Tradition
Türmer trifft Gewandete in Lippstadt
Thomas Baier erkundete Lippstadt.
Thomas Baier erkundete Lippstadt.
Foto: privat
Kronach – Süntelgeister und Haarmännchen, Märchenfeen und weiße Frau’n, aber auch ehrwürdige Nachwächter und Türmer – gewandete Männer und Frauen trafen sich zu...

Süntelgeister und Haarmännchen, Märchenfeen und weiße Frau’n, aber auch ehrwürdige Nachwächter und Türmer – gewandete Männer und Frauen trafen sich zur Hauptversammlung ihrer Gilde in Lippstadt in Nordrhein-Westfalen. Nachdem die Zusammenkunft 2020 Coronabedingt ausgefallen war, nahmen dieses Mal 48 der insgesamt 230 Mitglieder teil. Belohnt wurden diese mit einem erlebnisreichen Wochenende. Mittendrin war Kronachs Türmer Thomas (Baier).

„Das war ein einmaliges Erlebnis“, kommt er gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Gemeinsam wurden wichtige Themen der „Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ besproche, mit der vorrangigen Zielsetzung, Überliefertes zu bewahren, Brauchtum zu pflegen und Geschichte weiterzugeben; allesamt auch Anliegen von Thomas Baier. Dieser hat es sich insbesondere zur Aufgabe gemacht, den damals als unehrenhaft geltenden und schlecht bezahlten „Beruf“ des Türmers wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Unverzichtbar für die Ordnung und Sicherheit in den Städten, sagte der Türmer beispielsweise die Uhrzeit an. Er schloss die Tore der Stadt und warnte vor anrückenden Feinden oder dem „roten Hahn“.

Die Jahresversammlung wird jedes Mal an einem anderen Ort abgehalten. Die Wahl fiel heuer auf Lippstadt, da dort Gilde-Mitglied „Graf Bernhard II. zur Lippe“, alias Bernhard Barscher, seit rund zehn Jahren mit Kettenhaube und Schwert seine Heimatstadt repräsentiert.

Der Einladung des um 1140 geborenen „Grafen“ folgten nunmehr fast 50 stilecht Gewandete der in vier Regionen aufgeteilten und sich bis nach Österreich erstreckenden Gilde. Den weitesten Anfahrtsweg mit rund 1000 Kilometern hatte dann auch Horst Ragusch aus Klagenfurt am Wörthersee – seines Zeichens Türmer.

Treffen in Kronach

Wichtig ist der Gilde das Einbeziehen der Bevölkerung. So zog die Gruppe in einem Rundgang durch die Innenstadt und machte halt an markanten Plätzen, um mehr über die Geschichte der Lippe-Stadt zu erfahren, aber auch um sich selbst und die eigene Heimat vorzustellen.

Die Zusammenkunft war auch ein „Vorgeschmack“ auf das Frühjahr 2024, wenn aufgrund des großen Einsatzes des Türmers die Gilde-Jahresversammlung in Kronach stattfinden wird. „Wir erwarten 2024 hier rund 100 Mitglieder aus ganz Deutschland sowie Österreich. Das wird ein absolutes Top-Ereignis“, strahlt Baier. hs