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Büro vs. Arbeitszimmer
Zurück ins Büro? So stehen Forchheimer Firmen zum Homeoffice
4000 Mitarbeiter: Der Medizintechnikhersteller Siemens Healthineers ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Forchheim und bietet bis zu 60 Prozent mobile Arbeitszeit an.
4000 Mitarbeiter: Der Medizintechnikhersteller Siemens Healthineers ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Forchheim und bietet bis zu 60 Prozent mobile Arbeitszeit an. // Foto: Daniel Karmann/dpa
Forchheim – Homeoffice ist in der Arbeitswelt zum Standard geworden. Welche Vor- und Nachteile Forchheimer Unternehmen in dem Modell sehen, zeigt diese Übersicht. Mancherorts sind die Chefs besonders großzügig.

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist ein gewisser Anteil an Homeoffice, zumindest was Bürotätigkeiten angeht, zum Standard bei vielen Unternehmen geworden. In Oberfranken sorgte jüngst eine Homeoffice-Debatte für Aufregung.

Erst erteilte Michael Stoschek, Vorsitzender des Brose-Verwaltungsrats, dem Arbeiten von zu Hause eine Absage. Dann handelten Arbeitnehmervertreter mit dem Brose-Management doch noch einen Tag Homeoffice pro Woche aus.

Wie stehen einige der größten Arbeitgeber im Landkreis Forchheim zu dem Thema Homeoffice? Arbeiten in den eigenen vier Wänden oder alle wieder zurück ins Büro? 

 

Siemens Healthineers: Mobile Office seit den 1990er-Jahren

Ein Mitarbeiter in der Fertigungshalle bei Siemens Healthineers. Im Bereich Produktion ist Homeoffice meist nicht möglich.
Ein Mitarbeiter in der Fertigungshalle bei Siemens Healthineers. Im Bereich Produktion ist Homeoffice meist nicht möglich. // Foto: Martin Landeck

Der Medizintechnikhersteller Siemens Healthineers ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Forchheim. In der Siemensstraße sind rund 4000 Mitarbeiter unter anderem mit der Produktion von Computertomografen beschäftigt.

Diese können beim Siemens-Tochterunternehmen bis zu 60 Prozent der Arbeitszeit zwar nicht im Homeoffice, sondern im Mobile Office verbringen. Das teilte Gill Griffith-Jones, die Sprecherin von Healthineers, schriftlich auf eine Anfrage von fraenkischertag.de mit. 

Maximal zwei Drittel der Arbeitszeit  – damit legt Healthineers das Angebot remote zu arbeiten von allen befragten Arbeitgebern am großzügigsten aus. Aber, es gibt auch Einschränkungen: 

Nicht alle Tätigkeiten lassen sich außerhalb des Unternehmens erledigen. „Naturgemäß sind manche Tätigkeiten, zum Beispiel bei Mitarbeitenden in der Fertigung, nicht für mobile Arbeit geeignet. Gleiches kann aber auch bei Bürotätigkeiten gelten, etwa wenn es um die Einarbeitung eines/r neue(n) Kollegen*in geht“, teilt die Pressesprecherin mit.  

Mobiles Arbeiten gibt es bei Healthineers nicht erst seit der Corona-Pandemie. Laut Griffith-Jones habe die Siemenstochter die Arbeitsform bereits systematisch in den 90er Jahren eingeführt. „Wir sind davon überzeugt, dass mobiles Arbeiten zu einem festen Bestandteil unserer Arbeitswelt geworden ist“, heißt es von der Pressesprecherin.

Konkrete Veränderungen in Bezug auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten hat das Unternehmen derzeit nicht im Blick. Bei Healthineers zeigt man sich flexibel. Die Rahmenbedingungen und die Nutzung habe man immer im Blick und passe diese bei Bedarf an.

Siemens: Anwesenheit im Büro steht nicht „im Mittelpunkt“

Der Siemens Campus in Erlangen. Anwesenheit im Büro steht nicht „im Mittelpunkt“, heißt es vom größten Arbeitgeber in Erlangen.
Der Siemens Campus in Erlangen. Anwesenheit im Büro steht nicht „im Mittelpunkt“, heißt es vom größten Arbeitgeber in Erlangen. // Foto: Adelheid Wagner

Viele Forchheimer arbeiten als Teil des Siemensuniversums. Das Technologieunternehmen mit Fokus auf Industrie, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheit beschäftigt in Erlangen rund 21.000 Mitarbeiter. 

Ähnlich wie Healthineers bietet Siemens seinen Arbeitnehmern die Möglichkeit an, mobil zu arbeiten. „Mobiles Arbeiten wird bei Siemens schon länger angeboten“, schreibt Bernhard Lott, Pressesprecher des Unternehmens. 

„Die Pandemie hat gezeigt, dass technische Mittel, wie virtuelle Konferenzen, ausgezeichnet funktionieren.“ Seit 2021 gebe es laut Lott die Möglichkeit, zwei bis drei Tage pro Woche mobil zu arbeiten. Diese Regelung gelte in erster Linie für Bürotätigkeiten. 

Virtuelle Konferenz kein Ersatz für sozialen Austausch bei Siemens in Erlangen

Trotzdem legt Siemens Wert auf den direkten Austausch. Das haben auch Mitarbeiterbefragungen bestätigt „Soziale Kontakte, das Arbeiten im Team, Netzwerken usw. sind dennoch sehr wichtig und können nicht durch rein virtuelle Kontakte ersetzt werden.“ 

Dabei setzt Siemens sozialen Austausch unter den Angestellten nicht zwangsläufig mit Büroarbeit gleich.„Dort wo es möglich ist, arbeiten wir bei Siemens flexibel“, erklärt Lott. „Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Anwesenheit im Büro, sondern eine ergebnisorientierte Kultur des Vertrauens, des Empowerments und der Verantwortlichkeit, damit die Mitarbeitenden selbstbestimmt ihren Arbeitsalltag organisieren können.“

Mehr Büro oder mehr Flexibilität - bei Siemens gibt es derzeit keine Absicht, die bestehenden Regelungen zu verändern. Und an welchen Tagen arbeiten Siemensianer am liebsten remote? „Die bevorzugten Bürotage sind Dienstag bis Donnerstag“, heißt es von der Pressestelle. 

Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz: Verwaltung, IT und Technik

Die Arbeit lässt sich nicht von zu Hause erledigen: ein Arzt bei der Vorbereitung einer Operation im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz.
Die Arbeit lässt sich nicht von zu Hause erledigen: ein Arzt bei der Vorbereitung einer Operation im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz. // Foto: Nikolas Pelke/Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz (Archiv)

Selbstverständlich kann ein Arzt nicht von zu Hause operieren. An 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr sorgen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums Forchheim–Fränkische Schweiz dafür, dass der Medizin- und Pflegebetrieb für die Bevölkerung funktioniert.

An den beiden Krankenhausstandtorten in Forchheim und Ebermannstadt arbeiten insgesamt fast 1200 Beschäftigte, darunter 160 Ärztinnen und Ärzte, 450 Pflegende, 140 Therapeuten und das Servicepersonal. Dazu kommen ein Verwaltungsapparat und der Bereich der technischen Infrastruktur. Gibt es zumindest für letztere Gruppen beim zweitgrößten Arbeitgeber im Landkreis Forchheim Homeoffice?  

„Eine regelhafte Arbeit ist im Homeoffice für unsere Beschäftigten nicht möglich“, sagt Dr. Christian Sperber, Leiter der Personalabteilung im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz.

Als Grund dafür nennt Sperber, dass auch Mitarbeiter aus IT, von der Technik oder im Wirtschaftsdienst, für ihre Arbeit vor Ort sein müssten, um den ordnungsgemäßen Betrieb der Einrichtungen zu gewährleisten. 

Waasner Elektrotechnische Fabrik GmbH: Homeoffice seit Corona

Die Produktion bei Waasner. Im produzierenden Gewerbe ist nicht überall mobiles Arbeiten möglich.
Die Produktion bei Waasner. Im produzierenden Gewerbe ist nicht überall mobiles Arbeiten möglich. // Firma Waasner/ Archiv

Beim Elektrotechnik-Unternehmen Waasner in Forchheim arbeiten fast 400 Mitarbeitende. „Als produzierendes Unternehmen können wir nur einem kleinen Anteil der Mitarbeitenden die Möglichkeit für Homeoffice einräumen“, sagt Michael Waasner, Geschäftsführer des Unternehmens und Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Bei Waasner werde Homeoffice oder Mobile-Office in Bezug auf Bürojobs individuell vereinbart. „Das betrifft rund 70 Mitarbeitende“, sagt Waasner. Eine generelle Regelung habe das Unternehmen nicht. Auch für Homeoffice-Tage pro Woche gebe es keine Vorgaben.

Eingeführt hat man die örtlichen flexiblen Arbeitsformen „seit dem Ausbruch von COVID-19 im März 2020“. Heute gehören Montag und Freitag zu den beliebtesten Homeofficetagen.

Mit den bestehenden Absprachen scheint das Unternehmen gut zu fahren. „In absehbarer Zukunft wollen wir an der bestehenden Praxis nichts ändern“, heißt es vom Unternehmenschef.

Ist Homeoffice gut für die individuelle Flexibilität und schlecht für die Unternehmenskultur? Waasner sieht die Sache pragmatisch: „Beide Punkte treffen zu. Man muss einen tragbaren Kompromiss finden. Ich persönlich nutze Mobile Office nur auf Geschäftsreisen, und war auch während der COVID-19-Pandemie stets vor Ort im Unternehmen.“

Sparkasse Forchheim: ein bis zwei Tage mobiles Arbeiten

Als Finanzinstitut, das eine Serviceleistung für seine Kundschaft erbringt, ist Homeoffice für die Beschäftigten der Sparkasse Forchheim nur bedingt machbar. Etwa 350 Mitarbeitende gibt es an insgesamt 21 Geschäftsstellen im Landkreis Forchheim. 

„Im Service und in der Beratung ist Homeoffice schwierig“, sagt Margit Burgard, Personalleiterin der Sparkasse Forchheim. „Bei uns gibt es kein klassisches Homeoffice. Ein Großteil unserer Mitarbeiter arbeitet teilweise mobil. Das funktioniert für uns.“

Zwar nimmt Burgard wahr, dass auch der Kunde digitaler wird. Trotzdem ist in der Finanzbranche der persönliche Kundenkontakt unerlässlich.

Da wo es möglich sei, arbeiten die Angestellten laut Burgard durchschnittlich ein bis zwei Tage in der Woche im Mobile Office. Eine allgemeine Regelung dafür gäbe es nicht. Die Absprachen würden individuell mit der zuständigen Führungskraft getroffen.

Welchen Standpunkt vertritt die Sparkasse in Sachen Arbeiten von zu Hause oder unterwegs? „Wir bieten es an, wo es möglich ist“, äußert sich Burgard, „und versuchen eine gesunde Mischung für Arbeitgeber und -nehmer zu finden.“

Für mehr Homeoffice sieht die Personalleiterin aktuell keinen Bedarf. Bei Bewerbungsgesprächen würden viele Bewerber sogar den gegenteiligen Wunsch äußern: „Viele wollen auch wieder zurück ins Büro“, lautet ihre Beobachtung.

Was ist der Unterschied zwischen mobiler Arbeit und Homeoffice?

Mit dem umgangssprachlichen Begriff „Homeoffice“ ist meist die Rede von der gesetzlich definierten „Telearbeit“, die in der Regel an einem fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz im eigenen Heim des Arbeitnehmers stattfindet. Nach einer Erläuterung der Dienstleitungsgewerkschaft Verdi erfolgt mobile Arbeit dagegen nicht an einem festen Ort, sondern kann stattdessen zum Beispiel im Zug, beim Kunden oder an einem anderen, nicht festgelegten Ort erbracht werden.

 

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