Kitzingen
Endlich wieder ein großes Werk
Christian Stegmann führte mit Kirchenchor und Kammerchor von St. Johannes in Kitzingen und Solisten das Requiem von Mozart auf.
Christian Stegmann führte mit Kirchenchor und Kammerchor von St. Johannes in Kitzingen und Solisten das Requiem von Mozart auf.
Jutta Schwegler
Am Anfang des Kirchenkonzerts in St. Johannes stand das Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 mit Robert Drechsler als Solist.
Am Anfang des Kirchenkonzerts in St. Johannes stand das Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 mit Robert Drechsler als Solist.
Jutta Schwegler
Kitzingen – Tiefgehende Aufführung des Requiems von Mozart in der Kirche St. Johannes in Kitzingen vor vollem Haus. Den Beginn des Konzertes gestaltete Klarinettist Robert Dreksler.

Ganze zwei Jahre mussten vergehen, bis Regionalkantor Christian Stegmann in der Stadtpfarrkirche St. Johannes wieder ein großes Werk aufführen konnte. Zusammen mit seinem Kirchenchor, dem Kammerchor, dem Orchester "Consortium Musicale" unter der Leitung von Herwig Zack und Solisten brachte er am Totensonntag das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart zur Aufführung. Und auch die Zuhörer kamen wieder und füllten das gesamte Kirchenschiff.

Zu Beginn des Konzertes stand das Klarinettenkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 622. Robert Dreksler begann es mit schwebendem Ton, der sich fein im Kirchenschiff ausbreitete. Er spielte sehr virtuos, sehr weich, sehr elegisch im Adagio und dann wieder mit dem typisch schnatternden Ton der Klarinette. Und wenn am Ende eines Satzes ein Ton sehr leise im Raum verklang, war das wunderbar. Christian Stegmann war ihm mit dem "Consortium Musicale" ein verlässlicher Begleiter.

Der Chor hat gewonnen in der Zeit der Abstinenz

Nach dem halbstündigen Werk betrat der Chor die Bühne und hob an zum Requiem von Mozart. Das schraubte sich im beginnenden Introitus langsam und bedächtig hoch, doch schon hier zeigte sich die Klangfülle, die die 50 Sängerinnen und Sänger hervorbrachten. Der Chor hat gewonnen in der Zeit der Abstinenz, hat besser zusammen gefunden, klingt sehr harmonisch, gut fundiert in den Bässen, geschlossen im Sopran, stark im Alt und durchaus durchsetzungsfähig im Tenor. Erfreulich, dass auch wieder jüngere Sängerinnen und Sänger den Weg zur Chormusik finden.

Schon die erste Fuge im "Kyrie" war klar strukturiert und zeigte große Fülle. Im "Dies irae" sagten die Bässe mit vollem Einsatz das Höllenfeuer voraus. Das Solistenensemble passte sehr gut zusammen, was bei den Ensemblestücken im Requiem besonders wichtig ist. Anke Hájková Endres besitzt einen lyrischen, obertonreichen und schwebenden Sopran, der sich mühelos über alles erhob, besonders innig im "Benedictus". Anna Haase von Brincken gefiel mit einem warmen und kräftigen Alt. Tenor Dominik Wortig passte sich mit seinem baritonal gefärbten Tenor sehr gut ins Ensemble ein. Bass Sebastian Klein hatte beim "Tuba mirum" einen gut gelungenen Soloauftritt.

Eine gewisse Verzweiflung über das nahe Ende

Insgesamt meisterte der Chor die aufgewühlten, heftigen Sätze sehr gut. Eindringlich waren die "Rex tremendae"-Rufe bei den Männern und das flehende "Salva me" in den Frauenstimmen, ähnlich das "Confutatis". Im "Lacrimosa" hätte man sich ein bisschen weniger Schwelgen, dafür mehr Textverständlichkeit und Sauberkeit gewünscht – immer eine große Gefahr in langsamen Sätzen. Im "Amen" am Ende des Satzes, das die ewige Ruhe bestätigen soll, vermeinte man eine gewisse Verzweiflung über das nahe Ende heraus zu spüren, man merkte dem Chor mit seinem Leiter an, dass sie hinter den Inhalten stehen.

Gut gelungen waren die Forte-Piano-Stellen im "Hostias", das "Sanctus", opulenter Chor der Engel, beeindruckte in seiner Fülle. In der letzten großen Fuge in der "Communio" zeigte der Chor nochmals seine Stärke und die Zuhörer bedankten sich nach einem Moment der Stille bei allen Beteiligten mit stehendem, lang anhaltendem Applaus.