Friedhof soll sein ganzes Potenzial entfalten
Die Baumaßnahmen am Oberrodacher Friedhof erläuterten die Landschaftsarchitekten Angelika Droll-Lauenstein und Götz Lauenstein (beide rechts im Bild) dem Marktgemeinderat Marktrodach.
Die Baumaßnahmen am Oberrodacher Friedhof erläuterten die Landschaftsarchitekten Angelika Droll-Lauenstein und Götz Lauenstein (beide rechts im Bild) dem Marktgemeinderat Marktrodach.
Foto: Maria Löffler
Marktrodach – Perspektiven  Die Marktgemeinde Marktrodach will in Oberrodach einen zukunftsfähigen Friedhof schaffen. Der Marktgemeinderat erhielt bei einer Ortsbegehung einen Einblick in bereits umgesetzte und in künftige Maßnahmen. Dabei spielt die Neugestaltung der Kapelle eine wesentliche Rolle.

Sie tragen Namen wie „Platz der Erinnerung“ oder auch „Säulenhain“, und sie sind Orte, an denen nicht nur die Toten ihren Frieden finden sollen, sondern auch die Lebenden. Und sie befinden sich im Oberrodacher Friedhof. Der wird gerade in fünf Bauabschnitten neu gestaltet. Der Marktgemeinderat überzeugte sich bei einer Ortsbegehung davon, dass zumindest schon mal die 142 000 Euro, die für den ersten und zweiten Bauabschnitt vorgesehen waren, sinnvolle Verwendung fanden.

Entstanden seien dabei unter anderem 46 naturnahe Urnengräber. Was naturnah genau bedeutet, erläuterte Landschaftsarchitektin Angelika Droll-Lauenstein: „Diese Urnengräber liegen am Fuße von Bäumen. Dazu gehört der ,Platz der Erinnerung‘, an dem man sich ausruhen oder eben auch Grabschmuck niederlegen kann.“

Anonym bleiben oder auch nicht

Auf der rechten Seite der Kapelle seien 76 anonyme und halbanonyme Urnengräber entstanden. „Diese Gräber können mit jeweils zwei Urnen belegt werden und vollständig anonym bleiben. Aber wer es nicht ganz so anonym möchte, der kann den Namen der Toten auch auf einer Tafel verewigen lassen“, ergänzte Landschaftsarchitekt Götz Lauenstein. Auch hier wurden Bäume gepflanzt, die den Waldfriedhofcharakter verstärken sollen.

Die Schaffung so vieler Urnengräber begründete Bürgermeister Norbert Gräbner (ÜWG/FW) mit dem Wegzug von Kindern und Enkelkindern: „Wer soll die Gräber pflegen, wenn die Angehörigen viele Kilometer weit entfernt wohnen? Daher ist ein Urnengrab die ideale Lösung.“

Der Ortstermin sollte aber nicht nur zeigen, was schon geschaffen wurde, sondern vor allem auch, was noch entstehen soll. Dabei rückte die Kapelle in den Vordergrund. Hier hätten die Landschaftsarchitekten zwar schon gewisse Vorstellungen, wollen die Detailplanung aber einem Hochbauarchitekten überlassen. „Wir können uns vorstellen, dass in der Kapelle aus zwei Räumen einer gemacht wird. Wir möchten sie optisch gerne aufwerten und zum würdigen Mittelpunkt des Friedhofes machen. Man könnte zum Beispiel Lichtbänder in die Fassade einziehen, sie überhaupt heller und offener gestalten. Vor allem die rechte Seite sollte optisch geöffnet werden, vielleicht mit einem lichtdurchscheinenden Kreuz“, sagte die Landschaftsarchitektin.

Kostenrahmen von 125 000 Euro

Auch eine Beheizung der Kapelle oder die Schaffung von Sitzgelegenheiten und die Möglichkeit zur Aufbahrung Verstorbener könne man sich vorstellen. Letztlich müsse man dabei aber vor allem den geplanten Kostenrahmen im Auge behalten, der rund 125 000 Euro betrage. Und um den Bereich um die Kapelle nicht nur optisch aufzuwerten, überlege man, hier zumindest einen Teil barrierefrei zu gestalten. Auch aus diesem Grund will die Gemeinde einen Hochbauarchitekten hinzuziehen, der eng mit den Landschaftsarchitekten und der Gemeinde zusammenarbeiten soll. Er müsste dann entscheiden, ob die Renovierung der Fassade und des Glockenturms ins geplante Budget passt.

Bürgermeister Gräbner meinte zur Neugestaltung der Kapelle: „Beerdigungen ohne kirchliche Begleitung nehmen zu. Wir sollten den Menschen auch dafür einen würdigen Rahmen schaffen.“ Er freute sich, dass der Oberrodacher Friedhof gewachsen sei und nun auch sein Potenzial entfalten könne. Entstehen sollen im Zuge der Überplanung aber auch eine Toilettenanlage und ein Lagerraum. Gräbner: „So können wir einen neuen, zukunftsfähigen Friedhof schaffen.“

Die anschließende öffentliche Gemeinderatssitzung war relativ kurz und hauptsächlich geprägt von Informationen. So seien beispielsweise die Räume der Grundschule mit Lüftungsgeräten ausgestattet worden. Gräbner: „Das Lüften der Räume hat weiterhin oberste Priorität.“

In Abwesenheit geehrt wurden ein aktiver und ein ehemaliger Marktgemeinderat. Oliver Skall (SPD) gehöre dem Gremium seit 18 Jahren an und sei von 2014 bis 2020 Zweiter Bürgermeister gewesen. Der Bürgermeister zollte ihm dafür Respekt und Anerkennung. Das gelte auch für den ausgeschiedenen Thomas Schorn.

Geehrt wurde auch Zweiter Bürgermeister Thomas Hümmrich (ÜWG/FW), der über 30 Jahre als Marktgemeinderat aktiv sei. Davon sei er 25 Jahre lang Zweiter beziehungsweise Dritter Bürgermeister gewesen.