Staatsbad Brückenau
Hochschulpodium jenseits des Mainstreams
Die Bratschistin Ayaka Taniguchi.Anne-Laure Lechat
Die Bratschistin Ayaka Taniguchi.Anne-Laure Lechat // 
Staatsbad Brückenau

Ein glückliches Händchen hatte das Management des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau (BKO) vor gut einem Jahr bei der Auswahl des studentischen Ensembles für das nächste Hochschulpodium, welches am Sonntag, 13. September um 19 Uhr im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa stattfinden wird, heißt es in einer Pressemitteilung des BKO.

Die japanische Bratschistin Ayaka Taniguchi konnte zwar auch schon zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung auf einige Preise und Auszeichnungen zurückblicken, doch der echte Knaller kam erst im Oktober 2025: Die Studentin von Prof. Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main gewann den 2. Internationalen Hindemith Wettbewerb in München und heimste darüber hinaus auch den Publikumspreis sowie den Preis der Fondation Hindemith für die beste Interpretation einer Sonate von Paul Hindemith ein. Ihre Leistungsexplosion bestätigte sie nur einen Monat später mit dem 2. Preis und einer ganzen Reihe von Sonderpreisen beim renommierten Concours de Genève in der Schweiz.

Abschluss mit Bestnote

Zusammen mit der chinesischen Pianistin Qiongdan Liang, die sich nach dem Abschluss ihrer solistischen Ausbildung mit Bestnote bei Prof. Florian Hölscher in Frankfurt am Main aktuell dem Studium der Kammermusik in der Klasse von Prof. Angelika Merkle widmet, agiert Taniguchi seit 2024 als Duo und beide Musikerinnen legen dabei großen Wert auf die Musikliteratur jenseits des Mainstreams. Das ist der Grund, warum neben den Fantasiestücken op. 73 von Robert Schumann auf dem Programm des Hochschulpodiums auch weitere zwei Komponistennamen und Werke stehen, die nur absoluten Spezialisten bekannt sein dürften.

Die Russin Varvara Gaigerova studierte am Moskauer Konservatorium Klavier beim legendären Pädagogen Heinrich Neuhaus und Komposition bei Nikolai Mjaskowski. Als Komponistin war sie fasziniert von der Musik der mittelasiatischen Völker der Sowjetunion. Einige Volksidiome ließen sich zwar bestimmt auch in der viersätzigen Suite für Viola und Klavier op. 8 aufspüren, insgesamt spiegelt dieses Werk jedoch eher den russischen hochromantischen Stil wider: Vor allem die Ecksätze sind voller Dramatik und Leidenschaft, stark chromatisch, mit plötzlichen Dynamik- und Tempowechseln. Die Suite wurde 1969 posthum veröffentlicht, das Kompositionsjahr ist unbekannt.

York Bowen, der jüngste Sohn des Besitzers einer Londoner Whiskey-Destillerie, kam bereits mit 14 Jahren an die Royal Academy of Music, wo er nicht nur Klavier und Komposition studierte, sondern eine Ausbildung auch als Organist, Bratschist und Hornist absolvierte. 1903 spielte er bei den Proms die Uraufführung seines ersten Klavierkonzertes – bei dieser Gelegenheit bezeichnete ihn Camille Saint-Saëns als besten englischen Komponisten. Er komponierte zahlreiche Werke für die Bratsche, darunter ein Konzert und zwei Sonaten, die er dem englischen Bratschisten Lionel Tertis gewidmet hat.

Die Sonate Nr. 1 c-Moll op. 18 entstand 1905 und zeigt einen einzigartigen Mix aus Romantik und starker Individualität. Wenn man etwas in Bowens Stil als typisch „englisch“ bezeichnen kann, so auf jeden Fall die immer vornehme Haltung, die durchaus das Etikett „gentlemanlike“ verdient.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.  red

Unsere Leseempfehlungen

Inhalt teilen
  • kopiert!