Wenn es um die Wurst geht
Sie führen und lenken die Traditionsmetzgerei Kraus in der Strau in Kronach: Eberhard Kraus, Philipp Kraus, Christa Kraus, Ellen Kraus und Stephanie Kraus (von links).
Sie führen und lenken die Traditionsmetzgerei Kraus in der Strau in Kronach: Eberhard Kraus, Philipp Kraus, Christa Kraus, Ellen Kraus und Stephanie Kraus (von links).
Foto: Karl-Heinz Hofmann
Kronach – Handwerk  Der Familienbetrieb Kraus behauptet sich als traditionsreiche Metzgerei in Kronach.

Für viele Menschen ist heute der Besuch in einer Metzgerei keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Trend geht zur fertig eingepackten Wurst im Supermarkt. Diese harte Konkurrenz macht den Metzgereien schwer zu schaffen. Das hat auch der Metzger-Innungsobermeister Eberhard Kraus aus Kronach erfahren, dessen Metzgerei seit 1887 in vierter Generation im Familienbesitz besteht und seither stets von Meisterhand geführt wird. Er und sein Familienbetrieb behaupten sich am Markt.

1887 gegründet

Die Metzgerei Kraus hatte 1887 Nikolaus Kraus in Schauberg gegründet. Etwa um 1903 verlagerte der Betriebsgründer seine Metzgerei nach Tettau. Sie wird heute in Kronach von Eberhard Kraus in vierter Generation geleitet.

1977 hatte Rudi Kraus, der Vater von Eberhard Kraus, das Herz der Metzgerei nach Kronach in die Strau verlegt. Heute noch besteht eine Filiale im Stammhaus in Tettau in der Bäckerei Ruß. Der Kombiladen (Metzgerei und Bäckerei) wird von der Schwester von Eberhard Kraus, Antje Kraus, mit ihrem Ehemann Hubert Ruß geführt. Mehrmals wöchentlich liefert Eberhard Kraus seine Frischwaren aus Kronach nach Tettau, ebenso zur Filiale am Kreuzberg in Kronach.

Mit Leidenschaft

Sowohl Rudi Kraus (verstorben 2004) als auch Eberhard Kraus engagierten beziehungsweise engagieren sich mit Herzblut und Leidenschaft nicht nur in ihrem Betrieb, sondern auch im besonderen Maße für ihre Metzgerinnung. Rudi Kraus war 25 Jahre Innungsobermeister, und Eberhard Kraus steht seit 2006 an der Spitze der Innung. Er hatte vor rund 40 Jahren die Meisterprüfung an der Fleischerschule/Fleischerakademie in Augsburg absolviert. Außerdem engagiert er sich ehrenamtlich seit knapp 30 Jahren als Mitglied im Rotary-Club Kronach für soziale Projekte.

Die 82-jährige Christa Kraus (Witwe des 2004 verstorbenen Rudi Kraus) ist nicht nur Mutter von fünf Kindern, sondern bis heute auch die gute Seele der Familie und des Metzgerbetriebs. Schließlich stand sie schon als Teenager Anfang der 1960er Jahre jeden Tag von früh bis abends im Laden in Tettau und hatte dazu noch die Kinder und den Haushalt zu versorgen. Damals gab es für die Verkäuferin keine großen Hilfsmittel wie elektronische Kasse oder computergesteuerte Waage, die gleich den Preis anzeigt. Es gab auch keine verpackten Fleisch- und Wurstwaren mit Etiketten. „Wir mussten jede Wurst- und Fleischsorte wiegen, auf Handzettel mit Bleistift notieren, den Kilogrammpreis auf das abgewogene Gewicht umrechnen und nacheinander auf dem für den Kunden ausgestellten Zettel notieren und dann zum Schluss mit Kopfrechnen addieren“, erzählt sie.

Zeit für einen Plausch

Außerdem musste man sich, besonders als Geschäftsinhaberin, immer ein bisschen Zeit zu einem Plausch mit Kundinnen nehmen. Und Grund zum Lachen gab es manchmal auch, erinnert sich die Seniorchefin an eine Kundin in Tettau. Die vornehme Dame kaufte in hochdeutscher Sprache ein und verlangte Ochsenmundsalat statt Ochsenmaulsalat, wie er in der Fachsprache heißt.

Christa Kraus weiß viel von den Sorgen und Nöten in einem selbstständigen kleinen Handwerksbetrieb. Beispielsweise wenn es um die Betriebsnachfolge geht. Ein Beispiel: Enkel Philipp weilte in seiner Kindheit gerne beim Opa Rudi im Schlachthaus und sagte immer: „Opa, was du machst, will ich auch mal machen. Ich möchte später auch Metzger werden.“ Das war für Vater Eberhard, Opa Rudi und Oma Christa eine große Freude. Doch es kam zunächst anders.

Ans andere Ende der Welt

Als Enkel Philipp die Schule verließ, lernte er Einzelhandelskaufmann und wollte nichts mehr von der Metzgerei wissen. Als Kaufmann wanderte er ans andere Ende der Welt aus. In Australien wollte er reisen, Land und Leute kennenlernen und auch Geld verdienen. Der Zufall führte ihn in Australien in eine Metzgerei. Die Arbeit dort gefiel ihm so gut, dass er nach einem Jahr, wieder zu Hause angekommen, eine Metzgerlehre in Bamberg absolvierte.

2019 präsentierte Philipp Kraus seinen Meisterbrief im Elternhaus in Kronach. Der ziert nun den Verkaufsraum mit dem Meisterbrief von Uropa Ernst Kraus, von Opa Rudi und dem Meisterbrief seines Vaters Eberhard. Der Meisterbrief des Betriebsgründers Nikolaus Kraus fehlt; der wurde bei einem Brand ein Opfer der Flammen.

Für die Familie gibt es kaum Feste und Feiertage, die sie für sich haben. Neben der Fleisch- und Wurstproduktion, für die das Unternehmen nur Tiere aus bekannten Bauernhöfen der Region verarbeitet, kommen noch der Lieferservice und die Bestückung der beiden Filialen sowie das Bereiten von Mittagessen zum Aufgabenfeld.

Schaut Eberhard Kraus heute auf die fast 40 Jahre Meistertätigkeit zurück, so denkt er an zig Auszubildende – Metzger und Verkäuferinnen –, denen er zu einer qualifizierten Ausbildung verhalf. Heute sind bei ihm 15 Personen beschäftigt, davon, neben ihm, vier Metzger und neun Verkäuferinnen plus einer Küchenhilfe.

Botschafter des guten Geschmacks

Er hat von seinem Vater gelernt, auch als selbstständiger Metzgermeister weitere gesellschaftliche Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Neben seinem ehrenamtlichem Engagement für Soziales und als Obermeister der Metzgerinnung ist Eberhard Kraus seit 2018 auch Fleisch-Sommelier; er gilt somit als ein Botschafter des guten Geschmacks. Die Zertifizierung erlangte er an der Fleischerakademie in Augsburg.