Seit der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler Ende vergangenen Jahres einen massiven Stellenabbau von 2.800 Arbeitsplätzen in Deutschland und 4.700 in Europa ankündigt hatte, überschlagen sich die Spekulationen darüber, welche Standorte in der Region es am härtesten treffen wird.
Fast 600 Stellen weniger bei Schaeffler in Schweinfurt
Wie nun bekannt wurde, hat Schaeffler die Zahl des Stellenabbaus für den unterfränkischen Standort Schweinfurt bestätigt: Rund 590 Stellen werden vor allem in der Verwaltung und den sogenannten indirekten Bereichen in Schweinfurt wegfallen. Darüber haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Juli 2025 eine Vereinbarung unterzeichnet, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) in einer Nachricht am 22. August mitteilte.
Das kommt nicht unerwartet. Trotzdem überrascht Schaeffler mit der Zahl der Streichungen. Denn, wie fränkischertag.de berichtete, sollten in Unterfranken, dem Hauptsitz der Sparte „Bearings & Industrial Solutions“, ursprünglich 472 Stellen wegfallen. Jetzt trocknet mit 118 zusätzlich abzubauenden Stellen die Tinte auf dem Papier. Immerhin weniger als die zu Beginn des Jahres vom Betriebsrat angenommene Anzahl von rund 700 betroffenen Stellen.
Job-Beben: Die Lange am Schaeffler-Hauptsitz in Herzogenaurach
Was bedeuten die Nachrichten für andere Standorte in Franken? Wie fränkischertag.de berichtete, gibt es am Unternehmenshauptsitz in Herzogenaurach Absichten, rund 700 Stellen der rund 8.700 Arbeitsplätze zu reduzieren. Damit streicht Schaeffler fast jede zwölfte Stelle in Herzogenaurach.
Konkrete Zahlen und Details über den Fortschritt gibt es vom Unternehmen auf Anfrage nicht. Stattdessen die Bitte um Verständnis, dass man sich über die von den strukturellen Maßnahmen betroffenen Standorte „nicht öffentlich äußern“ könne.
Herzogenaurach: Zulieferer Schaeffler reduziert Kurzarbeit deutlich
Zum aktuellen Stand des Stellenabbaus heißt es: „Die Umsetzung der am 5. November 2024 angekündigten strukturellen Maßnahmen schreitet planmäßig in allen Bereichen voran. Wir sind zuversichtlich, dass der geplante Abbau im Zeitraum 2025 bis 2027 mehrheitlich erfolgt ist und sich das Einsparpotential in 2029 vollumfänglich realisieren wird.“
Ein Teil dieser Maßnahmen ist auch das derzeit laufende Kurzarbeitprogramm bei Schaeffler in Herzogenaurach. Wie fränkischertag.de berichtete, wurden im März rund 300 Mitarbeitende in die Kurzarbeit geschickt. „Derzeit ist nur noch ein Bereich mit rund 50 Mitarbeitenden in Kurzarbeit“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Durch interne Flexibilitätsmaßnahmen habe man am Standort Herzogenaurach die Kurzarbeit im April dieses Jahres deutlich reduziert.
1. Oktober: Stichtag für Stellenabbau in Erlangen-Höchstadt
Intern spielt sich bei Schaeffler allerdings mehr ab. Der 1. Oktober wird voraussichtlich ein Stichtag für Betroffene. Im Moment wolle man die aktive Ansprache am Standort Herzogenaurach noch vermeiden. „Kollegen haben die Möglichkeit, sich selbst zu melden, wenn sie das Unternehmen verlassen wollen. Damit will man den Druck von den Mitarbeitern nehmen“, erklärt Grigore Beutura, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender für Herzogenaurach.
„Die Kommunikation über den geplanten Stellenabbau selbst hat auf Betriebsversammlungen stattgefunden. Die Mitarbeiter aus den betroffenen Sektoren, wie E-Mobility, sind schon informiert“, sagt der Betriebsrat.
„Fairerweise muss man sagen, dass einige das Interesse haben zu gehen. Nicht, weil Schaeffler ein schlechter Arbeitgeber wäre“, sagt Beutura und erläutert: „Sondern, wir erhalten aktuell viele Anfragen über weiterführende Qualifikationen und Altersteilzeit.“
Für jedes Jahr sei eine Zeitschiene für eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern vorgesehen. Wenn die Zahl für 2025 des geplanten Stellenabbaus auf freiwilliger Basis zum 1. Oktober nicht erreicht wird, werde ein Interessenausgleich verhandelt.
Strukturierungsprogramm läuft bis 2027
Bis zum Herbst und auch darüber hinaus bleiben Arbeitgeber und Betriebsrat wie gehabt in engem Austausch über das weitere Vorgehen. „Aktuell läuft nach wie vor das Strukturierungsprogramm Forward am Standort Herzogenaurach – gemäß dem abgeschlossenen Eckpunktepapier. Der Betriebsrat hat einen Rechtsbeistand damit beauftragt, bei Gesprächen und Verhandlungen zu unterstützen. Auch die IG Metall ist, speziell Nick Heindl als Unternehmensbetreuer, in diesem Thema eingebunden“, antwortet Hanna Köhler, Betriebsratsvorsitzende für Herzogenaurach.
Für betroffene Schaeffler-Mitarbeiter könnte sich die ganze Prozedur noch einige Zeit hinziehen. „Das Programm läuft noch mindestens bis zum Jahr 2027“, teilte Köhler mit.
Wie viele Stellen Schaeffler in Franken abbauen will
Betroffen vom großflächigen Stellenabbau ist nicht nur die Schaeffler Zentrale in Herzogenaurach. Wie fränkischertag.de berichtete, sollen in Nürnberg 217 und in Schwalbach (Main-Taunus-Kreis) 139 Stellen abgebaut werden. Die Schaeffler-Werke in Höchstadt an der Aisch und in Hirschaid (Landkreis Bamberg) sollen dagegen nicht vom Stellenabbau betroffen sein.
Darüber hinaus kündigte Schaeffler weitere Standortveränderungen an. In einer Mitteilung vom 25. August entschied der Vorstand der Schaeffler Aktiengesellschaft, die Produktion am Standort Steinhagen in Nordrhein-Westfalen bis Ende 2026 einzustellen und in Schweinfurt zu integrieren.
Arbeitsplätze werden nach Schweinfurt verlagert
In Steinhagen beschäftigt Schaeffler laut dpa derzeit rund 200 Mitarbeitende. Über hundert dieser Stellen will der Zulieferer nach Schweinfurt verlagern. „Dadurch entstehen in Schweinfurt Arbeitsplätze, die den strukturellen Maßnahmen [des Stellenabbaus] entgegenwirken“, erklärte ein Unternehmenssprecher.
Arbeitnehmervertreter von IG Metall verurteilten die Entscheidung. „Diese Schließung ist industrie- und sozialpolitisch falsch“, sagte Uli Schöpplein, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Schaeffler AG und forderte Schaeffler dazu auf „Alternativen zur Schließung auf den Tisch zu legen.“
„Wir beobachten die Entwicklungen in der Industrie und Autobranche mit Sorge“, sagt auch Beutura. Vor allem durch die Abwanderung vieler Produktionen nach Asien, gehe in Deutschland langfristig „viel Knowhow verloren“, prognostiziert der stellvertretende Betriebsrat.
















