Kunreuth
Möglichst lange zu Hause leben
Irmgard Ginzel, die das Konzept ehrenamtlich erstellte, ist beim Kochen – so könnte eine Aufgabe der Alltagsbetreuer aussehen.
Irmgard Ginzel, die das Konzept ehrenamtlich erstellte, ist beim Kochen – so könnte eine Aufgabe der Alltagsbetreuer aussehen.
Die Initiatoren: Irmgard Ginzel (4. v. l.) daneben Erzsebet Molner, eine der ersten Alltagsbetreuerinnen, die Igensdorfer Seniorenbeauftragte Edeltraud Rösner (r,), die sich ebenfalls als Alltagsbetreuerin ausbilden lässt, dahinter der Kunreuther Bürgermeister Ernst Strian, Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm und Vereinsvorsitzender Horst Franke
Die Initiatoren: Irmgard Ginzel (4. v. l.) daneben Erzsebet Molner, eine der ersten Alltagsbetreuerinnen, die Igensdorfer Seniorenbeauftragte Edeltraud Rösner (r,), die sich ebenfalls als Alltagsbetreuerin ausbilden lässt, dahinter der Kunreuther Bürgermeister Ernst Strian, Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm und Vereinsvorsitzender Horst Franke
Irmgard Ginzel

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben, das wünschen sich viele alte Menschen. Doch oft scheitert es an einfachen Alltagstätigkeiten, die sie nicht mehr alleine ausführen können. Ob es das Einkaufen ist, der Arztbesuch, den Garten pflegen oder einfach nur einen Brief schreiben: Diese Aufgaben können manche Menschen nicht mehr erledigen und das erschwert das selbstständige Leben im Alltag. „Wir haben festgestellt, dass Bedarf da ist“, sagt Horst Franke, Vorsitzender des Vereins „Hier lässt sich’s leben“ in Kunreuth. Der Verein möchte deshalb ein Projekt mit diesen niederschwelligen Angeboten durch Ehrenamtliche initiieren.

Zunächst sollte dies in Kunreuth geschehen, so war es gedacht. Doch nun wird eine Kooperation mit der Gemeinde Igensdorf daraus, mit dem Kunreuther Verein als Träger. Es könne irgendwann eine Genossenschaft daraus werden, meint Franke.

Der Kunreuther Verein hat sich mit Irmgard Ginzel besprochen, die in Unterrüsselbach ein Pflegeberatungsbüro hat und als langjährige Leiterin der Sozialstation in Gräfenberg und der Tagespflege in Mostviel Erfahrung und Wissen für das Zurechtfinden im Pflege-Dschungel besitzt. Irmgard Ginzel, der ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen Räumen ein großes Anliegen ist, erstellte ein Konzept.

Das Gute an dem Projekt, sagt Ginzel: „Wir haben die Zulassung, über die Pflegeversicherung abzurechnen.“ Das Projekt könne auch von Menschen ohne Pflegegrad in Anspruch genommen werden. Derjenige muss es dann aus der eigenen Tasche bezahlen, je nachdem, ob der Alltagsbetreuer mit dem Patienten arbeitet. Ginzel ist sich sicher, dass ohne solche Alltagsbetreuer Pflege und Versorgung nicht mehr machbar sind.

Entlastung für die Angehörigen

Zudem sei es eine Entlastung für die Angehörigen. Denn abgesehen davon, dass der Alltagshelfer ins Haus kommt, um zu helfen, sollen auch Betreuungsgruppen angeboten werden. Hier werden die zu Pflegenden von zu Hause abgeholt und können in der Gruppe mit dem Alltagshelfer etwas unternehmen. Die Vormittagsgruppe erhält Frühstück, die Nachmittagsgruppe Kaffee und Kuchen. Zwei Gruppen werden in Igensdorf stattfinden, zwei Gruppen im Gemeindehaus in Kunreuth, je zwei Vormittage und zwei Nachmittage. Auch Mittagessen könne besorgt werden. Das müsse allerdings extra bezahlt werden. „Wir pflegen nicht und sind keine Konkurrenz zu bestehenden Sozialstationen“, betont Ginzel. Sie sprach die Igensdorfer Seniorenbeauftragte Edeltraud Rösner auf das Projekt an. „Das wäre auch für unsere Gemeinde eine Bereicherung, eine Ergänzung zu unserem Pflegedienst“, sagte Rösner. Sie regte dann die Kooperation mit Kunreuth an.

„Mir war es ein Anliegen, dass nicht jede Gemeinde ein eigenes Süppchen kocht, sondern sie sich als Netzwerk verbinden“, betont Ginzel. Bei den gemeinsamen Treffen war auch Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm (CSU) dabei und auch Ernst Strian (Dem.), Mitglied des Vereins und Bürgermeister von Kunreuth. Denn die Gemeinden sollen in das Konzept involviert werden, braucht es doch Zuschüsse, um das Vorhaben umsetzen zu können.

Ehrenamtliche gesucht

„Von den 20 Euro Vereinsbeitrag können wir das nicht stemmen“, gibt Vereinsvorsitzender Franke zu. Doch zunächst steht und fällt das Projekt mit den Ehrenamtlichen. Auch Bundesfreiwilligendienstleistende oder Menschen, die ein soziales Jahr absolvieren, können sich bewerben. Zwischen acht und zehn Euro pro Stunde bekommen sie im Einsatz vergütet, je nachdem, ob der zu Betreuende mit eingebunden wird wie beim Kochen oder Arztbesuch oder nicht, wenn ein Ehrenamtlicher beispielsweise putzt oder den Garten pflegt.

Wer in einer Betreuungsgruppe arbeitet, erhält acht Euro Vergütung, da keine Fahrten wie Arztbesuche anstehen. Diese Ehrenamtlichen werden nun gesucht und in 40 Stunden zu Alltagsbetreuern geschult. Die Schulungen, finanziert von der Deutschen Alzheimergesellschaft und dem Kunreuther Verein, finden im Gemeindehaus in Kunreuth statt und werden von der Alzheimergesellschaft durchgeführt, hauptsächlich in Person von Irmgard Ginzel, die für diese Schulungen zugelassen ist.

Ein weiteres noch in der Zukunft liegendes Ziel ist ein eigenes Auto, mit dem die Alltagshelfer ihren Dienst ausüben können. Für die künftigen Alltagsbetreuer findet Ende Januar ein Informationstag statt. Auch Rentner, vor allem Männer, sind gesucht.

Damit alles geordnet ist, steht dem Projekt ein Kümmerer vor. „Eine ausgebildete Pflegekraft muss im Verein angestellt sein“, erklärt Franke. Wie und wie oft Igensdorf das finanziell unterstützt, will Bürgermeister Ulm noch im Gemeinderat besprechen. Auch Kunreuths Bürgermeister Strian sieht eine Hilfestellung als selbstverständlich an, gerade für die „Lauflernphase“. „Ziel bleibt, dieses tolle Angebot systematisch nicht nur auf eigene Füße zu stellen und zur Selbstständigkeit mit entwickeln zu helfen“, sagt Strian. Er freue sich über die Zusammenarbeit mit Igensdorf. „Zusammen schafft man mehr“, findet Strian. Weitere Netzwerkpartner und Spenden sind willkommen. Sieben Alltagsbetreuer haben sich bereits angemeldet.

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