Der Trend geht zum Selbermachen
Bei einem Probedurchlauf haben die Gymnasiasten einen Lippenpflegestift hergestellt.
Bei einem Probedurchlauf haben die Gymnasiasten einen Lippenpflegestift hergestellt.
Foto: Heike Schülein
Kronach – VHS-Kursreihe  Immer mehr Menschen wollen wissen, welche Inhaltsstoffe in ihrer Kosmetik enthalten sind. Gemeinsam mit der VHS haben Zwölftklässlerinnen des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums jetzt verschiedene Pflegeartikel selbst hergestellt.

Sorgsam verrühren die jungen Leute Jojobaöl mit Bienenwachs so lange im Glasbecher, bis die Zutaten auf der Heizplatte schmelzen. Anschließend kommt noch etwas Sheabutter hinzu, die sie ebenfalls zum Schmelzen bringen. Nach dem Abkühlen fügen sie noch einige Tröpfchen ätherische Öle bei, rühren die Masse, bis sie etwas dickflüssig wird, und füllen diese in Lippenstift-Hülsen. Nach dem Festwerden wird daraus ein toller Lippenpflegestift – aus gänzlich natürlichen Inhaltsstoffen.

„Die Haut ist das wichtigste Organ des Körpers. Deshalb sollte man auch nur Gutes an sie heranlassen. Wenn man seine eigene Kosmetik herstellt, weiß man, was darin enthalten ist und man kann sie mit gutem Gewissen auftragen“, sagt Lara, die zusammen mit weiteren 14 Zwölftklässlerinnen am P-Seminar „Kosmetik“ des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums teilnimmt. Gemeinsam beschäftigen sie sich darin mit der Herstellung von Naturkosmetik. Ihre dabei entwickelten wirkorientierten Rezepturen geben sie in Zusammenarbeit mit der VHS Kreis Kronach in einer als Workshops angelegten dreiteiligen Kursreihe weiter.

Vor dem praktischen Teil erfahren alle Teilnehmer Wissenswertes über die verwendeten Inhaltsstoffe sowie über die Haut allgemein. Am Montag erfolgte schon einmal im Chemie-Labor des Gymnasiums eine Art Probedurchlauf des ersten Kurses, dem Herstellen eines Lippenpflegestifts.

Seinen fachlichen Hintergrund hat das P-Seminar im Fach Chemie. „Im Prinzip geht es dabei um das Zusammenspiel von wässriger und öliger Farbe mit einem Emulgator“, erklärt die Seminarleiterin, Studiendirektorin Katrin Reukauf. In Kosmetik und Dermatologie werden Emulgatoren vor allem für Cremes, Lotionen und Salben eingesetzt, um sowohl wässrige als auch ölige Pflege- und Wirkstoffe in einem Produkt zu vereinen. Im P-Seminar habe man sich intensiv mit der Herstellung besonders inhaltsreicher Pflegeprodukte aus natürlichen Rohstoffen beschäftigt. Sehr dankbar zeigte sie sich der VHS gegenüber, die gewonnenen Ergebnisse durch Aufnahme in das Kursprogramm nach außen tragen zu können.

„Wir haben das Angebot sehr gerne aufgegriffen, zumal es sich um ein ganz aktuelles Thema handelt“, freut sich VHS-Leiterin Annegret Kestler, bei der die Schule mit dieser Idee offene Türen einrannte. Natürliche Inhaltsstoffe, gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Vermeidung von Plastikmüll – die Kursreihe beinhalte viele Faktoren, die voll im Trend seien. „Ich bin einfach megabegeistert; gerade auch von dem Wissen der jungen Leute“, freut sie sich.

Faktor Ernährung

Dieses Wissen geben die Zwölftklässlerinnen zunächst in einem einleitenden Theorie-Teil an die Teilnehmer weiter. Dabei geht es um den Aufbau der Haut und deren Stoffaufnahme, um gute und schlechte Inhaltsstoffe. Sie geben Tipps, um Hautunreinheiten effektiv vorzubeugen, wobei auch die richtige Ernährung eine wichtige Rolle spielt. Im Anschluss stellen die Teilnehmer unter ihrer fachlichen Anleitung verschiedene Naturkosmetikprodukte her, die sich diese nebst dazugehöriger Rezepturen natürlich mit nach Hause nehmen können.

Erläutert werden auch die Vorteile der selbst gemachten Kosmetik – und die liegen, so die Schülerinnen, auf der Hand: Die Produkte sind fern jeder industriellen Chemie, frei von umweltschädigenden Partikeln, tierversuchsfrei und basieren auf nachwachsenden Rohstoffen; seien aber ebenso wirksam - ohne zu reizen oder womöglich Allergien auszulösen. Die Kosmetikrezepte sind unkompliziert, sehr einfach und mit nur wenigen Zutaten innerhalb kurzer Zeit hergestellt. Die eigene Herstellung ist kostengünstiger, da Produktionskosten, Verpackung und Werbung wegfallen. Der Wegfall bzw. die Reduzierung von Verpackungen und Transportwegen schont die Umwelt.

„In der Drogerie steht man manchmal ratlos vor den vielen Kosmetikprodukten. Man kann sich kaum entscheiden, weil man ja nicht weiß, was wirklich gut für die Haut ist. Erst wenn man sich näher damit beschäftigt, erkennt man, wie viele schädliche Zusätze verwendet werden“, verdeutlicht Francesca, dass viele in der industriellen Fertigung eingesetzten Zusatzstoff ausschließlich der Haltbarkeit und Stabilität der Produkte dienen. Verschiedene kostenlose Apps zeigen durch Scannen des Strichcodes an, ob in einem Kosmetikprodukt hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind. Einige dieser Apps werden bei den Kursen vorgestellt. Nicht zuletzt mache das eigene Herstellen von Kosmetik Spaß und eigne sich toll zum Verschenken. So könnte beispielsweise „Mann“ seine Freundin bzw. Frau mit einer selbst gemachten Bodylotion überraschen . Zur Kursreihe sind daher natürlich auch Männer herzlich eingeladen.