Amazon steht seit Jahren für Superlative. Weltweit 180 Milliarden Dollar Umsatz in nur einem Quartal, gut 21 Milliarden Dollar Gewinn, täglich allein in Deutschland viele Millionen versendete Päckchen. Und zuletzt die Meldung, dass die Erlöse sogar noch ansteigen. Unterm Strich sollte es Amazon also gut gehen im Moment. Und doch überrascht der Handelsriese in dieser Woche mit der Nachricht, etwa 14.000 Stellen streichen zu wollen.
Amazon: Personalchefin verkündet Abbau von 14.000 Stellen weltweit
Das Unternehmen erklärte seinen Beschäftigten den Abbau in einer Mitteilung von Personalchefin Beth Galetti mit Änderungen in der Organisation in Zeiten Künstlicher Intelligenz. Bereits im vergangenen Jahr habe man das Ziel ausgerufen, die eigene Unternehmenskultur und die Teams stärken zu müssen, um weiterhin wachsen zu können.
Nun schreibt Galetti wörtlich (aus dem Englischen übersetzt): „Diese Generation von Künstlicher Intelligenz ist die transformativste Technologie, die wir seit dem Internet gesehen haben. […] Die angekündigten Kürzungen sind eine Fortsetzung dieser Bemühungen, noch stärker zu werden, indem wir Bürokratie weiter abbauen, Hierarchieebenen entfernen und Ressourcen umschichten, damit wir in unsere größten Initiativen und in das investieren, was für die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden am wichtigsten ist.“
Angeblich nur Arbeitsplätze in der Verwaltung betroffen
Die Versandaktivitäten in Deutschland und anderen Ländern sollen wohl nicht unter dem Abbau bei den Bürojobs leiden, so lässt es sich jedenfalls herauslesen (Galetti: „Wir sind überzeugt, dass wir schlanker organisiert sein müssen, mit weniger Hierarchieebenen und mehr Eigenverantwortung, um so schnell wie möglich für unsere Kundinnen und Kunden sowie unser Geschäft agieren zu können“.) Inwiefern Arbeitsplätze in Deutschland von den Kürzungen betroffen sind, war zunächst unklar.
Abbau bei Schaeffler, Adidas, Puma, Bosch – und jetzt Amazon?
Die Hiobsbotschaft reiht sich ein in ähnlich lautende Meldungen der vergangenen Monate etwa von Schaeffler, Adidas, Puma und Bosch. Amazon beschäftigt in Deutschland laut eigenen Angaben ungefähr 40.000 Menschen an 100 Standorten.
Einer davon ist Eggolsheim, wo der Handelsriese eines von nur wenigen Sortierzentren in Deutschland betreibt. Letzten Angaben des Unternehmens zufolge sind dort etwa 800 Menschen beschäftigt, gearbeitet wird in drei Schichten, sechs Tage die Woche. Nur am Sonntag stehen die Bänder still. Zur Vorweihnachtszeit wie aktuell wachse die Beschäftigtenzahl immer noch einmal, dann sind an die 1000 Mitarbeiter im Einsatz.
Was über mögliche Auswirkungen in Eggolsheim bekannt ist – und was nicht
Die fragen sich nun natürlich, ob und inwiefern sie von dem geplanten Stellenabbau betroffen sind. Laut Amazon werde man „in einigen Bereichen Personal abbauen und in anderen einstellen, insgesamt aber eine Reduzierung unserer Belegschaft im Unternehmensbereich um etwa 14.000 Stellen vornehmen“, so Galetti.
Aktuell lässt sich diese Amazon-Frage allenfalls spekulativ beobachten. Der Konzernsprecher verweist auf Nachfrage von fraenkischertag.de lediglich auf die seit Tagen bekannte Mitteilung Galettis. Er bittet um Verständnis, „aktuell darüber hinaus keine weiteren Informationen“ zu haben.
Eigentlich präsentiert sich Amazon auf einem Wachstumskurs – auch in Deutschland. So hatte Amazon erst im Juni einen Standort im höchsten Bürogebäude der Hauptstadt bezogen, auch in München will der Konzern Ende des Jahres eine neue Firmenzentrale beziehen. Weiterhin wolle man viele Milliarden in deutsche Standorte investieren.
Spekulationen über Amazon-Erweiterung in Eggolsheim bleiben im Raum
Auch in Eggolsheim steht seit Jahren eine Vergrößerung im Raum. Konkret geht es um die Einbindung einer bereits bestehenden Halle in den Betrieb. Laut Eggolsheims Bürgermeister Claus Schwarzmann habe Amazon diese Halle bereits angemietet, nutze sie aber nicht. Mehr wisse er auch nicht, würde sich selbst über Informationen freuen, wie er am Telefon sagt.
Amazon selbst äußerte sich zuletzt vor zwei Jahren dazu. „Aktuell befinden sich keine Maßnahmen für eine Erweiterung des Standortes in Planung“, teilt ein Unternehmenssprecher mit. Auch gebe es keine Baugenehmigung oder Ähnliches. Man fahre mit den derzeitigen Kapazitäten gut, so der Sprecher von Amazon damals. Und heute? Eine erneute Anfrage von fraenkischertag.de blieb bis Redaktionsschluss am Freitagabend noch unbeantwortet.
Verdi beobachtet Amazon in Deutschland genau
Dass aktuell lediglich Verwaltungsjobs vom Amazon-Stellenabbau betroffen sein sollen, beruhigt Branchenexperten aus der Region kaum. So haben sowohl die Industrie- und Handelskammer (IHK) als auch die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die weiteren Entwicklungen genau im Blick. Der für die Branche zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Marcus Dietsch sagt, man habe Amazon bundesweit im Auge.
Nicht zuletzt, weil Amazon laut Verdi-Angaben nach wie vor bestehende Flächentarifverträge nicht anerkenne und seine Mitarbeitenden überwache und unter hohen Arbeitsdruck stelle. Einen Einblick in die aktuelle Lage im Eggolsheimer Sortierzentrum habe Dietsch „leider nicht", auch weil es dort keinen Betriebsrat gebe und die Informationspolitik spärlich gehalten werde. „Aber falls am Standort Eggolsheim doch Stellen wegfallen sollten, setzen wir uns dafür ein, dass diese sozialverträglich abgewickelt werden“, so Dietsch.
Noch will niemand glauben und hoffen, dass es so weit kommt. Noch. Denn, wie Amazon-Personalchefin Beth Galetti zu Recht anmerkt: „Die Welt verändert sich schnell“.


















