"Karibisches Eck"
Brand in Lichtenfels: Jugendliche unter Verdacht
Valmir Ferizi (links) blickt mit seinem Bruder auf den Trümmerhaufen, der mal sein Lokal war.
Valmir Ferizi (links) blickt mit seinem Bruder auf den Trümmerhaufen, der mal sein Lokal war.
Foto: Valmir Ferizi
Am Montagabend haben 1800 Facebook-Nutzer auf den Beitrag des Karibischen Ecks reagiert.
Am Montagabend haben 1800 Facebook-Nutzer auf den Beitrag des Karibischen Ecks reagiert.
Foto: Screenshot: FT via Facebook
Lichtenfels – Das „Karibische Eck“ wurde am Sonntag ein Raub der Flammen - für die Pächter eine Tragödie. Indes hat die Kripo eine heiße Spur.

Verbrannte Erde am Badesee Oberwallenstadt. Das verkohlte Gerippe der Hütte, in der sich die Küche befand, reiht sich an die Baskenschirme und Kinderrutschen, die an gemütliche Abende mit Urlaubsflair am „Karibischen Eck“erinnern.

In wenigen Minuten ist alles verbrannt

„Als mein Handy ging, bin ich in Unterhose und Pullover rausgerannt“, erinnert sich Valmir Ferizi, der sich als Künstlernamen Valimero nennt und mit seiner Lebensgefährtin zusammen die Strandbar führt. Auch das schnelle und beherzte Eingreifen der Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass das „Karibische Eck“ komplett abbrannte.

Um 9 Uhr war der Brand zwar gelöscht, doch das, was früher die Strandbar war, ist jetzt nur noch Schutt und Asche. „Ich bin den mutigen Feuerwehrmännern sehr dankbar, dass sie so schnell vor Ort waren“, erklärt Valimero. „Was wir uns in sieben Jahren aufgebaut hatten, ist in Minuten abgebrannt“. Der Geschäftsmann steht vor einem wirtschaftlichen Totalschaden. Er erklärt, dass alles verloren sei. Zwar gab es glücklicherweise keine Verletzten, doch der Schaden soll in einem hohen fünfstelligen Bereich liegen.

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Ein Flatterband der Polizei umkreist am Montag den einstigen Erholungsort. In den Trümmern suchen Brandermittler der Polizei nach Hinweisen. Schon am Tag nach dem Brand liegen erste Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei Coburg vor. Sie fahndet nach einer Gruppe Jugendlicher, die für den Brand verantwortlich sein soll. Ihr Verhalten soll dazu geführt haben, dass in der Küche des Strandlokals Feuer ausgebrochen ist.

Erste Ermittlungsergebnisse sind bekannt

Das Videomaterial der gesicherten Überwachungskamera zeigt deutlich, wie zwei männliche und zwei weibliche Personen in das „Karibische Eck“ einbrechen. Sie sollen sich dort bedient haben. Die Einbrecher sollen dann aus dem Fenster wieder nach draußen geklettert sein, beschreibt die Polizei in einer Pressemitteilung.

Wenige Zeit später stand der Imbiss in Flammen. Die Jugendlichen sollen zwischen 15 und 18 Jahre alt sein. Gegen sie wird wegen Verdachts der Brandstiftung und des Einbruchdiebstahls ermittelt.

Es besteht die Chance, sich zu stellen

Die Polizei gibt den Verdächtigen die Chance, sich persönlich zu stellen und zu ihrem Fehlverhalten zu stehen. Sollten die Teenager dem nicht nachkommen, wird die Kripo weitere Ermittlungsschritte einleiten. Aufgrund des Videomaterials etwa könne es zu einer Öffentlichkeitsfahndung kommen, erklärt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth.

Große Anteilnahme in der Bevölkerung

Im Minutentakt kommen Passanten an dem Brandort vorbei. Ein kleines Kind sagt traurig zu seiner Oma: „Wo bekomme ich jetzt meine Pommes her?“ Sie alle blicken traurig auf das kleine Paradies, das in Schutt liegt. Schon über 1800 Fans haben auf Facebook Anteil genommen, Stand Montagabend. „Wir sind gerührt von der großen Anteilnahme. Das motiviert uns, weiterzumachen“, sagt der Besitzer.

Er möchte das, was abgebrannt ist, wieder aufbauen. Noch bleibt jedoch unklar, wo. „Dort, wo das Karibische Eck stand, kann jetzt erst mal nichts passieren“, erklärt Valimero. Die Polizei hat das Gelände abgesperrt. Es wird dort weder Strom noch Wasser geben.

In Lichtenfels fühlt man sich mit dem geschädigten Gastronomen-Paar verbunden. Der Stadt gehört nur das Grundstück am See. Alles, was zerstört wurde, ist Eigentum der Pächter. Man habe zwar Unterstützung angeboten, etwa durch eine Holzhütte, wie sie beim Weihnachtsmarkt verwendet wird, sagt Sebastian Müller, Pressesprecher im Rathaus. Doch rasche Hilfe sei wohl kaum möglich, da sämtliche Ausstattung zerstört wurde.

Es sei eher davon auszugehen, dass diese Saison gelaufen sei. Zumal auch noch ein Badeverbot wegen der Blaualgen besteht. „Wir hoffen, dass es weitergeht“, sagt der Sprecher der Stadtverwaltung. Das Angebot am See weiß man zu schätzen.

Bootsverleih besteht weiter

Der Geschäftsmann möchte weiter machen. „Wir zählen jetzt auf die Solidarität der Lichtenfelser“. Er wird weiterhin mit seinem Bruder zusammen die Tretboote am Ufer verleihen. Nur wird das ohne den Getränkeverkauf vonstattengehen. Auch der Foodtruck ist ihm noch geblieben. Mit dem möchte der Gastronom jetzt auf Firmenfeiern und Familienfesten sein Essen anbieten. „Wir wollen arbeiten, Geld verdienen und uns selbst aus der Lage befreien“, sagt Valimero. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand!“. Den Bootsverleih soll wird es täglich von 12 bis 21 Uhr geben.

Selbst Anwohner der Krößwehrstraße, unter denen sich in den letzten beiden Jahren manch einer entnervt von allzu lebhaften Treiben im Strandbereich gezeigt hatte, nehmen Anteil an dem Schicksal des Pächters. Der könne schließlich nichts dafür, wenn es spätabends mitunter laut zugehe – wenn er sein Lokal längst geschlossen hatte. Er habe die Auflagen eingehalten.