Oben gestärktes Businesshemd, unten die bequeme Jogginghose. Das ist Homeoffice.
Homeoffice-Angebote gehören in der Arbeitswelt mittlerweile zum Standard. Etwa jedes dritte Unternehmen in Deutschland plant sogar mehr Homeoffice für seine Beschäftigten. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).
Entgegen diesem Trend machten namhafte Unternehmen wie die Deutsche Bank, Volkswagen und Amazon damit Schlagzeilen, Homeoffice reduzieren zu wollen. In Franken löste der Automobilzulieferer Brose jüngst eine Debatte aus. Michael Stoschek, Vorsitzender des Brose-Verwaltungsrats, erteilte dem Arbeiten von zu Hause eine Absage. Dann handelten Arbeitnehmervertreter mit dem Brose-Management doch noch einen Tag Homeoffice pro Woche aus.
Ade Homeoffice? Wie die größten Arbeitgeber in Erlangen und Erlangen-Höchstadt zu dem Thema stehen und wie viel Homeoffice Schaeffler, Siemens und Co. ihren Mitarbeitern anbieten, zeigt diese Übersicht:
- Siemens: Anwesenheit im Büro steht nicht „im Mittelpunkt“
- Schaeffler in Herzogenaurach: Arbeiten vor Ort ist ein Grundpfeiler
- Adidas: Zehn Arbeitstage außerhalb des Beschäftigungslands
- Sportartikelhersteller Puma: Mobile Office seit 2012
- FAU Erlangen: Bis zu 50 Prozent Homeoffice
- Was ist der Unterschied zwischen mobiler Arbeit und Homeoffice?
Siemens: Anwesenheit im Büro steht nicht „im Mittelpunkt“
Mit rund 21.000 Mitarbeitern ist Siemens in Erlangen der größte Arbeitgeber in der Region und Erlangen-Höchstadt. Das Technologieunternehmen mit Fokus auf Industrie, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheit bietet seinen Beschäftigten zwar kein Homeoffice, dafür aber die Option des Mobile Office an. „Mobiles Arbeiten wird bei Siemens schon länger angeboten“, schreibt Bernhard Lott, Pressesprecher des Unternehmens.
Das Unternehmen zeigt sich aufgeschlossen: „Die Pandemie hat gezeigt, dass technische Mittel, wie virtuelle Konferenzen, ausgezeichnet funktionieren.“ Seit 2021 gebe es laut Lott die Möglichkeit, zwei bis drei Tage pro Woche mobil zu arbeiten. Diese Regelung gelte in erster Linie für Bürotätigkeiten.
Virtuelle Konferenz versus direkter Austausch unter Kollegen bei Siemens in Erlangen
Trotzdem legt Siemens Wert auf das direkte Miteinander unter Kollegen. Das haben auch Mitarbeiterbefragungen bestätigt „Soziale Kontakte, das Arbeiten im Team, Netzwerken usw. sind dennoch sehr wichtig und können nicht durch rein virtuelle Kontakte ersetzt werden.“
Siemens setze allerdings den sozialen Austausch unter den Angestellten nicht zwangsläufig mit Büroarbeit gleich. „Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Anwesenheit im Büro, sondern eine ergebnisorientierte Kultur des Vertrauens, des Empowerments und der Verantwortlichkeit, damit die Mitarbeitenden selbstbestimmt ihren Arbeitsalltag organisieren können", sagt der Pressesprecher.
Das wird sich in absehbarer Zeit nicht verändern. Siemens habe keine Absichten die bestehenden Regelungen anzupassen. Wenig überraschend sind Montag und Freitag die beliebtesten Tage für die mobile Arbeit. „Die bevorzugten Bürotage sind Dienstag bis Donnerstag“, sagt Lott.
Schaeffler in Herzogenaurach: Arbeiten vor Ort ist ein Grundpfeiler
So richtig scheint der Automobilzulieferer Schaeffler nicht von Homeoffice-Lösungen überzeugt. „Arbeiten vor Ort ist und bleibt ein wichtiger Grundpfeiler des Arbeitsmodells bei Schaeffler“, lautet die Stellungnahme des Unternehmens.
„Der persönliche Austausch ist die Grundlage für den Aufbau starker Teams und Netzwerke, für die Förderung von Innovationen, das Erarbeiten kreativer Lösungen und die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen“, erklärt Christian Bald, Pressesprecher des Unternehmens auf eine Anfrage von fränkischertag.de
Schaeffler beschäftigt in Herzogenaurach und Höchstadt zusammen rund 8.600 Mitarbeiter und 500 weitere am Standort in Erlangen-Frauenaurach. Selbsterklärend, dass für Mitarbeitende in der Produktion Homeoffice aus betrieblichen Gründen nicht möglich ist.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Firma gar keine Arbeitsmöglichkeiten jenseits des Büros anbietet. In den „indirekten Bereichen“ hätten Führungskräfte und Mitarbeitende bei Schaeffler laut Bald die Möglichkeit „auch mobile Arbeit, also beispielsweise Arbeiten im Homeoffice“ zu vereinbaren.
Schaeffler habe bereits vor den Corona-Jahren eine Betriebsvereinbarung dazu abgeschlossen und eine interne Richtlinie zu „Remote Work“ veröffentlicht.
Die Frage, ob es in absehbarer Zukunft mehr oder weniger Mobileoffice bei Schaeffler geben könnte, blieb indes unbeantwortet. Ausgehend von den bisherigen Aussagen, dürfte das bei dem Unternehmen nicht zu erwarten sein.
Adidas: Zehn Arbeitstage außerhalb des Beschäftigungslands
Adidas verfolgt ein flexibles Arbeitskonzept für mehr als 5.000 Mitarbeitende am Hauptsitz in Herzogenaurach. Davon ausgenommen sind nach Auskunft der Pressestelle die Geschäfte und Distribution. Der Sportartikelhersteller bietet seinen Beschäftigten die Möglichkeit bis zu zwei Tage pro Woche außerhalb der Zentrale zu arbeiten.
Obendrauf gibt es für die Belegschaft, die sich aus mehr als hundert verschiedenen Nationalitäten zusammensetzt, die Möglichkeit bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr auch außerhalb des Beschäftigungslandes zu verbringen.
„Bei Adidas gab es bereits vor der Pandemie ein flexibles Arbeitskonzept“, heißt es von der Pressestelle des Unternehmens. Ein Abschied vom Homeoffice wird es bei der Firma mit den drei Streifen in absehbarer Zeit also nicht geben. „Das Angebot wird von unseren Beschäftigten gerne genutzt“, sagt Julia Dusemond, Sprecherin von Adidas. Vor allem an Freitagen. Der sei laut Dusemond „ein beliebter Homeoffice-Tag“.
Menschenleere Arbeitsplätzen sind in Herzogenaurach deswegen nicht zu befürchten: „In unserer Unternehmenszentrale in Herzogenaurach arbeiten unsere Beschäftigten aktuell mehrheitlich vom Büro aus", sagt die Sprecherin.
Sportartikelhersteller Puma: Mobile Office seit 2012
Ein paar Kilometer weiter werden die Büros eines anderen Herzogenauracher Sportartikelherstellers über eine gläserne Brücke verbunden, die über den Hans-Ort-Ring führt.
Am Puma Hauptsitz liegt die Anwesenheitsquote an einem typischen Arbeitstag bei 75 bis 80 Prozent, wie die Pressestelle mitteilt. Die restlichen 20–25 % der Puma-Beschäftigten nutzen die Möglichkeit des Mobile Office. in der Regel können Mitarbeiteitende in Herzogenaurach bis zu zwei Tage pro Woche im Mobile Office arbeiten, heißt es von der Pressestelle.
„Diese Verteilung zeigt, dass unsere flexible Arbeitsweise gut angenommen wird und gleichzeitig eine starke Präsenz am Hauptsitz erhalten bleibt“, sagt Eva-Maria Boehm, Sprecherin des Unternehmens.
Als Arbeitgeber lege das Unternehmen Wert auf eine „moderne und flexible Arbeitskultur, bei der Mobile Office ein fester Bestandteil ist“. Das Arbeitsmodell gebe es beim Sportartikelhersteller bereits seit dem Jahr 2012.
Mit Kind zur Arbeit? Eltern-Kind-Büros bei Puma
Außerdem sind bei Puma auch individuelle Lösungen möglich, etwa für Eltern mit Kindern oder Mitarbeitende mit Pflegeverantwortung. „In Abstimmung mit der jeweiligen Führungskraft kann die Mobile-Office-Regelung für bestimmte Zeiträume angepasst werden, wenn es die persönliche Lebenssituation erfordert“, erklärt Boehm.
Wenn die Kita mal zu ist und Eltern keinen Urlaub haben, müssen diese nicht zwangsläufig von zu Hause arbeiten. Sie können alternativ das bei Puma eingerichtete Eltern-Kind-Büro nutzen. „Kinder dürfen bei Bedarf auch mit zur Arbeit gebracht werden, um Eltern mehr Flexibilität bei der Betreuung zu ermöglichen“, sagt die Sprecherin.
Bei Puma scheint man mit den derzeitigen Arbeitsmodellen zufrieden. „Aktuell gibt es keine Absicht, den Umfang dieser Regelung zu verändern – das bestehende Modell hat sich bewährt und wird von unseren Mitarbeiter*innen gut angenommen“, sagt Boehm.
FAU Erlangen: Bis zu 50 Prozent Homeoffice
„Homeoffice ist an der FAU seit langem etabliert, allerdings war vor der Corona-Pandemie Homeoffice-Betätigung vor allem für Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen, wie Kinderbetreuung oder Pflege üblich“, sagt Blandina Mangelkramer. Pressesprecherin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).
Die bestehende Dienstvereinbarung zum Homeoffice sei zu Pandemiezeiten erarbeitet worden. „Sie ermöglicht Homeoffice grundsätzlich für alle Beschäftigten des wissenschaftsstützenden Personals ermöglicht, sofern der Dienstbetrieb es zulässt“, erläutert Mangelkramer.
In der Regel können Arbeitnehmende des wissenschaftsstützenden Personals an der FAU bis zu 50 Prozent ihrer Zeit im Homeoffice arbeiten. Die Entscheidung darüber läge laut Mangelkramer beim direkten Vorgesetzten.
Von der Homeoffice-Regelung ausgenommen seien studentische Hilfskräfte und Beschäftigte deren Arbeit vor Ort stattfindet, wie etwa im Bereich des Gebäudemanagements.
Wenig überraschend sind, auch im Universitätsbetrieb, wie Mangelkramer es ausdrückt, „die Wochenendrandzeiten“ und vor allem der Freitag beliebte Homeofficetage.
FAU als Arbeitgeber: Bewerber erwarten Flexibilität
An der wissenschaftlichen Einrichtung hat sich die „Homeoffice-Beschäftigung als sinnhafte Ergänzung zur Beschäftigung an der Dienststelle vor Ort etabliert.“ An der FAU ist das flexible Arbeitsmodel auch deswegen möglich, weil „insbesondere die Infrastruktur, Erreichbarkeit, Zugänge zu Daten etc., mittlerweile sehr gut ausgebaut und professionalisiert sind“, heißt es von der Sprecherin.
Mit bis zu 50 Prozent „Homeoffice", macht das die Universität zu dem flexibelsten der befragten Arbeitgeber. Zudem ist die FAU der einzige Arbeitgeber dieser Umfrage, welcher nicht nur „mobiles Arbeiten“ sondern „Homeoffice“ anbietet.
Das hat Gründe. Denn einerseits sieht man Homeoffice bei der FAU als „sinnvolle Ergänzung zur Beschäftigung an der Dienststelle“ an. Andererseits „ist diese Flexibilität in der heutigen Zeit für potenzielle Mitarbeitende bei der Jobsuche fast schon unabdingbar“, sagt Mangelkramer, „die Möglichkeit von Homeoffice trägt ganz massiv dazu, die FAU weiterhin als attraktiven Arbeitgeber in der Region zu positionieren."
Was ist der Unterschied zwischen mobiler Arbeit und Homeoffice?
Mit dem umgangssprachlichen Begriff „Homeoffice“ ist meist die Rede von der gesetzlich definierten „Telearbeit“, die in der Regel an einem fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz im eigenen Heim des Arbeitnehmers stattfindet. Nach einer Erläuterung der Dienstleitungsgewerkschaft Verdi erfolgt mobile Arbeit dagegen nicht an einem festen Ort, sondern kann stattdessen zum Beispiel im Zug, beim Kunden oder an einem anderen, nicht festgelegten Ort erbracht werden.



















