Ausstellung
Heldinnen der Gegenwart
„Becoming a knot with myself“ ist der Titel dieser Arbeit von Sophie Utikal in Arpillera-Technik.
„Becoming a knot with myself“ ist der Titel dieser Arbeit von Sophie Utikal in Arpillera-Technik.
Foto: Johanna Ledig
Kronach – Welche Relevanz haben die Frauenporträts Lucas Cranachs aus heutiger Sicht? Wie hat sich das Selbstverständnis von „Frau“ seit der...

Welche Relevanz haben die Frauenporträts Lucas Cranachs aus heutiger Sicht? Wie hat sich das Selbstverständnis von „Frau“ seit der Renaissance gewandelt? Diesen Fragen spürt die Ausstellung „Held*innen – Cranach Transfer 2022“ im Kronacher Kunstverein nach. Zu sehen sind die Arbeiten der Berliner Künstler Sophie Utikal, Magda Korsinsky und Johannes Uhlenhaut ab 3. April.

Wer sich ein wenig mit dem Werk Lucas Cranachs (1472 – 1553) auseinandersetzt, der kennt die stilprägenden Darstellungen von Frauen und Weiblichkeit. Unter den zahlreichen Sujets, denen sich Cranach widmete, sind u.a. Venus und Lucretia in vielerlei Varianten zu finden: die Göttin als Inbegriff des Verführerischen und gefährlich Lasterhaften, die mythische Römerin als Symbol der tugendhaften Gattin. Zwischen diesen Polen oszillieren in Cranachs Frauenbildern protestantisch verhaltene Sinnlichkeit ebenso wie offensive Nacktheit, die das männliche Auge bedient und nur – alibiartig – durch andeutungsweise vorhandene Schleier verhüllt ist. Daneben fasziniert seine detailreiche Ausgestaltung von Schmuck, Haarnetzen und opulenten Roben.

Attribute des Weiblichen

Welche Relevanz haben Cranachs Frauenporträts für die Gegenwart? Und wie verändert unser heutiges aufgeklärtes und durch die feministische Bewegung geprägtes Selbstverständnis den Blick auf Cranachs Werk? Diesen und anderen Fragen spürt die Ausstellung im Kronacher Kunstverein nach. Der Verein nimmt das diesjährige Cranach-Jubiläumsjahr zum Anlass, in einem Ausstellungszyklus Bezüge zwischen dem berühmten Renaissancemaler und der Gegenwartskunst herzustellen. Unter dem Titel „Held*innen – Cranach Transfer 2022“ beschäftigen sich drei Berliner Künstler – Magda Korsinsky, Johannes Uhlenhaut und Sophie Utikal – mit „Frausein“ und den heutigen Attributen des Weiblichen. Kuratiert wird die Ausstellung von Lily Fürstenow.

So zeigt Magda Korsinsky Installationen aus ornamentalen Stoffen, die zu quiltartigen Hängeobjekten zusammengenäht sind. Cranachs Liebe für die detailreiche Ausgestaltung von Schmuck, Tüchern, Samt und Brokat als Statussymbol und wichtigem narrativen Element greift Johannes Uhlenhaut mit seinen aus wertvollem sächsischen Porzellan gefertigten Schuhen auf. Und die sagenhaften Venus-Darstellungen Cranachs finden eine zeitgenössische Übersetzung in den Arbeiten von Sophie Utikal. Ihre selbstbewussten Figuren, meist Selbstporträts, bestehen aus Schichten genähter Stoffe in der traditionellen kolumbianischen Arpillera-Technik.

Die Vernissage findet am 3. April um 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. red