Jeder Karpfenfreund und alle, die irgendwie mit Karpfen zu tun haben, freuen sich, dass es endlich September ist. Pünktlich am Freitag, 1. September, wurde in Höchstadt die Karpfensaison eröffnet.
Zugleich war es auch die Auftaktveranstaltung für die beginnenden Teichkulturwochen, die seit 2022 nun jährlich stattfinden werden. Der erste schriftliche Nachweis über Teichwirtschaft im fränkischen Raum stammt von Ludwig dem Frommen, als er 795 in seiner Teichwirtschaftsordnung befahl, überall dort Teiche zu bauen, wo dies möglich ist (auf wasserundurchlässigen Böden mit geringem Sickerwasserverlust).
Es gibt schriftliche Nachweise über den Teichbau in Kieferndorf um 1420. Der Karpfen ist neben dem Schäufala eines der fränkischen „Nationalgerichte“ und aus dem Aischgrund, der Heimat des traditionsreichen Spiegelkarpfens, nicht mehr wegzudenken.
In Deutschland werden jährlich rund 12.000 Tonnen Karpfen gezüchtet – die Hälfte davon in Bayern. Die beste Qualität haben die Karpfen im Herbst, direkt nach dem großen Abfischen, bevor der Frost das Wasser in den Becken gefrieren lässt.
Karpfen in den fränkischen Gasthäusern
Obwohl der Karpfen auch in den Sommermonaten auf dem Markt verfügbar ist, hat der Verzehr des Karpfens in den Monaten mit „R“ einen traditionellen Hintergrund. Die Karpfenernte beginnt erst mit dem kälteren Wetter im Herbst, was die Abfischarbeiten wesentlich erleichtert, und ist mit Blick auf das Tierwohl am besten.
Die Karpfen fahren im kalten Wasser am besten. Vom 1. September bis zum 30. April haben die fränkischen Gasthäuser, die sich alle an die „R-Regel“ halten, leckere Karpfengerichte auf der Speisekarte.
Im September beginnt also die Karpfenzeit, und diese wurde festlich in Höchstadt auf dem Marktplatz eingeläutet. Nach der Kunstausstellung im Gasthaus in der Schranne konnte man gleich nahtlos zur Eröffnungsveranstaltung vom des Vereins „Karpfenland Aischgrund“ im großen Festzelt auf dem Marktplatz gehen.
Und dort wurden bereits leckere Karpfenspezialitäten angeboten. Der Spielmannszug war pünktlich um 18.30 Uhr zusammen mit Bürgermeister Gerald Brehm, Landrat Alexander Tritthart und der Karpfenkönigin Svenja I. im Zelt eingezogen.
Glauber spricht sich für Teichwirtschaft aus
Weitere Gäste waren Thorsten Glauber, Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, der „natürlich hinter den Teichbauern und dieser Kulturlandschaft steht“ und betonte, wie wichtig die Teichwirtschaft für die Natur und das Ökosystem ist.
Er versprach, dass er sich während seiner Amtszeit stets für die Teichwirtschaft einsetzen wird. Der Landrat freute sich in seinen Grußworten auf die Karpfensaison.
„Ich bin stolz, der Schirmherr sein zu dürfen, wünsche den Teichwirten eine gute ,Ernte‘ und den Gastronomen eine erfolgreiche Karpfenzeit. Ich werde meinen Teil dazu beitragen.“
Auch Karpfenkönigin Svenja I. sprach Grußworte. Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund aus Mühlhausen, überreichte zusammen mit Martin Oberle, dem stellvertretenden Landrat und Leiter der Außenstelle des Instituts für Fischerei in Höchstadt, dem Umweltminister einen Karpfen aus Muschelkalk und ein Emailleschild mit der Aufschrift: „Aus gutem Grund – Karpfen aus dem Aischgrund“, womit in Zukunft Teichwirte und Gastronomen in der Region zertifiziert werden sollen.
Sie dankten ihm auch für seinen großen Einsatz. Gerald Brehm, der extra früher aus Rom zurückgekehrt war, sprach allen Aktiven, dem Orgateam, den ehrenamtlichen Helfern, besonders dem Fischereiverein Höchstadt, aber auch der Künstlerin Irina Gerschmann, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben, seinen Dank aus.
Kellerbergverein braut Bier
Auch vergaß er nicht „Omnibus Vogel“ zu danken, der mit seinen Oldtimerbussen Ausfahrten zusammen mit den Gästeführern Christiane Kolbet und Leonhard Thomann anbot. Zu guter Letzt lobte er noch den Kellerbergverein, der zu diesem Fest extra ein besonderes Bier gebraut hatte.
Es war eine städtische Veranstaltung, und die ganze Organisation oblag dem Stadtmarketing mit Thomas Oppelt an der Spitze. Ein gelungener Karpfen-Auftakt.
Ab jetzt kann jeder wieder nach Belieben leckere Karpfen in jeglicher Form genießen – bis zum 30. April.
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