Kunstverein
Einmaliges Erlebnis in Paris
Über die Verhüllung des L’arc de Triomphe berichtete Kerstin Sperschneider beim KKV.
Über die Verhüllung des L’arc de Triomphe berichtete Kerstin Sperschneider beim KKV.
Foto: Michael Wunder
Kronach – Christo und seine Frau Jeanne-Claude durften die Verwirklichung ihres „Lebenswerks“ nicht mehr miterleben. Dennoch war die Verhüllung des Wahrzeichens...

Christo und seine Frau Jeanne-Claude durften die Verwirklichung ihres „Lebenswerks“ nicht mehr miterleben. Dennoch war die Verhüllung des Wahrzeichens von Paris („L’arc de Triomphe Wrapped“) ein spektakuläres künstlerisches Vermächtnis. Die Kronacherin Kerstin Sperschneider hat die Verhüllung des Pariser Triumphbogens live erlebt und nun beim Kronacher Kunstverein (KKV) darüber in Wort und Bild berichtet.

Nach ihrer kurzfristigen Entscheidung, Mitte September nach Paris zu fliegen, stand ein stressiges Wochenende für sie und ihren Mann an. Christo, der mit einer Aktion mit Ölfässern berühmt wurde, hatte bereits 1962 die Idee, das Wahrzeichen von Paris zu verhüllen. Es sollte jedoch fast sechs Jahrzehnte dauern, bis sein Traum umgesetzt wurde.

Verhüllung in Berlin

Vielen dürfte eines der letzten großen Werke des Künstlers, die Verhüllung des Berliner Reichstags im Jahr 1995, noch gut in Erinnerung sein. Im Jahr 2017, als Christo schon über 80 Jahre alt war, beschloss er, den Triumphbogen in der französischen Hauptstadt zu verhüllen. Das massive Bauwerk entstand in der Zeit von 1806 bis 1832.

Geplant war das Massenspektakel für April 2020, dem Jahr, in dem der Künstler im Alter von 84 Jahren in New York starb. Wegen der Corona-Pandemie musste die Verhüllung jedoch auf September 2021 verschoben werden. Nunmehr vollendete Christos Neffe Vladimir Yavachev in Zusammenarbeit mit dem Museum Pompidou und den französischen Behörden das monumentale Kunstprojekt. Die technische Planung führte ein Ingenieurbüro aus Stuttgart durch.

Zwölf Tonnen Stoff

Für dieses 16-tägige Highlight nahmen die Franzosen am zentralen Verkehrsknotenpunkt viele Umwege in Kauf. An den Wochenenden war die Gegend völlig gesperrt. Der speziell in Sachsen angefertigte Stoff allein wog über zwölf Tonnen und überdeckte 25 000 Quadratmeter. Die acht Meter breiten Bahnen wurden mit speziellen Seilen befestigt, von welchen man drei Kilometer benötigte. Die Kosten, finanziert aus dem Verkauf von Christos Studien, Zeichnungen und Modellen, betrugen 14 Millionen Euro. Die kunstbegeistere Ärztin aus dem Kreis Kronach bezeichnete das Wochenende in Paris – trotz aller Strapazen – als ein unvergessliches Erlebnis. Bei der Begrüßung wies die Vorsitzende des KKV, Sabine Raithel, darauf hin, dass Paris die Seelen der Künstler beflügelt.