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Jung, motiviert, obdachlos
Nach Wohncontainer-Aus: Pflege-Azubis finden kein Zuhause
Zu wenige Azubis in Forchheims Pflegeschule? Nicht unbedingt, heißt es dort. Das Problem: Viele springen ab, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt finden.
Zu wenige Azubis in Forchheims Pflegeschule? Nicht unbedingt, heißt es dort. Das Problem: Viele springen ab, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt finden. // Stephan Großmann
Forchheim – Die Wohnungsnot torpediert Forchheimer Versuche, mehr Pflegenachwuchs zu finden. 20 Container sollten nun in der Hainbrunnenstraße errichtet werden, doch die Stadträte sagten mehrheitlich Nein. Und jetzt?

Andreas Schneider wird ganz bang, wenn er an die vielen leeren Stühle denkt, an die Lücken im Ausbildungs-Dienstplan, an all die Abschlusszeugnisse, die er nicht ausstellen wird. Schneider leitet die Berufsfachschule für Pflege am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, er tritt seit Jahren mit innovativen Ideen dem grassierenden Fachkräftemangel in der Pflege entgegen.

Coole Marketingprojekte beispielsweise und das gelungene Anwerben von Schülerinnen und Schülern aus dem Ausland – Schneider versucht alles. Dass aber trotzdem noch so viele Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, liegt vor allem an einem Problem, das Schneider nicht beeinflussen kann: fehlender Wohnraum.

Wohnungsnot bei Klinik-Personal: „Lage ist dramatisch“

„Die Lage ist dramatisch“, sagt Schneider. Und zwar nicht nur in der Stadt Forchheim, Schneider steht dem Ausbildungsverbund Pflege der Region Forchheim vor und spricht für die gesamte Gegend. Von den insgesamt knapp 200 Plätzen im Ausbildungsverbund könne er derzeit 40 nicht besetzen. Weil nicht genügend Wohnraum zur Verfügung steht.

In Forchheim sei es am deutlichsten spürbar, dass es an bezahlbarem Wohnraum mangele. „Wenn ich Ausbildungsinteressierten eine billige Wohnung in der Nähe anbieten kann, dann ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil“, so Schneider. Oftmals würden sich die jungen Leute nach den organisatorischen Faktoren entscheiden, wo sie eine Lehre beginnen. Anbindung, Wohnung, Freizeit. Bei zwei der drei Faktoren kann Forchheim glänzen. Bei einem fällt es durch.

Andreas Schneider, Vorsitzender des Ausbildungsverbunds Pflege der Region Forchheim sowie Leiter der Berufsfachschule für Pflege Forchheim
Andreas Schneider, Leiter Berufsfachschule für Pflege Forchheim // Stephan Großmann

Und es gehe nicht nur um Azubis und erst recht nicht nur um Fachkräfte aus dem Ausland, sagt Schneider. „Auch viele Bewerber aus der Region schrecken vor Forchheim zurück, wenn sie einfach keine Wohnung finden.“ Das trifft junge Ärztinnen genauso wie Pflegefachkräfte und Aushilfen.

Unter 500 Euro Kaltmiete sind auf den einschlägigen Portalen kaum Mietwohnungen in Forchheim zu finden und wenn, dann sind sie ruckzuck weg, die Wartelisten für sozial geförderte Wohnungen zählen seit Jahren Hunderte Namen. Zwar gehören Pflegefachleute zu den bestverdienenden Azubigruppen. Aber für den normalen Mietmarkt reicht es dennoch nicht.

Stadt Forchheim und Klinikum haben Thema auf dem Schirm

Das Thema ist angekommen bei den Entscheidungsträgern. Seit Jahren versuchen Oberbürgermeister Uwe Kirschstein und seine Verwaltung, ausreichend neuen Wohnraum zu schaffen. Teils sogar mit Erfolg, dem steigenden Bedarf aber kommen sie dennoch nicht hinterher. Auch das Wohnproblem der Pflegekräfte hatte und hat die Stadt auf dem Schirm. Über die Vereinigten Pfründnerstiftungen Forchheim teilt sich die Stadt die Verantwortung für das Klinikum mit dem Landkreis. Daher sei auch eine Unterstützung darin, dringend benötigtes Fachpersonal zu akquirieren, „mehr als eine Lustaufgabe“, wie Kirschstein sagt.

Gescheiterte Containeranlage in Hainbrunnenstraße hallt nach

Erst kürzlich warb der Oberbürgermeister beinahe leidenschaftlich für einen Bauantrag eines privaten Investors, der in der Hainbrunnenstraße Wohncontainer beispielsweise für Pflegeazubis errichten wollte. Der lautstarke Protest der Anwohner sowie naturschutzrechtliche und ästhetische Bedenken überzeugten allerdings eine Mehrheit der Mitglieder des Bauausschusses – damit ist das Projekt vom Tisch. Ob und welchen Plan B der Bauwillige für dieses Grundstück in der Schublade hat, ist unklar. Bis Redaktionsschluss will er sich trotz mehrfachen Nachfragens nicht äußern.

Auch Mitarbeitenden-Wohnungen in Forchheim-Nord gescheitert

Und dies ist nicht der erste Vorstoß, den die Stadt unternommen hat. Im Zuge des Neubaus eines Wohnpflegeheims „An der alten Gärtnerei“ in der Pestalozzistraße wollte die Stadt eigentlich 20 Appartements für Mitarbeitende des Klinikums langfristig anmieten. Spätestens seit April 2024 ist aber klar, dass es nichts wird. Begründet hat das der Leiter des Liegenschaftsamtes damals damit, dass die Wohnungen wegen der Nebenkosten, der fehlenden Möblierung und dem personellen Mehraufwand für die Verwaltung unwirtschaftlich seien. „Die Appartements wären so teuer geworden, dass sich weder ein Mitarbeiter und schon gar kein Auszubildender ein solches auf Dauer hätte leisten können oder wollen“, schreibt er damals.

Wohnungen für Pflegende: Gibt es Alternativen in Forchheim?

Nun, nach dem Aus der Wohncontainer-Anlage in der Hainbrunnenstraße, ist die Stimmung in der Stadtpolitik etwas geknickt. Kirschstein verbirgt es, scheint aber sauer zu sein über das Nein seines Gremiums; und vor allem die Art und Weise sowie die Argumente, mit denen das aus seiner Sicht erfolgversprechende Bauprojekt abgebügelt worden ist. Denn: Weitere Alternativen stünden derzeit kaum zur Debatte. Aber, sagt, Kirschstein, leerstehende Gebäude gebe es schon einige in der Stadt. „Es braucht nur einen Investor.“

Ein solches Gebäude, das hin und wieder als Alternative ins Gespräch gebracht wird, ist das ehemalige Impfzentrum in der Don-Bosco-Straße. Das steht seit Ende 2022 leer, ein Jahr später kaufte es die Forchheimer Immobilienfamilie Korneli, um es aufwendig umzubauen und zu sanieren. Tatsächlich solle dort auch bezahlbarer Wohnraum entstehen, sagt Korneli auf Anfrage. Derzeit sei man in den finalen Zügen des Bauantrags. „Dass dort ein Wohnheim entsteht, kann ich allerdings nicht bestätigen“, so Korneli. Aber er sei grundsätzlich für Gespräche über etwaige Anmietungen seiner Wohnungen offen.  

Ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht ein kleiner. Wenn sich Pflegeschulchef Schneider etwas wünschen dürfte, dann ein ganzes Wohnheim, bestenfalls direkt am Klinikum. Nur fehle es für ein solches Bauvorhaben dort erstens an Platz, sagt Kirschstein. „Und wer das dann bauen soll, ist die zweite Frage.“ Selbst wenn der politische Wille in Forchheim bestünde; wegen der aktuellen Haushaltssperre wäre eine Neuplanung gar nicht möglich.

Klinikum mietet schon WGs an, Lage könnte sich verschärfen

Zwar ist auch selbst das Klinikum Forchheim längst nicht untätig, seit Jahren schon hat es privaten Wohnraum in der näheren Umgebung angemietet, erzählt Schneider. Darin kommen einige Azubis in größeren Wohngemeinschaften unter. Auch versuchen Schneider und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei der Suche zu vermitteln. Erfolg ist dabei jedoch stets Glückssache.

Laut Bevölkerungsvorausberechnung fehlen im Jahr 2029 etwa 260.000 Pflegekräfte in Deutschland. Das wirkt sich auch auf Forchheim aus. Schneider weiß das. Gleichzeitig blickt er weiter bang auf seine leeren Plätze. Und fürchtet schon die nächste Absage, nur weil kein freies Zimmer gibt.

 

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