Wort zum Sonntag für 13. September.
Über ein Viertel der rund 206 Knochen des menschlichen Körpers befinden sich in den Händen. Das komplexe Zusammenspiel der vielen kleinen Knochen mit Gelenken, Muskeln, Sehnen und Nerven macht die Hände so beweglich, so vielseitig nutzbar: zum Greifen, Halten, Streicheln, Schenken, für ein Fingeralphabet… Was fällt Ihnen noch ein?
Hände – Wunderwerke der Schöpfung. Der feinmotorische Gebrauch unserer Hände unter anderem beim Musizieren und Handwerken verändert unser Gehirn. In beweglichen Händen liegt für viele eine Verheißung: Sie lassen Zuwendung, Freundlichkeit und Kompetenz erwarten. In offenen, leeren Händen zeigt sich die Bereitschaft zu empfangen.
Fäuste – sie ballen sich in der Regel aus Frust oder Wut. Sie können nichts sinnvoll erledigen. Fäuste recken sich vergeblich nach dem, was nicht gehalten werden kann. Fäuste werden geballt, um zuschlagen, um zu zerstören. Persönlich. Politisch. Gesellschaftlich. Empfangen oder geben können Fäuste nicht.
„Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“, lese ich im Monatsspruch des September (Kohelet 4,6). In der Bibel lassen sich jahrtausendealte Lebenshilfen sprachlich tief und bildreich finden. Eine Handvoll – das klingt für mich nach Reichtum, nach gefüllten Händen. Eine Handvoll – das klingt für mich auch nach Genügsamkeit, nach „genug“ für heute. Ruhe auf Vorrat horten? Ich denke, da sind wir schnell bei den haschenden Fäusten, die das Gesuchte nicht packen können.
Konkret?
Eine Handvoll Ruhe am Morgen eines jeden neuen Tages. Ein paar Minuten, um den Tag bewusst zu beginnen. Atmen. Frische Luft an einem geöffneten Fenster. Bei mir gehört ein Wort aus der Bibel dazu. Gottes Wort. Man kann sich die Losung des Tages kostenfrei als Podcast vorlesen lassen (losungen.de). Ich höre und kann gleichzeitig meine Hände geöffnet und entspannt liegen lassen. Empfangsbereit. Und dann noch ein paar Minuten in die Stille hineinhorchen. Eine Handvoll Ruhe für eine Handvoll Worte.
Eine Handvoll Ruhe mitten am Tag hilft mir, inneren Abstand zu finden, wenn mich Aufgaben, eigene Ansprüche, die Bewertung einer Wahl oder die komplexe Welt zu überwältigen drohen. Eine Handvoll Ruhe hilft mir, Frust zu reflektieren – und die Fäuste zu öffnen, um Stück für Stück mein Leben in die Hand zu nehmen. Eine Handvoll Ruhe hilft mir, Zumutungen auszuhalten und Worte zu hören, die ermutigen und stärken. Um „Worte, die aufbauen – Die Kraft des Zuspruchs“ geht es auch beim Dekanatsfrauentag am 26. September um 14 Uhr im Evang. Gemeindehaus in Bad Brückenau. Dazu lade ich Sie ein. Grundsätzlich: Ich nehme mir vor, immer wieder meine Hände bewusst und erwartungsvoll zu öffnen. Eine Geste, die meine innere Haltung verändern kann.
Eine Handvoll Ruhe finde ich auch in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Am 20. September findet in vielen evangelischen Kirchengemeinden der Back To Church Sunday oder „Komm-mit-Sonntag“ statt. Dort können die Hände zur Ruhe kommen, befreit werden von der Mühe und dem Haschen nach Wind. Sie sind herzlich eingeladen zu den Gottesdiensten in Ihrer Region. Und ich wünsche uns, dass sich beim Feiern Herz, Hirn und Hand noch mit mehr füllen als mit Ruhe.
Carolin Esgen, Prädikantin im
Evangelisch-Lutherischer
Dekanatsbezirk Lohr





