Mord in Mistelbach
Nach Urteil: Anwalt spricht erstmals über Motiv
Die beiden Angeklagten  mit ihren Verteidigern Hilmar Lampert (links) und Wolfgang Schwemmer
Die beiden Angeklagten mit ihren Verteidigern Hilmar Lampert (links) und Wolfgang Schwemmer
Matthias Hoch
Alexander Hartmann von Alexander Hartmann Bayerische Rundschau
Bayreuth – Warum wurde das Ehepaar aus Mistelbach getötet? Nach der Verurteilung spricht der Verteidiger des Täters. Die Tochter der Toten steht wieder im Fokus.

Update, 13.35 Uhr: 

Nach dem Urteilsspruch äußerte sich der Verteidiger des Angeklagten. Hilmar Lampert nannte das Verhältnis zwischen seinem Mandanten und dessen damaliger Freundin "eine unheilvolle Liebesbeziehung".  Sein Mandant bereue die Tat zutiefst. Er schäme sich. 

Angeklagter fühlte sich wohl in der Familie 

Sein Mandant habe sich vom dem Ehepaar, das er schließlich ermordete, akzeptiert und gut aufgenommen gefühlt. Der 18-Jährige selbst, so sein Verteidiger, hätte keinerlei Anlass für die Ermordung des Ehepaars gehabt. Er sei allein von der Tochter des Ehepaars zur Mordtat angestachelt worden.

Doppelmord von Mistelbach: Verteidiger des Hauptangeklagten äußert sich

Urteilsverkündung Doppelmord Mistelbach, Rechtsanwalt Hilmar Lampert, Verteidiger des Hauptangeklagten, äußert sich nach der Urteilsverkündung in Bayreuth

Wert legte der Anwalt auf die Feststellung, dass der 18-Jährige seine Tat im Prozessverlauf vollumfänglich eingeräumt habe. Der Verteidiger der angeklagten 17-Jährigen äußerte sich nicht zum Urteil. Er schwieg. 


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Update, 13.15 Uhr: 

Beinahe zwei Stunden lang begründete die Vorsitzende Richterin ihr Urteil über die beiden jugendlichen Angeklagten. Während die Richterin referierte, hielt der 18-Jährige den Kopf gesenkt. Die 17-jährige Tochter des getöteten Ehepaars dagegen suchte fortgesetzt den Blick der Richterin. 

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass das Tatgeschehen sich im Kern so abgespielt habe wie von der Staatsanwaltschaft behauptet.  Der 18-Jährige erstach demnach mit mehreren Messerstichen die schlafenden Eltern seiner damaligen Freundin. 

Richterin: Tochter war die treibende Kraft 

Als treibende Kraft hinter dem Verbrechen identifizierte die Richterin die Tochter des ermordeten Ehepaars. Sie habe ihrem damaligen Freund vorgegaukelt, von ihren Eltern systematisch "geschlagen, unterdrückt und tyrannisiert" zu werden.  Für keine dieser Unterstellungen hätten sich im Prozess allerdings Anhaltspunkte gefunden. 

Den Plan, ihre Eltern zu ermorden, fasste nach Überzeugung des Gerichts die 17-Jährige.  "Ohne sie hätte es die Tat nicht gegeben", sagte die Richterin.  Das Motiv der Tochter sei abgrundtiefer und übersteigerter Hass auf die Eltern gewesen. Den 18-Jährigen charakterisierte das Gericht  demgegenüber als eine "leicht manipulierbare Persönlichkeit". 

Tochter schwieg vor Gericht 

Beide Angeklagte wurden wegen Mordes zu hohen Haftstrafen verurteilt.  Beim Anklagten sah das Gericht das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. 
Bei der Angeklagten sah der Gericht die Mordmerkmale von Hass und Heimtücke erfüllt. 

Der 18-Jährige räumte die Tat vollumfänglich ein.  Die Tochter der Mordopfer dagegen schwieg im Prozess zu den entscheidenden Fragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 


Update, 11.30 Uhr: 

Mit den jetzt verhängten Strafen entsprach das Bayreuther Gericht vollumfänglich den Strafforderungen der Staatsanwaltschaft. 

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer gefordert, die beiden Angeklagten jeweils wegen mittäterschaftlich begangenen Mordes in zwei tatmehrheitlichen Fällen schuldig zu sprechen. Er forderte für den 18-Jährigen 13 Jahre und 6 Monate und  für die 17-Jährige 9Jahre und 6 Monate. Die Vertreterin der Nebenkläger schloss sich dem an.

Der Verteidiger des Angeklagten, Hilmar Lampert, dagegen sprach von zwei tateinheitlichen Fällen. Er forderte neun Jahre und sechs Monate. Der Verteidiger der Tochter der Mordopfer, Wolfgang Schwemmer, plädierte auf Freispruch, weil die Tatbeteiligung seiner Mandantin nicht erwiesen an.

Sein Plädoyer legte die Vermutung nahe, dass seine Mandantin die Beteiligung am Doppelmord bestritten oder sie im Verfahren von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebraucht gemacht hat.

Dieser Annahme folgte das Bayreuther Gericht ganz offensichtlich nicht. 


Update, 11.15 Uhr: 

Im Prozess um den Doppelmord von Mistelbach sind die beiden Angeklagten schuldig gesprochen worden. Für den Mord an den Eltern seiner Freundin muss ein 19-Jähriger 13 Jahre und 6 Monate in Haft. Wegen Mordes in zwei Fällen verurteilte das Landgericht Bayreuth am Montag auch die älteste Tochter des Paares zu einer Gefängnisstrafe von 9 Jahren und 6 Monaten.

Am heutigen Montag, 23. Januar, wird das Urteil im Prozess um den Mistelbacher Doppelmord gesprochen, in dem die Große Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth klären musste, wie es zum Tod von Antje (47) und Stefan S. (51) gekommen ist. Das Ärztepaar war in der Nacht zum 9. Januar 2022 in seinem Einfamilienhaus in Mistelbach (Landkreis Bayreuth) erstochen worden.


Welche Rolle spielte die Tochter der Opfer?

Das Verfahren gegen die 17-jährige Tochter des Paares und ihren 18-jährigen Freund fand nach dem Prozessauftakt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach den Plädoyers liegt die Vermutung nahe, dass die 17-Jährige die Aussage verweigert oder auch bestritten hat, an der Ermordung ihrer Eltern beteiligt gewesen zu sein.

 

Die Tochter der Mordopfer beim Betreten des Gerichtssaals mit ihrem Verteidiger Wolfgang Schwemmer
Die Tochter der Mordopfer beim Betreten des Gerichtssaals mit ihrem Verteidiger Wolfgang Schwemmer
Matthias Hoch

1. Die Angeklagten im Prozess um den Doppelmord von Mistelbach

Angeklagt sind die 17-jährige Tochter und ihr 18-jähriger Freund. Zum Prozessauftakt hatte ihnen Leitender Oberstaatsanwalt Daniel Götz vorgeworfen, die Tat gemeinsam geplant und begangen zu haben, nachdem es Stunden zuvor wieder einmal zu einem Streit zwischen dem Mädchen und seinem Vater gekommen sei. Der Freund soll die Eheleute in der Nacht zum 9. Januar im Schlafzimmer, das sich im Keller des Einfamilienhauses befand, unvermittelt und ohne Vorwarnung erstochen haben.

Die Tochter soll währenddessen dafür gesorgt haben, dass ihre Geschwister, die sich im Obergeschoss aufhielten, den Eltern nicht zu Hilfe eilen konnten. Den Versuch einer Schwester, einen Notruf abzusetzen, hätten sie und ihr Freund gemeinsam unterbunden, so der Anklagevertreter. Beide seien im Anschluss vom Tatort geflüchtet.

Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Andrea Deyerling wird am  Montag das Urteil im Mordprozess sprechen.
Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Andrea Deyerling wird am Montag das Urteil im Mordprozess sprechen.
Matthias Hoch

2. Mistelbacher Doppelmord: Verhandlung hinter verschlossenen Türen

War der Prozessauftakt am 19. Oktober noch von einem großen Medienauflauf begleitet worden war, fand die weitere Verhandlung in der Folge hinter verschlossenen Türen statt. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Andrea Deyerling war einem Antrag der beiden Verteidiger gefolgt, dem sich auch die Staatsanwaltschaft angeschlossen hatte.

Das Gericht ist diesen Weg gegangen, um die sich noch in der Entwicklung befindlichen Angeklagten zu schützen, die von ihren Rechtsanwälten als psychisch labil dargestellt wurden. Ziel war es auch, die Angeklagten nicht durch die mediale Berichterstattung zu stigmatisieren und in dem Verfahren ohne öffentlichen Druck der Wahrheit näher zu kommen.

Geschützt werden sollten aber auch die Zeugen. Unter anderem mussten die minderjährigen Geschwister der Angeklagten aussagen. Die Große Jugendkammer hat deren Aufeinandertreffen mit den Angeklagten verhindert, um eine mögliche Retraumatisierung zu vermeiden, wie es Richterin Andrea Deyerling zu Prozessbeginn erläutert hat. Die mutmaßlichen Täter durften die Zeugenvernehmung in einem separaten Raum per Video verfolgen.

Warum musste das Ehepaar sterben?
Warum musste das Ehepaar sterben?
Matthias Hoch

3. Mögliche Strafe für die Angeklagten

Werden die beiden Angeklagten wegen Mordes verurteilt, ist die Frage, welches Strafmaß sie zu erwarten haben. Der 18-Jährige ist ein Heranwachsender. Die Kammer muss bei ihm im Falle einer Verurteilung prüfen, ob das Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht angewandt wird. Zu Prozessauftakt war deutlich geworden, dass es wohl eher zu einer Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht kommt.

Als Jugendlicher sind bis zu 15 Jahre Haft möglich, wenn das Gericht die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Auch eine Sicherungsverwahrung kommt in Betracht. Die Tochter der Opfer ist Jugendliche. Hier beträgt die Höchststrafe zehn Jahre.

4. Plädoyers im Prozess um den Doppelmord

Nach der Beweisaufnahme wurden am letzten Verhandlungstag um den Doppelmord von Mistelbach die Plädoyers gehalten. Der Staatsanwalt forderte, die beiden Angeklagten jeweils wegen mittäterschaftlich begangenen Mordes in zwei tatmehrheitlichen Fällen schuldig zu sprechen. Er forderte für den 18-Jährigen 13 Jahre und sechs Monate, für die 17-Jährige neun Jahre und sechs Monate. Die Vertreterin der Nebenkläger schloss sich dem an. Der Verteidiger des Angeklagten, Hilmar Lampert, sprach von zwei tateinheitlichen Fällen. Er forderte neun Jahre und sechs Monate.

Der Verteidiger der Tochter der Mordopfer, Wolfgang Schwemmer, plädierte auf Freispruch, weil die Tatbeteiligung seiner Mandantin nicht erwiesen an. Sein Plädoyer legt die Vermutung nahe, dass seine Mandantin die Beteiligung am Doppelmord bestritten oder sie im Verfahren von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebraucht gemacht hat.

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