Im Landkreis klapperten die Nadeln
Selbstgestricktes in Hülle und Fülle stapelte sich vor dem Caritas-Sozialladen.
Selbstgestricktes in Hülle und Fülle stapelte sich vor dem Caritas-Sozialladen.
Foto: Heike Schülein
Kronach – Benefizaktion  Die „Kronacher Strickliesln“ initiierten eine Handarbeits-Hilfsaktion für den Caritas-Sozialladen. Viele Strickgruppen und Privatpersonen strickten warme Kleidung für die kalte Jahreszeit.

Kronach —  Es ist ein einzigartiger Anblick: Eine riesige Anzahl an Mützen, Stirnbändern, Schals, Handschuhen, Stulpen, Hüttenschuhen, Socken in allen Größen und Farben sowie sogar kleine Pullover und Jäckchen stapeln sich an diesem Freitagmorgen in Kartons, Boxen und Einkaufswägen vor dem „Lädla“. Einträchtig warten hier die kuschligen selbstgestrickten Kostbarkeiten darauf, in die Regale im Sozialladen einsortiert zu werden und schließlich bald dankbare Abnehmer zu finden.

„Das ist ein Wahnsinn!“, zeigt sich Andrea Marr, eine der Gründerinnen der „Kronacher Strickliesln“, völlig überwältigt von der dem Hilfsprojekt zuteilgewordenen riesigen Welle an Hilfsbereitschaft. Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement (KoBE) im Projektbüro von Kronach Creativ, bei der sie auch beschäftigt ist, entwickelte Andrea Marr die Idee dieser Strick-Aktion.

Ziel war es, dem „Lädla“ in der Wachtersflurstraße warme Kleidungsstücke zur Verfügung zu stellen, womit sich deren Kunden für die kalte Jahreszeit eindecken können. Das Projektbüro in der Mangstraße unterstützte – nach der Aktion „Grüne Socke“ des Vereins „Eierstockkrebs Deutschland“ im Frühjahr dieses Jahres – das Projekt einmal mehr durch alle Social-Media-Kanäle wie auch als Sammelstelle.

„Wir erhielten Handarbeiten aus dem ganzen Landkreis“, bekundet Andrea Marr. Neben den „Strickliesln“, die alleine über 120 Mützen, 20 Paar Socken wie auch Schals und weitere Kleidungsstücke bzw. Accessoires anfertigen, beteiligten sich daran noch weitere Strickgruppen. Hierzu zählte der Strickkreis aus Teuschnitz ebenso wie der BRK-Strickstammtisch aus Kronach, der einen Großteil seiner Sockenvorräte spendete, nachdem ja leider auch heuer wieder kein Weihnachtsmarkt im Seniorenhaus stattfinden kann.

Aber auch viele Privatpersonen beteiligen sich daran – so beispielsweise Dagmar Hänel aus Steinwiesen mit rund 30 Mützen, Stirnbänder und Schals usw. Sehr gerührt zeigte man sich von der tatkräftigen Unterstützung einer 93-jährigen Kronacherin, die rund 30 Schals strickte. „Wir sagen von Herzen danke an alle, die sich beteiligt haben und mithalfen, dass niemand im Landkreis frieren muss. Es tut gut zu wissen, dass wir hier Menschen haben, denen der Nächste nicht egal ist!“, strahlt Andrea Marr.

Dem konnten sich Irene Piontek, Leiterin der Abteilung Soziale Hilfen der Caritas, und „Lädla“-Leiterin Silvia Tübel nur anschließen. Beide zeigten sich sicher, dass die Strickwaren in allen Größen und Ausfertigungen sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen für große Freude sorgen werden. Zusätzlich zu den finanzschwachen Familien unterstütze die Aktion auch den Sozialladen selbst; wird man hier doch die Handarbeiten zu einem geringen Obolus von beispielsweise 50 Cent verkaufen. „Die Menschen sollen sich bei uns als Kunden fühlen und nicht als Bittsteller. Deswegen verschenken wir die Sachen nicht, sondern geben ihnen einen Wert“, erklärt Irene Piontek.

Ebenso verhalte es sich mit den anderen im „Lädla“ angebotenen Waren: Grundnahrungsmittel sowie auch einige sonstige Waren des täglichen Bedarfs, die man für 10 bis 12 Prozent des regulären Verkaufspreises anbietet. Die Aktion helfe auch insofern, da man im Monat Oktober die angestiegenen Energiekosten – Gas, Strom aber auch Benzin für die drei Verkaufsfahrzeuge – deutlich gespürt habe und diese mit 300 Euro mehr als in den Vormonaten zu Buche schlugen.

Ein großes Lob zollte Silvia Tübel auch ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die trotz Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Erschwernisse – wie dem Tragen von FFP2-Masken selbst im Sommer bei größter Hitze usw. – dem „Lädla“ weiterhin die Stange hielten und nach wie vor mit großem Engagement bei der Sache seien. Mit der Kronacher Mitmachbörse der KoBE habe man schon zuvor sehr gute Erfahrungen gemacht; konnte man doch bereits einige Ehrenamtliche über diese Vermittlungs-Plattform gewinnen.

„Viele Menschen“, zeigte sich KoBE-Projektleiterin Sabine Nuber sicher, „sind durchaus bereit, sich zu engagieren – für Projekte, die sie ansprechen, aber zeitlich begrenzt und unabhängig von einer ,bindenden’ Vereinsmitgliedschaft“. Das Projektbüro kann hierbei die Logistik bieten sowie insbesondere auch eine breite Öffentlichkeitsarbeit über alle Kanäle. KoBE wird daher auch bei der nächsten Hilfsaktion der „Strickliesln“ im Jahr 2022 wieder mit dabei sein, worüber noch zu gegebener Zeit berichtet wird.