Das große Lernen für den Einsatz
Auch in extremen Notsituationen ist die Sicherheit erstes Gebot, etwa bei der Rettung einer bewusstlosen Person.
Auch in extremen Notsituationen ist die Sicherheit erstes Gebot, etwa bei der Rettung einer bewusstlosen Person.
Foto: Felix Kühnl
Haßfurt – Lehrgang  Ehe Nachwuchskräfte bei der Feuerwehr tatsächlich zum Brand- oder Notfalleinsatz kommen, müssen sie eine aufwendige Ausbildung absolvieren. Und auch dann stehen noch Prüfungen an.

Langes Nachdenken kann kostbare Zeit kosten und eine falsche Entscheidung im Extremfall lebensgefährliche Situationen forcieren. Handgriffe und Fachwissen, Abläufe und Regularien müssen sitzen bei den Einsatzkräften der Feuerwehr. Gewisse Dinge müsse sitzen, auch wenn die Freiwilligen mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerufen werden oder wenn sie infolge starker Rauchentwicklung sozusagen blind erfolgen müssen. Dies erfordert ein gerüttelt Maß an Lernbereitschaft, immerwährendes Üben und Auffrischen und vor allem eine solide Ausbildung. Wie aufwendig das Lernen ist, schildert Julian Weidinger anhand einer Gruppe von 15 Nachwuchs-Einsatzkräften aus dem Haßfurter Stadtgebiet. Zwei Jahre dauerte ihre Grundausbildung. Unter Corona-bedingt erschwerten Bedingungen erlernten sie die wichtigsten Grundlagen in den Bereichen Brandbekämpfung, Technische Hilfeleistung und Rettung.

Als Standortbestimmung – was kann ich bereits, was muss ich noch lernen und was habe ich verinnerlicht? – dient mitten in der modularen Truppausbildung (MTA) eine Zwischenprüfung, an der sich jüngst auch über 30 Prüflinge umliegender Gemeinden beteiligten.

Corona mischt mit

Beginnend im Januar 2020 war diese MTA für die Haßfurter Feuerwehren laut Ausbilder Weidinger „als die kompakteste aller Zeiten geplant“ und sollte bereits zu den Sommerferien 2020 beendet sein. Dann jedoch kam Corona und die jähe Unterbrechung des Ausbildungsbetriebs im März 2020. Im September, bei niedrigen Inzidenzen und entsprechenden Lockerungen, konnte die Ausbildung wieder aufgenommen werden – um dann Ende Oktober gleich wieder unterbrochen zu werden. Erst im Juli 2021 konnte mit der Ausbildung der verbleibenden Themen begonnen werden. „Mit Lehrgangsbeginn im Januar 2020 und der Zwischenprüfung am 2. Oktober 2021 wurde aus dem kompaktesten Lehrgang aller Zeiten so nun der längste MTA-Lehrgang aller Zeiten“, berichtet Stellvertretender Kommandant Weidinger, der auch Pressewart der Haßfurter Floriansjünger ist. „Die Erschwernisse der Pandemie verlangten Ausbildern wie Teilnehmern ein hohes Maß an Flexibilität ab.“

Ergänzende Schulungen

Trotz aller Widrigkeiten sollten Umfang der Inhalte und Qualität der Ausbildung hochgehalten werden. Im Bereich der Brandbekämpfung beispielsweise lernten die Teilnehmer das Kuppeln von Saugleitungen, die Wasserentnahme aus Ober- und Unterflurhydranten, das richtige Verlegen von Schläuchen und den Umgang mit verschiedensten Löschgeräten. Der Bereich der technischen Hilfeleistung umfasste unter anderem den Umgang mit Handwerkzeugen, dem Beleuchtungssatz und vielen weiteren Geräten. Auch das Absichern einer Einsatzstelle wurde geübt.

Der Umgang mit komplexeren Geräten wie Rettungsschere und Spreizer wird je nach vorhandener Ausrüstung in der jeweiligen Feuerwehr in Ergänzungsschulungen ausgebildet. Neben Brandbekämpfung und Hilfeleistung wurden viele weitere Inhalte geschult, bei denen oft auch externe Ausbilder zu Gast waren. Dazu zählten ein Erste-Hilfe-Kurs, die Ausbildung im Bereich Sprechfunk und Vorträge zu physischen und psychischen Belastungen im Einsatz.

Das Grundmodul

Mit der Zwischenprüfung schloss nun das Grundmodul der MTA ab. Neben der schriftlichen Prüfung mussten die Prüflinge im praktischen Teil die Funktion eines Feuerlöschers und die Handhabung eines Strahlrohrs erklären. Außerdem musste jeder das Anlegen eines Brustbunds zum Sichern einer Person demonstrieren. Doch weitere Module folgen für den Feuerwehrnachwuchs.

Als Prüfer waren die Kreisbrandinspektoren Ralf-Peter Schenk und Stephan Biertempfel dabei. Zusammen mit den Ausbildern Thomas Lang, Stefan Lang, Julian Weidinger und Markus Hebert sowie dem Haßfurter Kommandanten Christian Meisch und seinem Uchenhofener Amtskollegen Holger Helas nahmen sie die Prüfungen ab.

Das erfreuliche Ergebnis: Allen Teilnehmern konnte am Ende zur erfolgreich bestandenen Prüfung gratuliert werden. Dies gilt auch für die über 30 Prüflinge aus anderen Gemeinden, die zur Prüfung zu Gast waren.

Mit Bestehen dieser Zwischenprüfung dürfen die Feuerwehranwärter, vorausgesetzt sie haben das 16. Lebensjahr bereits vollendet, nun zu Einsätzen ausrücken und unter Aufsicht eines volljährigen Feuerwehrdienstleistenden unterstützen. „Unter 18 Jahren erfolgt dies jedoch ausschließlich außerhalb des Gefahrenbereichs“, so Weidinger.

Im Anschluss an die Zwischenprüfung absolvieren sie nun zwei Jahre Ausbildungs- und Übungsdienst, um das im Grundmodul Erlernte zu vertiefen. Am Ende dieser zwei Jahre steht dann die eigentliche Abschlussprüfung der MTA. Nach erfolgreichem Abschluss sind die Prüflinge dann Truppführer. Dieser Abschluss ist Voraussetzung für weitere Lehrgänge in der Feuerwehr.

Erfolgreich waren bei den Feuerwehren aus dem Haßfurter Stadtgebiet: Moritz Bayer, Jakob Eck, Stefan Geier, Johannes Grümpel, Hannes Hauck, Lean Pfaab , Stefan Faust , Christian Drescher, Johannes Schork, Levi Säger, Tristan Schorr, Manuela Einbecker, Thore Schamberger, Hugo Helas und Jessica Frank