Nach Feierabend ganz ohne Stress durch die Läden bummeln, statt nur schnell die letzten Minuten der Öffnungszeiten auszureizen? Das soll laut dem neuen bayerischen Ladenschlussgesetz, das im Juli beschlossen wurde, nun öfter möglich sein.
Seit dem 1. August dürfen Städte und Gemeinden an acht Abenden im Jahr die Öffnungszeiten bis 24 Uhr erweitern – und das ohne einen konkreten Anlass, wie einen Markt oder eine Kirchweih. Zusätzlich dürfen einzelne Geschäfte an bis zu vier Abenden im Jahr ebenfalls länger öffnen.
Das freut auch die Händler in Herzogenaurach, wie Ruthild Schrepfer von der Förder- und Werbegemeinschaft Herzogenaurach berichtet. Bereits im Mai hatte während der Wohlfühlwoche eine lange Shoppingnacht stattgefunden. Nun sollen die Geschäfte im Dezember ein weiteres Mal lange geöffnet haben. Das genaue Datum steht noch nicht fest, derzeit laufe eine Anfrage bei den Einzelhändlern, ob der 4. oder der 5. Dezember präferiert werde.
Neues Ladenschlussgesetz: Mehr Shoppingnächte möglich
Doch die Rückmeldung sei bisher sehr positiv, so Schrepfer. „Das sind wichtige Tage, an denen man quasi ein Alleinstellungsmerkmal hat“, erklärt sie. „Die Kunden sind völlig entspannt, nicht wie sonst, wo immer alles schnell gehen muss. Das sind Tage, wo man mit der ganzen Familie zum Bummeln geht.“
Dass die Stadt künftig die acht möglichen Shoppingnächte ausnutzen wird, glaubt Schrepfer dennoch nicht. „Für die Läden ist es ja trotzdem ein Aufwand, das darf man nicht vergessen. Das braucht Vorlauf, man muss die Mitarbeiter da haben. Wir machen das gerne, gar keine Frage – aber man kann das nicht jeden Monat machen.“ Stattdessen könne sie sich vorstellen, dass es sich bei zwei oder drei Nachtshoppings im Jahr einpendeln werde.
Zweites Nightshopping in Herzogenaurach im Dezember
Auch den Outlets der großen Sportartikelhersteller Adidas und Puma bringt das neue Ladenschlussgesetz einen unverhofften Bonus. Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass diese wegen ihrer Lage außerhalb des Innenstadtbereichs künftig nicht mehr an den verkaufsoffenen Sonntagen teilnehmen dürfen. Da die Shoppingabende nach dem neuen Gesetz aber weder an Events gekoppelt sein müssen, noch eine örtliche Beschränkung haben, können auch die Outlets sich an den zusätzlichen Verkaufszeiten beteiligen.
Puma und Adidas: Outlets dürfen teilnehmen
Zumindest bei Adidas scheint eine Teilnahme dennoch nicht gewiss. „Wir prüfen die Teilnahme aktuell“, schreibt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage von fränkischertag.de. „Verkaufsoffene Sonntage oder Shoppingnächte beleben die Stadt, stärken den Einzelhandel und werden von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kundinnen und Kunden gerne genutzt.“
Weniger begeistert zeigt sich von der neuen Regelung der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der im Frühjahr auch die Teilnahme der Outlets an den verkaufsoffenen Sonntagen scharf kritisiert hatte. „Der DGB Mittelfranken bewertet das seit 1. August geltende neue bayerische Ladenschlussgesetz als massive Belastung für die Beschäftigten im Einzelhandel“, schreibt ein Sprecher für die Region Mittelfranken und verweist auf eine Klage, die die Gewerkschaft Verdi und die Kirchen eingereicht haben. „Deren Ausgang bleibt abzuwarten und könnte für die künftige Ausgestaltung maßgeblich sein.“
Deutscher Gewerkschaftsbund kritisiert Ladenschlussgesetz
Die negative Einstellung zu erweiterten Ladenöffnungszeiten kann Schrepfer so nicht nachvollziehen. „Ein gewichtiges Argument, das für mich immer zu kurz kommt, ist die Frage: Was machen wir gegen das Internet?“, sagt sie. Denn dort könne man rund um die Uhr einkaufen – ein Anreiz für Konsumenten, sich nicht mehr im stationären Einzelhandel einzudecken. „Wenn wir wollen, dass Menschen im Verkauf noch etwas zu tun haben, müssen wir schauen, dass wir adäquate Angebote machen“, ist Schrepfer überzeugt. „Die Mitarbeiter brauchen Arbeitsplätze, dafür braucht es Umsätze und an solchen Tagen werden eben Umsätze gemacht.“
Auch von einer zusätzlichen Belastung der Mitarbeiter könne man nicht sprechen. „Jemand, der an diesem Tag arbeitet, egal ob an einem Sonntag oder an einem Abend, macht das freiwillig. An so einem Abend muss es Spaß machen und es macht keinen Spaß, wenn man gezwungen wird“, sagt Schrepfer. Außerdem hätten die Mitarbeiter dafür an anderen Tagen frei, es käme also nicht zu zusätzlicher Arbeitszeit.
Ruthild Schrepfer: Mit Events Kunden anlocken
Während der DGB zudem auf Anzeichen verweist, dass beispielsweise Sonntagsöffnungen „nicht zu zusätzlichen Käufen führen“, schätzt Schrepfer die Lage ganz anders ein. „Da kommen vielleicht auch Leute, die es zu den normalen Öffnungszeiten eben wirklich nicht schaffen. Man braucht solche Events, weil man damit möglicherweise Kunden gewinnt, die ihren Bedarf normalerweise über das Internet decken.“
Dennoch vermutet auch Schrepfer, dass man sich wohl ein Programm „einfallen lassen muss“. Das zusätzliche Nachtshopping soll beispielsweise während des Herzogenauracher Weihnachtsmarktes stattfinden, auch wenn dies nicht zwingend notwendig wäre. „Ich wage zu bezweifeln, dass die Leute wirklich nur wegen der Läden kommen würden“, gibt sie zu. „Aber sie bummeln über den Weihnachtsmarkt und schauen auch bei uns vorbei. Wir befruchten den Weihnachtsmarkt und der Weihnachtsmarkt befruchtet uns, da bauen wir keine Konkurrenz auf.“














