Christen gehören zusammen
Ökumenischer Gottesdienst in Ebelsbach
Ökumenischer Gottesdienst in Ebelsbach
Foto: Günther Geiling
Ebelsbach – Gottesdienst  Bei der ökumenischen Andacht in Ebelsbach erfuhren die Kirchenmitglieder, was sie mit einem Weinstock und dessen Reben gemeinsam haben.

Ein Weinstock zierte den Altar und stand im Mittelpunkt. „Wenn die Menschen mir davon erzählen, wie getrennt evangelisch und katholisch früher war und wie sehr die Unterschiede auch heute noch betont werden, dann könnte man meinen, jede Kirche wäre ihr eigener Rebstock. Aber wenn man das Bild vom Weinstock mal zu Ende denkt, dass sind die Kirchen wie zwei Reben, die zu einer Pflanze gehören und die durch einen Stamm miteinander verbunden sind.“ Dies betonte die Pfarrerin Sarah Schimmel beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntag auf der Ochsenwiese in Ebelsbach.

Viele Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde St. Magdalena Ebelsbach und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Gleisenau hatten sich bei schönstem Wetter eingefunden. Was ein Weinstock mit den Christen und mit der Ökumene zu tun hat, das war der rote Faden des Gottesdienstes. Um über die Arbeit im Weinberg und am Weinstock richtig Bescheid zu wissen, befragte Gemeindereferent Matthias Vetter die Weinprinzessin des Abt-Degen-Weintales, Anna-Lena Werb. Sie bestätigte, dass ein Winzer eigentlich jeden Tag in seinen Weinberg wolle, um über Veränderungen sofort informiert zu sein. So seien viele Weinstöcke in diesem Jahr nicht so gut. Das Wichtigste für den Winzer sei, dass er bald merke, wenn seiner Pflanze etwas fehle. „Meine Oma und mein Opa fühlen mit dem Weinstock.“

Pfarrerin Sarah Schimmel und Gemeindereferent Matthias Vetter setzten sich dann mit dem Bild des Weinstocks und dem Johannes-Evangelium auseinander, wo es heißt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“

Jesus sei wie der Stamm. Er trage und sorge für Kraft zum Wachsen. „Wir gehören zu ihm, sind sogar mit ihm verwachsen. Das gibt uns Halt, auch wenn uns die Stürme des Lebens mal so richtig durchschütteln.“ Ähnlich sei es mit der Kirche. Da gebe es doch auch immer wieder neue Triebe, neue Ideen und Entdeckungen. Pfarrerin Sarah Schimmel konnte sich vorstellen, dass Jesus einen ungeschnittenen Weinstock mit vielen dürren und trockenen Reben vor Augen hatte, als er mit seinen Jüngern gesprochen habe. Er habe Sorge gehabt, dass jeder allein weitermache und sein eigenes Süppchen koche. „Ihm war es aber wichtig, dass die Jünger sich daran erinnern, dass sie zu einem Stamm gehören und durch ihn miteinander verbunden sind.“

Matthias Vetter verwies auf den gemeinsamen Stamm und die gemeinsame Basis von Katholiken und Protestanten. „Das müssten wir uns vielleicht öfter bewusst machen, dass wir alle aus einer Wurzel leben und an einem Weinstock wachsen. Jesus Christus und seine frohe Botschaft sind uns stabiler Stamm.“

„Im Bewusstsein, dass alle am selben Weinstock hängen, wird der Streit zwischen den Konfessionen und Kirchen eigentlich undenkbar“, betonte Sarah Schimmel.

Die beiden Kirchenvorständinnen Claudia Reinwand (katholische Kirche) und Silka Dörr (evangelische Kirche) zogen dann ein Fazit aus diesen Gedanken und meinten, dass es in Ebelsbach mit dem christlichen Miteinander doch schon ganz gut passe. Das sehe man bei gemeinsamen Gottesdiensten oder in den Kindergärten, wo im evangelischen Kindergarten auch sehr viel katholische Kinder seien und umgekehrt. „Alles andere wäre auch Quatsch.“ Sie erinnerten daran, dass in der Corona-Zeit die Evangelischen ihre Konfirmation im katholischen Gotteshaus gefeiert hätten. Passend zum ökumenischen Gottesdienst musizierten die Blaskapelle Harmonie und der Posaunenchor gemeinsam und die versammelten Christen sangen gemeinsam ein Lied, das auch das Gemeinsame betonte.

Nach dem Gottesdienst gab es noch einen kleinen Imbiss. Der Erlös daraus und die Klingelbeuteleinlage waren bestimmt für die Betroffenen der Flutkatastrophe in Deutschland.