Hanna Pflaum macht sich Sorgen. Dabei laufen ihre Geschäfte gut. Sie und ihre drei Mitarbeiterinnen im „Schmuck im Zentrum“ haben viel zu tun. Was aber die Zukunft des Ladens betrifft, ist eine entscheidende Frage offen.
Sieben Jahre nach dem Umzug in die belebteste Einkaufsmeile Eckentals kommen immer mehr Kunden. Zum einen sind es Stammkunden, die schon am früheren Standort in der Eckenbachstraße eingekauft haben, als das Juweliergeschäft noch nach Dieter Rorich benannt war, der es 1972 gegründet hatte.
Schmuck im Zentrum in Eckental sucht Nachfolger
Zum anderen ist es Laufkundschaft. Pflaums Erfolgsgeheimnis ist der Service. „Den kann man nämlich nicht im Internet kaufen“. Batterien wechseln, Ringe anpassen, Reparaturen vornehmen. „Wir können sogar Perlenketten neu knoten“. Dafür hat die 62-jährige Chefin sich ein Netzwerk aus Fachleuten und Zulieferern geschaffen. Ein Goldschmied, ein Uhrmacher und andere aus Eckental kümmern sich um die Dinge, die Pflaum nicht selbst machen kann. „Ich lege sehr viel Wert auf kurze Wege“. Dadurch gäbe es auch keine Verluste auf dem Postweg.
Kunden aus Erlangen, Nürnberg, Forchheim und Pottenstein
Pflaums Geschäft profitiert davon, dass es weit und breit keine Konkurrenz gibt. Wenn man einmal von Karlheinz Stöhr in der Eschenauer Hauptstraße absieht, der allerdings ein ganz anderes Sortiment vor allem an Uhren vorhält. Pflaums Kunden kommen aus Erlangen und Nürnberg, aus Forchheim und Pottenstein, aus Lauf und Heroldsberg, sowie natürlich aus Eckental und Umgebung.
Und sie profitiert davon, dass sie sich mit einem ganz besonderen Angebot bis über die Landkreisgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Das Stechen von Ohrlöchern, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. „In meiner Jugend hat das noch der Zahnarzt gemacht.“
Juwelier in Eckental sucht Nachfolger: Materialien und Designs
Das zweite wichtige Standbein ist das Trauring-Studio im Untergeschoss des Ladens mit seinen 104 Quadratmetern. Dort bietet Pflaum künftigen Paaren alle nur denkbaren Materialien und Designs an. Vom klassischen Gelbgold bis zum modernen Zirkonium ist alles dabei. „Jedes Paar sucht etwas anderes“. Da sei man mit der Kundschaft schon einmal einige Stunden im Beratungsgespräch. Dieser geduldige Umgang mit Kunden ist neben ihrer fachlichen Expertise Pflaums Spezialität.
Sorgen bereitet Pflaum nur ein Thema: Wie soll es weitergehen, wenn sie den Laden nicht mehr führt? Wenn sie in einigen Jahren das Rentenalter erreicht hat. Wer soll das lukrative Geschäft fortführen? In der eigenen Familie hat sie schon gesucht. Der Sohn hat sich eine berufliche Existenz in der Baubranche geschaffen. Auch das Personal kommt nicht infrage. Sie alle sind nur wenige Jahre jünger als Pflaum. „Ich verstehe, wenn man die Verantwortung in jenem Alter nicht mehr auf sich nehmen möchte“.
Inhaberin Pflaum: keine Altlasten vorhanden
Zumal Pflaum zugeben muss, dass es viel Arbeit bedeutet, Chefin eines Juweliergeschäftes zu sein. Sechs Tage in der Woche ist sie auf den Beinen. Wobei einer dieser Tage der Buchhaltung gilt. „Ich habe es immerhin geschafft, dass keinerlei Kredite mehr laufen. Ein neuer Eigentümer hätte keine Altlasten zu übernehmen“. Und all diese Tage dauern rund zehn Stunden. Als selbstständige Frau könne sie nicht ständig auf die Uhr schauen, solange noch Aufträge abzuarbeiten seien. Von der Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen nicht zu reden.
Der ideale Nachfolger (oder die Nachfolgerin) müsse nicht aus der Schmuckbranche stammen. „Ich war ja selbst eine Quereinsteigerin“. Denn Pflaum ist ursprünglich gelernte Einzelhandelskauffrau, die viele Jahre in Metzgereien in Erlangen gearbeitet hat. Bevor sie vor 32 Jahren zu „Schmuckzentrum Rorich“ wechselt.
„Schmuck im Zentrum“: Droht ohne Nachfolger die Schließung?
Vor 14 Jahren dann übernahm sie das Schmuckgeschäft. Um den beliebten Laden nach 53 Jahren nicht untergehen zu sehen, bietet Pflaum sogar ihre Hilfe an. „Ich stehe meinem Nachfolger natürlich mit Rat und Tat zur Seite“. Unterstützung sei auch von ihren erfahrenen Mitarbeiterinnen zu erwarten – und vom ehrenamtlichen Unternehmensberater Herbert Bollmann aus Erlangen, der für die Aktivsenioren Bayern im Einsatz ist.
Wenn es mit der Übergabe nicht gelingen sollte, dann werde „Schmuck im Zentrum“ ein für allemal geschlossen. „Ich mache dann einen Ausverkauf und Schluss“. Allein der Gedanke daran lässt Pflaum traurig werden. „Ich denke, dass Eckental das nicht möchte“. Sie hofft darauf, dass sich doch noch ein Retter oder eine Retterin findet. Möglicherweise sogar ein Filialist, der einen Standort in Eckental ganz interessant fände.
Pflaum selbst hat schon Pläne für die Zeit danach: Sich um ihre drei Enkelkinder kümmern, ein bisschen durch die Welt reisen, und auch weiterhin das Männerballett beim Brander Faschingsverein trainieren. Denn auch da ist sie die Chefin.
















