Ailsbach
Ailsbachern ging ein Licht auf
Eine nostalgisch gefasste LED-Leuchte hat Sascha Link zur Erinnerung an das Jubiläum „100 Jahre elektrischer Strom“ in Ailsbach im Brunnen beim Hirtenhaus installiert.
Eine nostalgisch gefasste LED-Leuchte hat Sascha Link zur Erinnerung an das Jubiläum „100 Jahre elektrischer Strom“ in Ailsbach im Brunnen beim Hirtenhaus installiert.
Foto: Evi Seeger

100 Jahre elektrischer Strom! In einer Zeit, in der Strom immer und überall zur Verfügung steht, ein Jubiläum, das auf jeden Fall feierwürdig ist. Ohne Licht ginge es ja gerade noch. Gaslicht, Kerzen oder Petroleumleuchten könnten – wenigstens eine Zeit lang – durchaus romantisch sein. Auch ohne Fernseher auszukommen, wäre zur Abwechslung mal nicht schlecht. Aber wie wäre der Alltag ohne Elektroherd, Waschmaschine und Staubsauger?

Enormen Fortschritt brachte die Elektrizität in diesen hundert Jahren. Dabei kam die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten erst in den 1920er Jahren in den Genuss von elektrischem Licht und Kraftstrom.

Den Ailsbachern ging jedoch bald ein Licht auf: Schon im Winter 1921/22 wurde die Stromleitung von Mühlhausen nach Frimmersdorf gebaut.

„Eine Strecke von etwa zwölf Kilometern, und Ailsbach mittendrin“, sagt Sascha Link. Der junge Ingenieur ist auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien tätig. Nach seinem Studium hat der Ailsbacher sieben Jahre lang in einem Würzburger Ingenieurbüro gearbeitet und Erfahrungen gesammelt, bevor er sich in seinem Heimatort mit einem eigenen Unternehmen selbstständig machte.

Ehrenamtlich engagiert sich Sascha Link als Vorsitzender des Vereins Dorfgemeinschaft. In der Ortschronik des 1985 verstorbenen Hans Kolm, die der Ailsbacher Harald Kaiser neu herausgebracht hat, hat Link ganz besonders die Geschichte der Elektrifizierung verfolgt.

Der „Bezirksmonteur“ Heuschkel aus Mühlhausen hatte die Leitung beim Bau der Stromtrasse, ist in der Chronik nachzulesen. Um die Kosten des Ortsnetzes zu bezahlen, sei ein Stück vom Gemeindewald abgeholzt worden. Die offizielle Einweihung der Stromleitung sei am 3. März 1922 gefeiert worden.

Birne „lebt“ 50 Jahre

Und dann das Unglaubliche: Eine 32-Watt-Glühbirne aus dem Anfangsjahr 1922 tat im Anwesen des Chronisten Kolm 50 Jahre lang ihren Dienst. Sogar das Brandunglück im Anwesen Kolm im Jahr 1949 habe sie überlebt. Genau 18 Tage vor ihrem 50. Geburtstag im Jahr 1972 gab sie ihren Geist auf.

„Es muss eine Kohlefaden-Glühbirne oder ein Tantal-Glühfaden gewesen sein“, vermutet Link. Diese wären robuster gewesen als die späteren Wolfram-Glühbirnen. Die „geplante Obsoleszenz“ der Wolfram-Glühbirnen habe aufgrund des „Glühlampen-Kartells“ bei tausend Stunden gelegen. Das bedeute, dass die Hersteller diese Brenndauer bewusst geplant hatten.

Anlässlich des Jubiläums 1972 sei über die 50-jährige Brenndauer dieser Glühbirne sogar ein Fernsehbeitrag im „Dritten Programm“ gesendet worden. Sascha Link hat nach diesem Beitrag im Archiv des BR-Studios gesucht. Bislang waren seine Recherchen allerdings nicht von Erfolg gekrönt.

Als Vergleich führt er an, dass die heutigen LEDs eine Lebensdauer von 25 000 Stunden hätten. Zur Erinnerung an das Jubiläum „100 Jahre elektrischer Strom“ hat er für die Weihnachtsbeleuchtung eine auf nostalgisch gemachte Vier-Watt-Leuchte im Brunnen vor dem Hirtenhaus installiert.

„Auch im Verein haben wir die Energiewende vorangebracht“, sagt der Dorfgemeinschaftsvorsitzende. Im vergangenen Jahr sei das Hirtenhaus an die Hackschnitzelanlage des Nachbaranwesens angeschlossen worden. Zuvor sei das Gemeinschaftshaus mittels Strom beheizt worden.

Der Energiefachmann hat zudem zwei Photovoltaikmodule (zusammen 800 Watt) gespendet und mit seiner Partnerfirma aus Kleinweisach auf dem Dach des Brunnens installiert, weil das Hirtenhaus selbst unter Denkmalschutz steht. Die beiden Module produzieren im Jahr 680 kWh; das sind rund 17 Prozent des Stromverbrauchs des Dorfgemeinschaftshauses.

Strom aus dem Werk „Franken I“

Sascha Link ist auch der Frage nachgegangen, woher der Strom vor der Elektrifizierung nach Ailsbach kam. Meist sei er in Steinkohlekraftwerken wie dem Werk „Franken I“, das 1913 in Nürnberg-Gebersdorf in Betrieb ging, erzeugt worden. Es habe weite Teile Mittelfrankens versorgt.

Inzwischen sei es umgerüstet und werde mit Gas oder leichtem Heizöl befeuert. Es arbeite aber immer noch und werde als „Spitzenlastkraftwerk“ bedarfsgerecht gesteuert, das heißt, wenn Verbrauchsspitzen ausgeglichen werden müssen.

„Ob zu dem Jubiläum eine Feier stattfinden kann, wissen wir aktuell noch nicht“, antwortet Link auf diese Frage.