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Was auf Betroffene zukommt
Stellenabbau Schaeffler: Nicht genug Freiwillige gefunden
Der Automobilzulieferer Schaeffler hat für Deutschland und Europa einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Am Hauptsitz in Herzogenaurach werden in den kommenden Jahren rund 700 Arbeitsplätze wegfallen.
Der Automobilzulieferer Schaeffler hat für Deutschland und Europa einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Am Hauptsitz in Herzogenaurach werden in den kommenden Jahren rund 700 Arbeitsplätze wegfallen. // Foto: Adelheid Wagner
Herzogenaurach – Beim Zulieferer in Herzogenaurach geht der Stellenabbau in die nächste Phase. Bis Oktober hatte man auf Freiwillige gewartet. Der Betriebsrat gibt Einblick, wie es jetzt für Mitarbeiter weitergeht.

Wenig enthusiastisch werden viele der Beschäftigten beim Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler in Herzogenaurach dem Herbst entgegensehen. Nicht nur im übertragenen Sinne. Denn ab Oktober will das Unternehmen am Hauptsitz in Herzogenaurach den Ende 2024 angekündigten Stellenabbau mit konkreten Maßnahmen angehen.

Rund 700 von etwa 8.700 Arbeitsplätzen sollen an dem Standort in Mittelfranken, unter anderem im Sektor E-Mobility, gestrichen werden. Bundesweit will Schaeffler 2.800 Arbeitsplätze, in Europa ganze 4.700 Stellen abbauen.

Stellenabbau bei Schaeffler: Zahl zum Stichtag nicht erreicht 

Im August berichtete fraenkischertag.de nach Schilderungen der Arbeitnehmervertreter, dass mit dem Monatsbeginn Oktober die Frist für Mitarbeitende verstreiche, sich freiwillig zu melden, um das Unternehmen zu verlassen. „Das Interesse an Aufhebungsverträgen mit den dazugehörigen Abfindungen ist nach wie vor groß“, heißt es von Hanna Köhler, der Betriebsratsvorsitzenden bei Schaeffler in Herzogenaurach.

Bis zum Stichtag hatte man bei Schaeffler eine Zeitschiene für den Stellenabbau festgelegt. „Hier in Herzogenaurach hat der Vorstand ein hohes Maß an Abbauzahlen festgelegt“, sagt Köhler. So hätten die Austrittszahlen zum 30. September nicht ausgereicht.

Wie hoch die Zahl derjenigen ist, die nun unfreiwillig vom Stellenabbau betroffen sind – das lassen Betriebsrat und das Unternehmen offen. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns darüber hinaus zu konkreten Zahlen und Details, die die von den strukturellen Maßnahmen betroffenen Standorte betreffen, nicht öffentlich äußern“, schreibt einer Sprecherin. Wortwörtlich wiederholt Schaeffler damit die Antwort, welche das Unternehmen bereits im August von sich gab und im Weiteren wie folgt lautet: „Die Umsetzung der am 5. November 2024 angekündigten strukturellen Maßnahmen schreitet planmäßig in allen Bereichen voran. Wir sind zuversichtlich, dass der geplante Abbau im Zeitraum 2025 bis 2027 mehrheitlich erfolgt ist und sich das Einsparpotential in 2029 vollumfänglich realisieren wird.“

Schaeffler-Betriebsrat setzt Verhandlungen fort

Schaeffler betont, man stehe mit seinen Arbeitnehmervertretungen in kontinuierlichem und konstruktivem Austausch, „um eine sozialverträgliche Umsetzung zu erreichen.“

Der Betriebsrat benennt den Austausch etwas konkreter. „Der Arbeitgeber hat bereits angekündigt, mit dem örtlichen Betriebsrat in entsprechende Verhandlungen gehen zu wollen“, heißt es von Köhler.

Involviert sind laut Köhler auch Nick Heindl von der IG Metall Erlangen sowie die Rechtsanwaltskanzlei Manske und Partner aus Nürnberg. Letztere sei damit beauftragt, bei den Verhandlungen entsprechend zu begleiten und zu unterstützen.

Stellenabbau in Herzogenaurach: Jetzt geht es um Abfindungen

Ziel des Betriebsrats ist es, die vorgestellten Abbauziele des Unternehmens genaustens zu prüfen und entsprechend weiterhin gute Abfindungsoptionen für unsere Kolleginnen und Kollegen auszuhandeln.

Zuvor hatte der Betriebsrat zusammen mit Schaeffler ein Eckpunktepapier über das Strukturwährungsprogramm Forward am Standort Herzogenaurach ausgehandelt. Nun wird es, nach der Betriebsrätin, im weiteren Verlauf darum gehen, Optionen für Abfindungen auszuhandeln: „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen im Produktionsbereich gleiche Chancen einräumen, das Unternehmen gegebenenfalls mit einer guten Abfindung verlassen zu können.“

Strukturierungsprogramm regelt Stellenabbau bei Schaeffler bis 2028

Schaefflers Strukturierungsprogramm „Forward“ läuft aktuell gemäß dem abgeschlossenen Eckpunktepapier ab. Dies wurde lauf Köhler bereits im Ende Januar von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerparteien unterzeichnet. Bezüglich des Freiwilligenprogramms und der Verhandlungen über Interessensausgleiche gibt Köhler an: „Die Rahmenbedingungen müssen nun verhandelt werden.“

Derzeit scheint die Möglichkeit, dass Mitarbeitende betriebsbedingt gekündigt werden, recht gering. „Ohne örtliche Interessenausgleich sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen“, sagt die Betriebsrätin und führt aus:  „Bezüglich betriebsbedingten Kündigungen wurde im Eckpunktepapier geregelt, dass wenn betriebsbedingte Kündigungen dennoch erforderlich sein sollten, so können sie nur das letzte Mittel zur Erreichung der strukturellen Personalanpassungen sein.“ Betriebsbedingte Kündigungen könnten nur mit Hilfe eines Interessenausgleichs verhandelt werden und würden laut Betriebsrätin die Zustimmung des Steuerkreises, bestehend aus Betriebsrat, Konzernbetriebsrat und Arbeitgeber, voraussetzen. 

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