Norbert Baier reichts. Er habe schon lange vorgehabt, mal einen Brief an die Redaktion zu schreiben, teilt er dem FT mit, und „heute war nun die Zeit reif dafür“.
An diesem Morgen gegen 7.30 Uhr hatte Baier in Höchstadt einen Radfahrer mit einem Lastenrad gesehen, der an der Ampel an der Kreuzung der Kellerbergstraße mit der Bamberger Straße bei Rot von der Fahrbahn auf den Gehsteig gewechselt haben soll „und mit ungeminderter Geschwindigkeit um die nicht einsehbare 90-Grad-Kurve schoss. Was wäre, wenn ihm da eine Mutter mit Kinderwagen entgegengekommen wäre?“
Radfahren in Höchstadt: Unmut wächst
Das mit dem Radfahren auf dem Gehsteig sei in Höchstadt häufig anzutreffen und wenn ein Fußgänger sich erdreiste, anzumerken, dass es sich um einen Gehsteig und nicht um einen Radweg handelt, werde man oft unflätig verbal angegangen, so Baier weiter. Auch an anderer Stelle wächst der Unmut, so etwa beim Stadtrat Peter Winkler (B’90/Grüne), der in Höchstadt viele Wege mit dem Fahrrad zurücklegt.
Winkler beklagt, dass durch die Art, wie der Verkehrsraum in Höchstadt aufgeteilt ist, die Fußgänger, die Radfahrer und der motorisierte Verkehr in eine gefährliche Konkurrenzsituation gedrängt werden. Als Beispiel führt Winkler die Brückenstraße und den dortigen, in Rot gepflasterten Radweg an.
Dieser beginnt auf Höhe der Einmündung der Hauptstraße, ist aber an der Einmündung der Straße An der Stadtmühle schon wieder zu Ende. Insgesamt sind es nur rund 150 Meter.
Beim Vor-Ort-Termin standen auf der roten Fläche je drei Mülltonnen und drei geparkte Autos, sodass sie für Radfahrer nicht mehr wirklich benutzbar war.
Eine Anfrage bei der Polizei förderte zudem etwas höchst Bemerkenswertes zutage. Denn bei der rot gepflasterten Strecke, die sogar das Stadtratsmitglied Winkler für einen Radweg hält, handelt es sich tatsächlich gar nicht um einen Radweg.
Sondern genau wie bei der grau gepflasterten Strecke parallel daneben um einen Gehweg. Eine Widmung und die Beschilderung als Radweg fehlen.
Konkret schreibt die Polizei: „Die rote Aufpflasterung an sich begründet nicht generell einen Radweg. Warum die Pflasterung teilweise in Grau und teilweise in Rot gehalten wurde und somit zu Verwirrungen führen kann, müsste bei der Stadtverwaltung angefragt werden.“
Höchstadt: Beitritt zu ADFC in 2024 geplant
Die unklare Gestaltung der Flächen sorgt laut Polizei dafür, dass sich im Zweifelsfall jeder im Recht fühle und dafür, dass die Polizei gar keine Möglichkeit habe, bei Verkehrsverstößen rechtssicher einzugreifen. Gerald Brehm verweist in seiner Eigenschaft als Höchstadter Bürgermeister auf Januar 2024.
Dann trete der neue Klimamanager der Stadt sein Amt an und eines seiner ersten Themen sei der Beitritt der Stadt Höchstadt zum Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). In diesem Rahmen werde die Stadt (und somit auch die Brückenstraße) von Experten des ADFC komplett begutachtet und ermittelt, wo für die Verbesserung des Radverkehrs ein Handlungsbedarf bestehe.
Wo es bis dahin keine ausgewiesenen Radwege gibt, müssten die Radler entweder gleich auf der Straße fahren oder sich für Fahrräder freigegebene Fußwege mit den Fußgängern teilen, beklagt Peter Winkler: „Auf den Hauptachsen durch die Stadt wie zu den Schulen, zum Aischparkcenter, zum Kellerberg, zum Klinikum oder zum Sportzentrum am Kieferndorfer Weg gibt es keine Radwege.“
Und auf dem Marktplatz sei kein einziger Fahrradstellplatz vorhanden. Kurzum: Es gebe kein Konzept für den Fahrradverkehr in der Stadt.
Das Ergebnis sei ein tägliches Überlebenstraining der Radler – und dass viele Leute wegen der Gefahren das Fahrrad gar nicht benutzen. Winkler fordert deswegen: „Unsere Straßen neu denken“ und „den Straßenraum konzeptionell neu aufteilen“.
Die oberste Priorität müssten die Fußgänger haben, dann die Radfahrer und erst dann die Autos. Das lasse sich durch eine bauliche Umgestaltung der vorhandenen Verkehrsflächen und entsprechende Verkehrsregeln erreichen.
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