Verhandlung
Aus Körperverletzung wird vor Gericht Nötigung
Wie hart ein junger Mann im Januar 2022 seine Ex-Freundin angegangen ist, kann nicht mal ein Zeuge vor dem Amtsgericht Haßfurt genau beschreiben.
Wie hart ein junger Mann im Januar 2022 seine Ex-Freundin angegangen ist, kann nicht mal ein Zeuge vor dem Amtsgericht Haßfurt genau beschreiben.
Foto: Symbolbild: Benedikt Borst
Haßfurt – Wie hart war sein Griff am Nacken seiner Ex-Freundin? Diese Frage konnte das Amtsgericht Haßfurt nicht klären. Wie in diesem Fall entschieden wurde.

Wegen Körperverletzung war am Dienstag vor dem Amtsgericht Haßfurt ein lediger junger Mann aus Haßfurt angeklagt, weil er im Januar 2022 in Bamberg seine damalige Freundin genötigt und verletzt, sie gegen ihren Willen festgehalten und am Hals gepackt habe. Das steht in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Der angeklagte junge Mann war ohne Verteidiger zur Verhandlung erschienen

Der Angeklagte ist strafrechtlich schon vorbelastet, war aber ohne Rechtsbeistand zur Verhandlung gekommen. Er gab an, sich mit seiner damaligen Freundin in Bamberg verabredet zu haben. Er sei aber um Stunden zu spät gekommen. Eventuell sei es deshalb mit seiner Ex zum Streit gekommen. „Passanten sagten, ich hätte meine Freundin angegriffen, was aber nicht stimmt“, sagte der Angeklagte. Nein, er habe sie nicht am Hals gepackt, entgegnete er auf Vorhalt des Richters.

Wie es bei ihm mit Drogen stehe, wollte die Staatsanwältin wissen. „Früher ja, heute nicht mehr“, war die Antwort. Alkohol konsumiere er nur gelegentlich.

Die ehemalige Freundin war nicht erschienen. Ein Student, der den Vorfall in Bamberg beobachtet hatte, sagte aus, der Angeklagte habe eine Frau am Arm gepackt und sie aufgefordert mitzukommen, was diese offenbar nicht wollte. Sie habe sich befreien und weglaufen können.

Alarmierte Polizei war schnell da

Der Angeklagte sei ihr hinterher gelaufen, habe sie mit der Hand am Nacken gepackt und runtergezogen. Wie fest der Griff am Nacken war, konnte der Zeuge nicht beschreiben. Dann sei auch schon die alarmierte Polizei gekommen.

Richter, Staatsanwältin und der Angeklagte einigten sich, dass er eine Geldauflage von 2000 Euro an das Frauenhaus Schweinfurt zahlt – und zwar in drei monatlichen Raten. Als Zeitarbeiter verdient er gegenwärtig 1900 Euro netto. Es bleibe auf jeden Fall eine Nötigung, belehrte der Richter den Angeklagten. Die Geldauflage sei verhältnismäßig hoch, weil er drei Einträge im Bundeszentralregister habe. Der Richter stellte das Verfahren ein und sagte: „Es ist vollends vom Tisch, sobald die Gesamtsumme von 2000 Euro bezahlt ist.“

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