Plädoyer: Freispruch
Doppelmord von Mistelbach: Verteidiger überrascht
Doppelmord von Mistelbach
Wolfgang Schwemmer neben seiner Mandantin (blaue Kapuzenjacke): Der Rechtsanwalt beantragt für Hannah S. einen Freispruch.
Daniel Karmann/dpa/Archivbild
F-Signet Fränkischer Tag
Bayreuth – Hat eine 17-Jährige aus Mistelbach mit Hilfe ihres Freundes ihre Eltern ermordet? Ihr Anwalt ist offenbar der Meinung, seine Mandantin sei unschuldig.

Was ist in der Nacht auf den 9. Januar 2022 in Mistelbach passiert? Fest steht bislang nur, dass die Leichen zweier Erwachsener in ihrem Wohnhaus gefunden wurden. Offenbar ermordet. Aber von wem? Schnell wurden eine Tochter des Ehepaares (damals 17) und ihr damals 18-jähriger Freund verhaftet. Elf Prozesstage lang wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Am Mittwoch (11. Januar), fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Tat, hielten Staatsanwaltschaft und Verteidigung nun ihre Plädoyers. Auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgrund des Alters der beiden Angeklagten. Der Termin für die Urteilsverkündung steht derweil fest.


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Warum beantragt der Verteidiger Freispruch?

Das Plädoyer von Wolfgang Schwemmer, Verteidiger der angeklagten Tochter des ermordeten Ehepaares, kommt überraschend. Er sah eine Tatbeteiligung seiner Mandantin als nicht erwiesen an. Daher beantragt er für sie einen Freispruch. Details aus seinem Plädoyer und die Begründung des beantragten Freispruchs wurden aufgrund der nichtöffentlichen Verhandlung nicht bekannt.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Hilmar Lampert, beantragte hingegen, seinen heranwachsenden Mandanten entsprechend dem Anklagevorwurf wegen mittäterschaftlich begangenen Mordes in zwei Fällen schuldig zu sprechen. Er sprach sich für die Anwendung von Jugendrecht aus, verneinte aber eine besondere Schwere der Schuld seines Mandanten. Innerhalb des sich damit ergebenden Strafrahmens von bis zu zehn Jahren Jugendstrafe beantragte er, seinen Mandanten zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und sechs Monaten zu verurteilen. 

Staatsanwaltschaft nahe an den Maximalstrafen

Staatsanwaltschaft und Nebenklage beurteilten den Verlauf der Verhandlung in ihren Plädoyers anders. Entsprechen fallen auch die Strafen höher aus, die die Anklageseite fordert. Oberstaatsanwalt Daniel Götz sah die Anklagevorwürfe durch die Beweisaufnahme als im Wesentlichen  bestätigt an. Er beantragte, die Angeklagten jeweils wegen mittäterschaftlich begangenen Mordes in zwei tatmehrheitlichen Fällen schuldig zu sprechen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte, hinsichtlich des heranwachsenden Angeklagten Felix S. Jugendstrafrecht anzuwenden und den Angeklagten wegen der besonderen Schwere der Schuld zu einer Jugendstrafe von 13 Jahren und 6 Monaten zu verurteilen. Zwar beträgt das Höchstmaß der Jugendstrafe grundsätzlich 10 Jahre; wenn es sich bei der Tat aber um Mord handelt, ist das Höchstmaß der Jugendstrafe für Heranwachsende – nicht jedoch für Jugendliche – dann auf 15 Jahre Jugendstrafe heraufgesetzt, wenn dies wegen der besonderen Schwere der Schuld geboten ist.

Mistalbacher Doppelmord: Urteil fällt am 23. Januar

Hinsichtlich der mitangeklagten Tochter der Getöteten, der jugendlichen Hannah S., bejahte er laut Pressemitteilung des Landgerichts Bayreuth sowohl das Mordmerkmal der Heimtücke als auch das Mordmerkmal Hass als sonstiger niedriger Beweggrund und beantragte innerhalb eines Strafrahmens von Jugendstrafe bis zu 10 Jahren, die Angeklagte Hannah S. zu einer Jugendstrafe von 9 Jahren 6  Monaten zu verurteilen.

Die Nebenklage, die die Hinterbliebenen des ermordeten Ehepaares vertritt, schloss sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an und wies in ihrem  Plädoyer auf die besonderen Folgen der Tat für die fünf Nebenklägerinnen und Nebenkläger hin.

Weitere Auskünfte über den Inhalt der Plädoyers können aufgrund deren Nichtöffentlichkeit nicht erteilt werden. Darauf weißt das Landgericht Bayreuth in seiner Presseerklärung zum Fortgang der Verhandlung hin. Das Urteil gegen die beiden Angeklagten soll am 23. Januar 2023 um 11 Uhr gesprochen werden. 

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