Pandemie
Omikron breitet sich auch in Frankreich aus
Menschen tragen Schutzmasken und gehen in Paris am Eiffelturm vorbei. Trotz der hohen Infektionszahlen ist die Regierung bemüht, die Franzosen möglichst wenig einzuschränken.
Menschen tragen Schutzmasken und gehen in Paris am Eiffelturm vorbei. Trotz der hohen Infektionszahlen ist die Regierung bemüht, die Franzosen möglichst wenig einzuschränken.
Foto: Michel Euler, dpa
Paris – Paris setzt auf 2G und Homeoffice: Kein Lockdown, obwohl die Corona-Zahlen in die Höhe schießen.

In Frankreich erreichen die Corona-Infektionszahlen derzeit täglich neue Rekorde – doch die Regierung begnügt sich weiter mit vergleichsweise milden Maßnahmen und setzt vor allem stark auf das Impfen. Lange vorbei sind die Zeiten, als Präsident Emmanuel Macron im März 2020 mit martialischem Ton von einem „Krieg gegen das Virus“ sprach und den Menschen einen besonders strengen Lockdown verordnete. Einige Monate später erklärte er, man müsse „lernen, mit dem Virus zu leben“.

Der Wahlkampf steht an

Auch jetzt, während sich im ganzen Land täglich mehr als 100 000 Menschen neu infizieren, insgesamt 17 000 Corona-Patientinnen und -Patienten in den Krankenhäusern liegen und die Inzidenz in Paris 1800 übersteigt, bemüht sich die Regierung, die Wirtschaft nicht zu lähmen, die Franzosen möglichst wenig einzuschränken und viel Empathie zu zeigen. „All das erscheint wie ein Film, der nicht endet“, so drückte es Premierminister Jean Castex bei einer Pressekonferenz aus, bei der er neue Maßnahmen ankündigte.

Er verstehe, dass es den Leuten reiche, doch leider sei die Lage angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante „extrem angespannt“. Man geht davon aus, dass diese inzwischen dominant in Frankreich ist. Gesundheitsminister Olivier Véran ergänzte, bis Anfang Januar könne sich die Zahl der täglichen Neuansteckungen auf 250 000 erhöhen.

Wütende Proteste verhindern

Doch im April wird in Frankreich gewählt – mitten im Wahlkampf möchte die Regierung wütende Proteste auf den Straßen, aber auch einen erneuten Absturz der Wirtschaft, die sich gerade zu erholen begann, vermeiden.

Die Maßnahmen sollen vor allem die fünf Millionen Ungeimpften im Land treffen. Auch werden Strafen im Fall von Fälschung von Impfpässen sowie die Kontrollen verschärft. Der bisherige „Gesundheitspass“, der an etlichen Orten wie Restaurants und Cafés, Theater und Sporteinrichtungen, aber auch Fernzügen eine vollständige Impfung, eine Genesung oder einen aktuellen negativen Test vorsah, wird in einen „Impfpass“ umgewandelt und dabei ab 15. Januar der Test nicht mehr anerkannt.

Ab nächster Woche kommt in Unternehmen wenn möglich wieder eine Homeoffice-Pflicht an mindestens drei Tagen pro Woche.

Öffentliche Versammlungen werden auf 2000 im Inneren und 5000 draußen begrenzt. Politische Veranstaltungen bleiben in Wahlkampfzeiten davon allerdings ausgenommen.

In den meisten Innenstädten kommt wieder eine Maskenpflicht, was im Einzelnen allerdings die Präfekten mit den Bürgermeistern entscheiden.

In Zügen darf nicht gegessen werden

Besucher von Konzerten können diese in den kommenden drei Wochen nur im Sitzen verfolgen. Gäste in Cafés und Bars dürfen nicht stehend Getränke oder Nahrung zu sich nehmen. In Kinos, Theatern, sportlichen Einrichtungen und öffentlichen Transportmitteln – auch in Fernzügen – darf nicht gegessen oder getrunken werden.

Auf Schließungen, abgesehen von Diskotheken, verzichtet die Regierung hingegen ebenso wie auf Ausgangsbeschränkungen an Silvester. Premier Castex appellierte stattdessen an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen und bat sie, auf „große Feiern“ zu verzichten.

Von der Verlängerung der Schulferien um eine Woche sah man ab. Auch an Mittelschulen und Gymnasien kommt es nicht zu Distanzunterricht. Abgesehen vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020 blieben in Frankreich die Schulen weitgehend offen. Darauf ist die Regierung stolz. „Das Virus verbreitet sich stark unter den Kindern, aber wir stehen dazu, die Bildung unantastbar zu machen“, sagte Gesundheitsminister Véran.

Experten forderten striktere Maßnahmen

Etliche Ärzte und Pflegekräfte hatten deutlich striktere Maßnahmen gefordert, um die Menschen und das Gesundheitssystem zu schützen. „Die Wirtschaft gewinnt gegenüber der Gesundheit“, sagte Jean-Paul Stahl, Spezialist für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Grenoble.

Nach einem schleppenden Start ist Frankreich eine erfolgreiche Impfkampagne gelungen. Fast 90 Prozent der Erwachsenen sind vollständig geimpft und künftig ist eine Auffrischung drei Monate nach der letzten Impfung möglich und nach sieben Monaten erforderlich.