In Höchstadt steht die Aischtalhalle, in Adelsdorf die Aischgrundhalle. Durch den Aischgrund führt der Aischtalradweg und in den Teichen des Aischtals wird der Aischgründer Karpfen gezüchtet. Ganz schön verwirrend, oder? Der FT hat deswegen Experten gefragt, ob Aischtal oder Aischgrund die richtige Bezeichnung ist für das Gebiet zwischen der Aischquelle bei Burgbernheim im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und der Aischmündung bei Trailsdorf im Landkreis Forchheim.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zum Beispiel definiert den Aischgrund als „kleinteilige, bäuerlich geprägte Teichlandschaft im Einzugsgebiet des Flusses Aisch und dessen Talgrund“. Der Aischtalradweg gehört laut der Internetseite der LAG Aischgrund „zu den abwechslungsreichsten Flussradwegen Deutschlands“. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) spricht auf seiner Internetseite ebenfalls vom Tal. Dort gibt es nämlich Freizeittipps, etwa für die „Höhenwege und Weinberge im Oberen Aischtal“.
Zwei Hallen, zwei Namen
Zwischen 1904 und 1993 verkehrten Züge auf einer inzwischen abgebauten Nebenbahnlinie zwischen Neustadt an der Aisch und Uehlfeld-Demantsfürth, die den Namen Aischtalbahn trug. Die Deutsche Bahn trieb die Verwirrung um die Begrifflichkeit zeitweise auf die Spitze, indem sie für den bis heute weiter betriebenen Streckenteil von Neustadt an der Aisch über Bad Windsheim nach Steinach bei Rothenburg auf Aushangfahrplänen zeitweise Aischgrundtalbahn als Namen der Bahnlinie benutzte. Heute ist dieser Streckenteil in den Unterlagen nur noch als Aischgrundbahn verzeichnet, wie eine Anfrage bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) ergab.
Dann gibt es noch die Aischgründer Bierstraße, die sich den Brauereien im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim widmet. Seit 2012 ist der Aischgründer Karpfen eine europarechtlich geschützte geografische Angabe. Und laut Tobias Küblböck von der Außenstelle für Teichwirtschaft des Landesamts für Landwirtschaft (LfL) in Höchstadt ist auf den ihm bekannten topographischen Karten immer Aischgrund als Name Region eingetragen, so wie bei anderen Regionen etwa die Namen Windsheimer Bucht, Steigerwald oder Fränkische Schweiz. Das Wort Aischtal dagegen „habe ich noch nie auf einer Karte gelesen“, sagt Küblböck.
Beweis im Heimatlied
In der Stadt Höchstadt steht dennoch die Aischtalhalle. Bürgermeister Gerald Brehm erklärt dazu, dass das Tal aus seiner Sicht „weitläufiger klingt“ als der Grund. Mit einem Augenzwinkern fügt Brehm hinzu: „Und deswegen haben wir die Aischtalhalle in Höchstadt, weil wir weitläufiger denken.“
Nur ein paar Kilometer flussabwärts, nämlich in Adelsdorf, steht die Aischgrundhalle und für den dortigen Bürgermeister Karsten Fischkal ist klar, dass das der richtige Name ist: „Ich kenne das seit meiner Kindheit, dass wir im Aischgrund leben und nicht im Aischtal.“ Allein das Wort Aischtal gehe ihm nur schwer über die Lippen, so Fischkal weiter.
Zum Beweis, dass es korrekterweise Grund und nicht Tal heißt, zitiert Fischkal aus dem Heimatlied „Mein Adelsdorf“, das zur Melodie von „In München steht ein Hofbräuhaus“ gesungen wird. In dessen überliefertem Text, der vermutlich aus den 1950er-Jahren stammt, heißt es in altdeutscher Schrift: „So gehts bei uns im Aischer Grund, lusti sammer und gesund“. Eine noch ältere Quelle ist die sogenannte Schnizzer-Chronik der Stadt Neustadt an der Aisch aus dem Jahre 1708. Darin heißt es zur Herkunft des Ortsnamens: „Auf gleiche Weiße wird auch diese Statt von dem nechstens dabey hinlauffenden Fluß Aysch benahmset Neustatt an der Aysch, welcher Fluß auch dem gantzen Grund, den er bewäßert und sich wenigstens in die sieben Meil erstrecket, den Nahmen mittheilet, daß man ihn den Ayschgrund heißet“.
Gebräuchlich im 18. Jahrhundert
Wie Sabine Fink vom Neustädter Stadtmarketing mitteilt, zieht sich der Name Aischgrund durch die gesamte Schnizzer-Chronik und deswegen „ist wohl davon auszugehen, dass dies die zur damaligen Zeit gebräuchlichste Bezeichnung“ war. In dem Buch „Geschichte der Stadt Neustadt a. d. Aisch“ aus dem Jahr 1834 wiederum berichtet Georg Ludwig Lehnes von der Entstehung des Aischtals und von Hochstraßen, die sich in das Aischtal hinabsenken, jedoch ebenso von der „Gegend des Aischgrunds“. Lehnes benutzt also beide Begriffe parallel.
In den Quellen, die Manfred Welker als Kreisheimatpfleger des Landkreises Erlangen-Höchstadt ausfindig machen konnte, ist zunächst weder vom Aischgrund noch vom Aischtal die Rede: „Die ältesten Schreiber Roppelt, Haas und Wehrl erwähnen Höchstadt als an der Aisch gelegen“, so Welker. Im Höchstadt-Lied von Pfarrer Georg Albert in der Vertonung von Friedrich Wilhelm Schatt kommt laut Welker die Zeile vor „Wo gleich einem Meer fernab leuchtet der Grund“. Wilhelm Malter, der 1965 ein Buch über das westliche Oberfranken veröffentlichte, zu dem Höchstadt damals vor der Gebietsreform noch gehörte, schreibt dagegen von dem von sanften Hügeln umrahmten Aischtal.
Uneins ist sich auch Neustadts Bürgermeister Klaus Meier bei der Wortwahl: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“. Zwar sei der Aischgrund der traditionellere Begriff, die Stadt Neustadt habe sich bei ihrem Slogan aber dennoch für „Zentral im Aischtal“ entschieden, „weil Tal freundlicher klingt, weniger neblig und weniger düster.“
Engerer und weiterer Begriff
Laut Dieter Mäckl, Kreisheimatpfleger des Landkreises Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, könnte die Antwort auf die eingangs gestellte Frage darin bestehen, dass das Tal und der Grund im Grunde genommen zwei verschiedene Dinge sind. Denn „im Fränkischen sagt man zum Einzugsgebiet eines Flusses oder Baches immer Grund.“ Als weitere Beispiele dafür führt Mäckl den Ehegrund, den Aurachgrund oder den Regnitzgrund an. Das Tal, so Mäckl weiter, sei im Vergleich ein engerer Begriff als der Grund. Denn das Tal sei lediglich der Fluss selbst und sein unmittelbares Umfeld, während der Grund das weitere Einzugsgebiet des Flusses mit seinen Nebentälern und einmündenden Bächen mit einschließe.
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