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Zweites Medical Valley Center
Gründer-Mekka: Forchheim ist mehr als Siemens Healthineers
Viktor Naumann (links) liebt Erfolgsgeschichten. Am liebsten, wenn sie aus seinem Medical Valley Center stammen. Und davon gibt es durchaus einige zu erzählen. Beispielsweise die von Bernd Hanisch (Mitte)  und Benjamin Nögel.
Viktor Naumann (links) liebt Erfolgsgeschichten. Am liebsten, wenn sie aus seinem Medical Valley Center stammen. Und davon gibt es durchaus einige zu erzählen. Beispielsweise die von Bernd Hanisch (Mitte) und Benjamin Nögel. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – In Forchheims Süden gedeihen Firmen, um die Zukunft der Medizintechnik mitzuentwickeln. Ohne Medical Valley Center und Siemens Healhineers wäre das undenkbar. Und es ist bereits viel mehr geplant.

Schick ist er, der L-förmige Bürokomplex im Forchheimer Süden. Und doch wirken seine Talente im Verborgenen. Keine Glitzerfassade, keine massentauglichen Showrooms – und doch beherbergt das Medical Valley Center in der Äußeren Nürnberger Straße mehr als nur Büros und Konferenzräume mit schöner Aussicht. Vielmehr siedeln dort Gegenwart und Zukunft des bedeutendsten Produktionszweigs der Forchheimer Wirtschaft: die Medizintechnik.

Zwischen 15 und 20 Firmen und Organisationen haben dort ihren Sitz. Dies variiere je nach Jahr, sagt der Geschäftsführer der Medical Valley Center GmbH Viktor Naumann. Das liege daran, dass sich im Medical Valley Center (MVC) dem Grunde nach vor allem jene Unternehmen ansiedelten, die noch am Beginn ihrer wirtschaftlichen Schaffenskraft stünden. Start-ups und Neugründungen beispielsweise.

Medical Valley Center: 2017 in Forchheim gegründet

2017 ist es eingeweiht worden, seither soll es einen wichtigen Baustein im hiesigen Medizintechnik-Cluster bilden, dem Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN). Und tut das auch. „Ziel des Centers ist es, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen optimale Weiterentwicklungsmöglichkeiten bereitzustellen, sodass neue Dienstleistungen und Produkte in der regionalen Wertschöpfungskette der Medizintechnik entstehen können“, sagt Naumann.

Viktor Naumann, Geschäftsführer Medical Valley Center GmbH
Viktor Naumann, Geschäftsführer Medical Valley Center GmbH // Foto: Stephan Großmann

Erfolgsgeschichten wie LinaThera gibt es in Forchheim immer wieder

Erfolgsgeschichten haben die Mieter des MVC in den vergangenen Jahren etliche geschrieben.  Seien es die im Medical Valley Center entstandenen Pläne der Firma LinaThera, ab 2028 in der noch zu bauenden Produktionsstätte in Hallerndorf Rohstoffe für Krebsmedikamente herzustellen (medizinische Radionuklide). Und es gibt noch viele solcher Geschichten zu erzählen.

Viktor Naumann: Erste Mieter für Medical Valley Center 2 bereits fix

Drei weitere möchte MVC-Chef Viktor Naumann als Beispiele herausgreifen. Auch weil es die Firmen Consato GmbH, Die Kaiser-Amm GmbH sowie die TimeLine Consulting GmbH sind, die zu den ersten Mietern in dem Bürokomplex gehört haben. Und auch werden sie es sein, die wohl als erste ins eventuell schon im nächsten Jahr fertige Medical Valley Center 2 einziehen werden.

Best Practice 1: Kaiser-Amm TGA-Planung 4.0

Da wäre Peter Kaiser zu nennen. Der Inhaber von Kaiser-Amm TGA-Planung 4.0 gilt als einer der Vordenker für die technische Gebäudeausstattung in Deutschland. Kaiser bedient sich mit seinem Team den Vorteilen des sogenannten Building Information Modeling (BIM), um die Technik eines Gebäudes zu planen. Mittels Software wird ein digitaler Zwilling des Gebäudes erstellt, der für Architekten, Fachplaner und Baugewerke die Vorlagen ergibt.

Peter Kaiser, Geschäftsführer Kaiser-Amm GmbH
Peter Kaiser, Geschäftsführer Kaiser-Amm GmbH // Foto: Andreas Piller

So hat Kaiser über die Jahre aus der ehemaligen Firma seiner Eltern (Elektro Kaiser) das heutige Planungsbüro entwickelt – und zwar komplett im Medical Valley Center. Die Schnittmenge zum Center gibt es, weil Kaiser eigener Aussage zufolge unter anderem die Elektrotechnik in der Pflege verantworte – und zwar bundesweit. Gemeint sind Krankenhäuser, Altenheime und Arztpraxen. Darüber hinaus kommen regelmäßige Forschungsaufträge in diesem Bereich.

Best Practice 2: Consato

Eine ganz andere Branche bedient Bernd Hanisch. Er ist Geschäftsführer von Consato, einem Unternehmen, das IT-Lösungen für andere Firmen anbietet. „Wir sind für unsere Kunden oft die ersten Ansprechpartner bei IT-Fragen“, so Hanisch. Dazu gehören Service, Beratung und Integration der IT in die Unternehmensprozesse. Mittlerweile arbeiten zehn Menschen bei Consato. Zu den Kunden zählten von Beginn beispielsweise Arztpraxen, was wiederum den Link zum Medical Valley ausmacht.

„Wir sind fast ausschließlich Dienstleister. Daher sind wir auf Fachkräfte angewiesen, die auf eine gute Arbeitsumgebung mit toller Anbindung angewiesen sind. Außerdem brauchen wir eine starke und stabile Internetleitung. Das alles haben wir im Center vorfinden können“, sagt Hanisch. Zudem baue er sehr auf die Vernetzung und teils auch Zusammenarbeit mit anderen jungen Firmen aus dem Center, sagt er. „Es gibt hier Spezialisten für alles, und das mit kurzen Wegen.“

Bernd Hanisch, Geschäftsführer Consato GmbH
Bernd Hanisch, Geschäftsführer Consato GmbH // Foto: Stephan Großmann

Best Practice 3: TimeLine ERP 

Bevor ein Unternehmen eine Software warten lassen kann, muss es eine haben. Hier kommt Benjamin Nögel ins Spiel, Geschäftsleiter der Firma TimeLine ERP. Er liefert mit seinem Team spezielle Softwarelösungen für einzelne Unternehmen an, sowohl für industrielle Mittelständler als auch für medizintechnische Zulieferer.

Angefangen hatte Nögel im Medical Valley Center 2017 mit zehn Leuten. Heute beschäftigt er 25 Menschen. „Wir wollen in dem Segment Medizintechnik noch weiter wachsen“, sagt er. Das hoffe er, mit dem Umzug ins neue zweite MVC umsetzen zu können. Auch weil er gerne in Forchheim bleiben wolle und aktuell adäquate Alternativen fehlten.

Das seien nur einige positive Beispiele, sagt MVC-Chef Naumann, der darauf baut, mit dem Umzug der drei in das neue Center gleichzeitig neue Kapazitäten für die nächsten Erfolgsgeschichten generieren zu können. Auch ein Center Nummer drei hat bereits einen Sitz in Naumanns Gedankenkarussell. Zumindest in der Theorie. „Aber jetzt kümmern wir uns erst einmal um das aktuelle Projekt.“

Benjamin Nögel, Geschäftsleiter TimeLine ERP
Benjamin Nögel, Geschäftsleiter TimeLine ERP // Foto: Stephan Großmann

Siemens Healthineers: Welche Rolle der Konzern für Forchheim spielt

Dass sich Naumann, zugleich Wirtschaftsförderer der Stadt Forchheim, so stark für diesen Wirtschaftszweig macht, kommt nicht von ungefähr. Allein gemessen am Anteil der Beschäftigten ist die Medizintechnik-Branche die wichtigste Säule der hiesigen Wirtschaft. Das begann spätestens 1986, als Siemens mit seinem ersten Werk nach Forchheim zog. Seither hat der Erlanger Konzern (seit 2016 eigenständig als Siemens Healthineers) seine Präsenz in Forchheim stetig ausgebaut.

Auch wenn die enorme Abhängigkeit von der Performance des mit circa 4000 Beschäftigten größten Arbeitgebers der Stadt Gefahren birgt (Stichwort: Haushaltskrise nach Gewerbesteuerrückzahlungen), ist der positive Einfluss auf Forchheims Wirtschaftswelt nicht zu leugnen. Auch und gerade für die Firmen im Medical Valley Center direkt nebenan. „Die unmittelbare Nähe von Siemens Healthineers wirkt einerseits wie ein Magnet für die aufstrebenden Firmen in unserem Center. Und erleichtert die Kooperationen untereinander“, sagt Center-Geschäftsführer Naumann.

Nach etwa acht Jahren zieht er eine positive Bilanz der MVC-Idee. „Die Auslastung unserer zur Verfügung stehenden Büroflächen liegt meist zwischen 94 und 98 Prozent“, sagt er. Viele dieser Firmen lägen in Transformationsprozessen beziehungsweise noch am Anfang; manche schaffen den Sprung in dauerhaft erfolgreiches Wirtschaften. Die sollen bald die Chance bekommen, im künftigen Medical Valley Center 2 weiterarbeiten zu können. Und dort neue Arbeits- und vor allem auch Ausbildungsplätze schaffen.

 

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