagt: Glas ist ein Arschloch.“ Denn „das Glas macht mitunter, was es will“, erklärt Hornschuh. Und eben nicht unbedingt das, was sich der Glasbläser vorgestellt hat. 

Für seinen Werdegang zu einem der besten Azubis Deutschlands spielte aber auch ein schwerer Rückschlag eine Rolle, wie sich Hornschuh erinnert: „Nach meiner ersten Ausbildung hatte ich einen schweren Skiunfall, nach dem ich etwa ein Jahr lang nicht mehr arbeiten konnte.“ Stattdessen verbrachte er seine Zeit im Krankenhaus und in der Reha. „Das war für mich schlimm, dass ich nicht am Brenner sitzen und mich mit dem Medium Glas ausleben konnte.“ Dementsprechend „heiß“ sei er gewesen, nach der Genesung weiterzumachen. 

Und als weitere Folge des schweren Unfalls sei auch der Ansporn gewachsen, der beste Absolvent seines Fachgebiets werden zu wollen: „Der Unfall war ein Totalausfall für mich. Und wenn man da dann wieder zurückkommt, dann hat man den Biss. Da will man.“ In der Folge wollte er am meisten sich selbst zeigen, dass er seinen Beruf wirklich kann, erinnert sich Hornschuh. Am Ende stand er tatsächlich als einer der 207 besten Azubi Deutschlands bei einer feierlichen Gala der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin auf der Bühne und durfte einen Preis als bundesweit bester Azubi seines Fachs entgegennehmen. 

Robin Hornschuh (vorne in der Mitte) bei der Preisverleihung für die bundesweit besten Azubis im Dezember in Berlin.
Robin Hornschuh (vorne in der Mitte) bei der Preisverleihung für die bundesweit besten Azubis im Dezember in Berlin. // DIHK/Schicke /Plambeck

Die im Dezember 2024 in Berlin geehrten „Super-Azubis haben in ihren Berufen in den IHK-Abschlussprüfungen die bundesweit höchste Punktzahl erreicht und sich damit unter rund 250.000 Prüfungsteilnehmern durchgesetzt“, teilt die DIHK dazu mit. Bei der Gala in Berlin traf Hornschuh auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der in einem Redebeitrag den hohen Stellenwert der beruflichen Bildung herausstellte: „Qualifizierte und engagierte Auszubildende von heute sind unsere Fachkräfte von morgen“.

Wie sehr dieser Satz tatsächlich zutrifft, zeigt sich wieder zurück in Forchheim, wo Hornschuh heute an nicht mehr und nicht weniger als an einer ebenso neuartigen wie hochkomplexen Zukunftstechnologie mitarbeitet. Bei Siemens Healthineers kommt es auf Detailgenauigkeit und Präzision an, so Hornschuh. Schließlich gilt es jede Störung im Produktionsablauf der medizintechnischen Kristalle zu verhindern, bei denen schon kleinste Einschlüsse, Blasen oder Risse dazu führen würden, dass sie unbrauchbar und von der Qualitätskontrolle aussortiert werden. 

Künstlerische Arbeit soll in oder um Adelsdorf fortgesetzt werden

Der künstlerische Aspekt seines Handwerks kommt bei der von seinem Arbeitgeber gefragten Präzisionsarbeit nach genauen Vorgaben naturgemäß zu kurz. Diesen lebt Hornschuh stattdessen hobbymäßig im Privaten aus. Dann entstehen zum Beispiel kunstvolle Tierfiguren und mythologische Fabelwesen wie das im Titelbild gezeigte Einhorn. Nach seinem Umzug ins Frankenland sucht der Ex-Thüringer noch nach einem passenden Raum rund um Adelsdorf, in dem er seine Hobbywerkstatt einrichten kann. 

Was er dafür benötigen würde, klingt übersichtlich: 10 bis 20 Quadratmeter würden schon ausreichen; wichtig ist die Möglichkeit, einen Abzug installieren und mit offenen Flammen arbeiten zu können. Auch ein Stromanschluss wäre praktisch. Dann könnten im Aischgrund womöglich bald wieder kleine, zerbrechliche Kunstwerke entstehen. Denn Robin Hornschuh will in Franken bleiben: „Siemens Healthineers ist ein super Arbeitgeber. Wenn man es schafft, da reinzukommen, dann hast du es geschafft. Und in Franken fühle ich mich super wohl, schon allein wegen der Bierkellerkultur. Die ist klasse!“

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