Münnerstadt
Alte Kirchenkunst in neuem Gewand
Jürgen Emmert, Leiter der Kunstabteilung des Bistums Würzburg sowie des Diözesanmuseums, stellte die neuen Kunstwerke in der Stadtpfarrkirche Münnerstadt vor.
Jürgen Emmert, Leiter der Kunstabteilung des Bistums Würzburg sowie des Diözesanmuseums, stellte die neuen Kunstwerke in der Stadtpfarrkirche Münnerstadt vor. // Heike Beudert
Münnerstadt

Rund 100 Interessierte hatten sich zum zweiten Vortrag in der Reihe „Schatzkästlein St. Maria Magdalena“ in der Stadtpfarrkirche eingefunden. Jürgen Emmert gab einen Einblick in die neue Kunst, die im Rahmen der Kirchensanierung entstanden ist.

Gleich zu Beginn seines Vortrags unterstrich Jürgen Emmert, Leiter der Kunstabteilung des Bistums Würzburg sowie des Diözesanmuseums, die Bedeutung des Münnerstädter Gotteshauses. Er sprach von einer hervorgehobenen Sehenswürdigkeit und bezeichnete sie als den „Mount Everest in Unterfranken“. Ihren Stellenwert unterstrich er mit der Aussage, dass die Stadtpfarrkirche selbst ohne Riemenschneideraltar und Veit-Stoß-Tafeln eine herausragende Position im Bistum einnehmen würde. Denn auch alle anderen Skulpturen und Gemälde seien von hohem Wert.

Altar und Marienort

Diese Bedeutung sei das Spannungsfeld bei der Neugestaltung des Altars und des Ambo sowie der Entstehung des Marienortes gewesen, erläuterte der Referent dem Publikum. „Die moderne Ausstattung muss sich messen lassen mit der alten Kunst.“

Der Künstlerwerkstatt Lutzenberger und Lutzenberger sei es gelungen, den Kirchenraum fortzuschreiben, befand Jürgen Emmert. Gleichzeitig mussten Vorgaben für die Gestaltung von liturgischen Räumen berücksichtigt sein. Diese finde man in Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz. Das Ziel, „Glanz in edler Einfachheit“ zu verwirklichen, sei sehr gut gelungen, so das Urteil des Fachmanns.

Der Volksaltar wurde in der Größe angepasst und korrespondiere nun besser mit dem bedeutenden Riemenschneideraltar im Hintergrund. Die Ummantelung des Zelebrationsaltars mit einem filigranen Netz aus biblischen Texten spiele mit den unterschiedlichen Lichtsituationen im Gotteshaus. Mit der Verwendung von Schriftstellen finde man hier ein protestantisches Gestaltungsprinzip, das den Worten den Vorzug zu Heiligenfiguren und Bildern gebe.

Die Bibelstellen, die für die Ummantelung verwendet wurden, seien von P. Markus Reis ausgewählt worden. Dieser erläuterte den Gästen, dass die Schriftstellen auf die Bedeutung des Altars in der Liturgie eingehen. Aber auch die Verbindung zum Riemenschneideraltar und der Kirchenpatronin Maria Magdalena wurden dadurch geschaffen, ebenso zum Orden der Augustiner.

Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte P. Markus, dass im Altar Reliquien des hl. Kilian, des hl. Burkard und hl. Prudentius sowie des Liborius Wagner, einem seliggesprochenen Märtyrer aus der Region, befinden.

Vom Ambo aus wird das Wort Gottes verkündet, erläuterte Jürgen Emmert. P. Markus hat deshalb als einen Text die Passage aus dem Johannesevangelium „Am Anfang war das Wort…“ gewählt.

Vorgestellt wurde den Interessierten auch der neue Marienort, an dem die historische Talkirchmadonna und eine Pieta einen neuen Platz gefunden haben. Im Marienort habe das Künstlerehepaar Lutzenberger erneut Transparenz und filigrane Gestaltung verwirklicht, welche den Lichteinfall in der Kirche aufnimmt.

Entstanden sei gleichzeitig ein Ort für die private Andacht, so Jürgen Emmert. Anders als in evangelischen Kirchen, die nur dem Gottesdienst mit der Gemeinde dienen, soll es in katholischen Gotteshäusern Räume für das persönliche Gebet geben. Möglich geworden sei dies durch den Wegfall einer Bestuhlung der Seitenschiffe. Jürgen Emmert lobte diesen Schritt, der der Kirche mehr Raum gebe.

Erst Gotteshaus, dann Museum

Emmert machte in seinem Vortrag deutlich, dass weder die Standorte von Ambo und Altar, noch der des Marienortes zufällig gewählt worden seien. Genaue Überlegungen seien der Platzwahl vorausgegangen. Der Marienort sollte ursprünglich im südlichen Seitenschiff entstehen. Letztendlich fiel die Wahl auf das nördliche Seitenschiff, weil die beiden Marienfiguren hier direkt mit dem historischen  Deichsler-altar korrespondieren, bei dem der Tod Marias im Mittelpunkt steht. So gehen drei Szenen aus dem Leben der Muttergottes hier eine Verbindung ein.

Eine bewusste Entscheidung sei auch gewesen, die neuen Sitzhocker im Chor und am Marienort in ihrem natürlichen Farbton des Lindenholzes zu belassen. Deren Farbe werde sich über die Jahre von alleine dem Farbton des Riemenschneideraltars anpassen, so Jürgen Emmert. Am Ende seines Vortrags ging Emmert noch auf die Bodeninschrift im Kirchenschiff ein, wo zu lesen ist: „Der Ort, so Du stehst, ist heiliger Boden.“ Bei aller Kunst, die in dem Gotteshaus zu sehen ist, sollte nie vergessen werden, dass die Kirche in erster Linie Gotteshaus ist und nicht Museum, betonte der Referent. red

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