Hofstetten
Landgemeinde Hofstetten im Jahr 1870
Straßenpartie in Hofstetten um 1920
Straßenpartie in Hofstetten um 1920 // Günter Huppmann/Repro: Albin Schorn
Signet des Fränkischen Tags von Albin Schorn
Hofstetten

Die derzeitige Vollsperrung der Ortsdurchfahrt des Königsberger Stadtteils Hofstetten wegen Asphaltierarbeiten gibt auch Anlass, auf gut 150 Jahre Dorfgeschichte zurückzuschauen. Es ist auch die Geschichte einer Hauptstraße. Als gesicherte Quelle bietet sich ein Bericht des kgl. Bezirksamtes Ebern vom 11. Juli 1870 an. „Heute begab sich der Amtsvorstand zur Vornahme der Gemeindevisitation hierher nach Hofstetten, dessen Bürgermeister heute nach Augsfeld im Maingrund wegen der Heuernte verreist ist, … der Kirchenpfleger war gleichfalls nicht zu Hause, wohl aber in der Flurmarkung, weshalb man sie durch den Gemeindediener herholen ließ und die Visitation wie folgt vornahm. Die Gemeinde Hofstetten zählt mit dem dazugehörigen Weiler Bühl 171 Seelen, in Folge dessen die Gemeindeverwaltung Gebildet ist aus 1 Bürgermeister, 1 Beigeordneten und 4 Gemeindebevollmächtigten; Kirchenverwaltung und Pflegschaftsrat ist gleichfalls nach Vorschrift bestellt und für alle Mitglieder dieser Ortsbehörden nach Vorschrift verpflichtet. Als Gemeindeschreiber ist aufgestellt Schulverweser Johann Georg Eck dahier.“

„Gräben sind rein gehalten“

In insgesamt 19 Anmerkungen beschreibt und bewertet das königliche Bezirksamt Ebern die Orts- und Lebensverhältnisse der Landgemeinde und ihrer Bewohner aus seiner „amtlichen“ Sichtweise. Unter Anmerkung 15 wird die Hauptstraße des Straßendorfes so dargestellt: „Die Straßengräben des Ortes, welches nur eine einzige Hauptstraße hat, wurden in Folge der letzten Visitation zu beiden Seiten der Straße gepflastert, was dem Dörfchen ein hübsches Ansehen gibt, die Gräben sind rein gehalten.“

Und weiter: „Der Wegweiser außerhalb Hofstetten gegen Bramberg zu, ferner jener im Orte Bühl ist an den Armen schadhaft und daher zu reparieren. … Weil die Straße von hier gegen Bramberg das letzte Deckmaterial im Mai des Jahres bei ganz trockener Witterung eingebettet (wurde), in Folge dessen die Steine lose herum rollen, … sind insgesamt mit Flutsand zu überdecken, wodurch sie eine feste Verbindung bekämen und das Hornvieh mehr geschont würde.“

Weitere Anmerkungen der Gemeindebesichtigung bewerten teils kritisch und auch wohlwollend die Sitzungsprotokolle und Amtspapiere, Kassatagebücher, Bürgeraufnahmegebühren, Schul- und Armenhaus, Friedhof, Dorfkapelle, das Tagebuch der Märker, die Gerätschaften der Gemeinde und die wirtschaftliche Lage der Gemeinde. So wird abschließend festgestellt, „dass die kleine Gemeinde Hofstetten keinerlei Gemeindevermögen besitzt und ferner Schulbedürfnisse durch Umlagen aufbringen muss, was bei der hohen Lage der Flur und der geringen Ertragsfähigkeit der Felder einzelnen oft sehr schwer fällt.“

An die ermittelten Befunde schließen sich „getroffene Verfügungen“ für die Gemeinde an und schließlich musste der Bürgermeister mit Terminvorgabe die „Erledigung“ dem Bezirksamt Ebern melden.

Gut zu wissen: Das Bezirksamt, heute Landratsamt, kann sich über alle Angelegenheiten der kreiseigenen Kommunen unterrichten lassen. Es kann Beanstandungen aussprechen und gesetzwidrige Beschlüsse aufheben.

Die „Straßenpartie“ von Hofstetten um 1920 zeigt die Hauptstraße des Ortes aus Richtung Ebern kommend. Im Vordergrund ist ein sicherlich damals stolzer Automobilbesitzer abgelichtet, am Straßenrand eine gepflasterte Wasserrinne. Auf der Fahrbahn selbst sind wohl Spuren von landwirtschaftlichen Fuhrwerken mit Kühen – wie damals im Dorf üblich – als Zugtieren zu erkennen.

Das Fahrzeug ist wahrscheinlich das Modell T von Ford, „Tin Lizzie“, auch „Blechliesel“ genannt und produziert von 1908 bis 1927. Es war das meistverkaufte Automobil der Welt bis 1972. Dann ging dieser Titel an den VW Käfer.

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