Wenn man sich den Landkreis Erlangen-Höchstadt auf einer Landkarte genau anschaut, dann fällt auf: Die Kreiskarte hat zwischen Adelsdorf und Höchstadt an der Aisch ein „Loch“. Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.
Rund 1,5 Kilometer entfernt
An der Stelle liegen mitten im Wald die sechs Limbacher Weiher. Die gehören, obwohl sie komplett vom Landkreis ERH umschlossen sind, zur Gemeinde Pommersfelden und damit zum Landkreis Bamberg. Es sind rund 1,5 Kilometer Luftlinie, die das Weihergebiet von der Grenze der Gemeinde Pommersfelden und damit auch von der Landkreisgrenze und obendrein der Bezirksgrenze zwischen Mittel- und Oberfranken trennen.
Doch damit nicht genug, es ist auch noch ein dritter Landkreis involviert: Die sechs Weiher gehören nämlich privatrechtlich Johann Weiß, Teichwirt aus Stiebarlimbach. Das ist ein Ortsteil der Gemeinde Hallerndorf, die im Landkreis Forchheim liegt. Weiß kennt den verwinkelten Waldweg, der zu den Weihern führt, auswendig. Schließlich schaut er hier mindestens an jedem zweiten Tag vorbei, um nach dem Rechten zu sehen – und um seine rund 8000 Karpfen mit Futter zu versorgen, die im Wasser aufgezogen werden.
Seltsames Ergebnis der Gebietsreform
Ihre Lage macht die sechs Karpfenweiher zu etwas ganz Besonderem. Denn es war ausgerechnet die kommunale Gebietsreform der Jahre 1972 bis 1978, die zu ihrem heutigen Sonderstatus geführt hat. Durch die damalige Gebietsreform in Bayern wurden Gemeinden zusammengelegt, Landkreise neu zugeschnitten und Gebiete abgerundet.
Und so kam es, dass die Stadt Höchstadt an der Aisch, die bis zur Gebietsreform in Oberfranken lag, zusammen mit zahlreichen kleinen Dörfern , die im Zuge der Reform ihre Selbstständigkeit verloren haben und der Stadt Höchstadt zugeschlagen wurden, in den komplett neu geformten Landkreis Erlangen-Höchstadt und damit in den Bezirk Mittelfranken eingegliedert worden ist.
Damals widersprach der Landkreis Bamberg jedoch der Eingliederung der Limbacher Weiher nach Mittelfranken – und hatte damit bemerkenswerterweise Erfolg. Während anderswo erbittert um ihre Eigenständigkeit kämpfende Dörfer erbarmungslos ihren Nachbargemeinden angegliedert wurden und auch der Gang vor die Gerichte zumeist nichts mehr half, durften die Limbacher Weiher in der Folge des Widerspruchs beim Landkreis Bamberg und damit in Oberfranken verbleiben. Seitdem bilden die sechs Weiher eine oberfränkische Exklave in Mittelfranken.
Tausch gegen Wald gescheitert
Eine Tatsache, die den Bamberger Landrat Hans Kalb (CSU) anlässlich eines Zeitungsinterviews im Sommer 2018 mit Stolz erfüllte. „Dass es uns gelungen ist, dieses Fleckchen im Landkreis zu behalten, freut mich ganz besonders“, sagte Kalb damals anlässlich einer Preisverleihung. Teichwirt Weiß wurde nämlich vom Bezirk und der Teichgenossenschaft Oberfranken für seine Bemühungen um den Erhalt und die Bewirtschaftung der Limbacher Weiher mit der Auszeichnung „Kulturgut Teich“ geehrt.
Eine Infotafel an der Weiherhütte informiert seitdem über die Geschichte der regionalen Kuriosität. Zu dieser gehören auch der benachbarte Steinersee und die zwei sogenannten Hasenköpfe. Dabei handelt es sich um die zwei Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassenen Weiher „Großer Hasenkopf“ und „Kleiner Hasenkopf“, auf deren Fläche heute ein dichter Wald steht. Der Steinersee und die Hasenköpfe sind ebenfalls Teil des Landkreises Bamberg.
Neue Karpfen schwimmen schon
In den 1980er-Jahren gab es noch einmal den Versuch, die Gebiete der Landkreise Bamberg und Erlangen-Höchstadt durch einen Gebietstausch abzurunden. Doch man konnte sich damals offenbar nicht einigen und so blieb es, wie geworden war. Als Tauschobjekte waren Waldgebiete bei Reumannswind und der Staatswald Kammerforst im Gespräch.
Die Gebietsreform habe „zum Teil äußerst interessante Gebietszuschnitte ergeben“, meint Landrat Alexander Tritthart (CSU) zu diesem Thema. Dass im Landkreis Erlangen-Höchstadt damals ein „Loch“ entstanden ist, „ist wohl einzigartig“, so Tritthart weiter. Der Pommersfeldener Bürgermeister Gerd Dallner sieht in dieser Einzigartigkeit einen großen Reiz und sagt mit einem Augenzwinkern: „Ein schöner Fleck Pommersfelden tut Mittelfranken vielleicht ganz gut.“
Egal ob Mittel- oder Oberfranken: Die Karpfensaison 2022/2023 geht an diesem Wochenende zu Ende. Schließlich hat der Monat Mai kein „R“ mehr in seinem Namen. Der Teichwirt Johann Weiß aus Stiebarlimbach freut sich aber schon auf die kommende Saison, die im Herbst 2023 beginnt. In seinen sechs Limbacher Weihern schwimmen nämlich schon die Drei-Landkreis-Karpfen, die sich die Liebhaber der fränkischen Spezialität ab September gebacken, blau oder als Filet schmecken lassen können.
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