König Ludwig II., der beliebte „Märchenkönig“, fasziniert bis heute das Publikum. Die Schlösser von Bayerns König Ludwig II. wurden erst letztes Jahr ins Weltkulturerbe aufgenommen. Souvenirartikel, zahlreiche Filme und Ausstellungen prägen unser Bild vom „Kini.“ Wer an ihn denkt, denkt mit Schauern an seinen mysteriösen, tragischen Tod im Starnberger See.
In der neuen Ausstellung in Bad Kissingen hingegen geht es um den jungen König als Mensch. Die Ausstellung ist bis zum 30. August zu sehen.
Detaillierte Recherchen
Keiner der Wittelsbacher Herrscher verbrachte so viele Tage in Bad Kissingen wie König Ludwig II. von Bayern (1845-1886). Die Ausstellung in Bad Kissingen gibt mit neuen Forschungsergebnissen und detaillierten Recherchen zu den Kissinger Aufenthalten Ludwigs II. spannende Einblicke in das Leben des jungen Königs und seine Beziehung zu Bad Kissingen.
Die Ausstellung erzählt von der Leidenschaft des Königs, andere zu beschenken. Sie stellt den jungen, sportlichen König vor, der nach dem unerwarteten Tod seines Vaters am 10. März 1864 mit 18 Jahren König wurde. Ins kalte politische Wasser geworfen musste er völlig unvorbereitet die Regierungsgeschäfte übernehmen. Kurz nach seiner Inthronisation empfing König Ludwig II. im Mai eine Delegation aus Kissingen und ließ den Bürgern Kissingens ausrichten: „Ich erinnere mich noch mit Vergnügen an Kissingen und seine schöne Umgebung, besonders der Ruine Bodenlaube. – Ich weiss, wie gerne Mein seliger Vater in Kissingen war und wie viel er auf Kissingen gehalten hat. Ich werde Kissingen dasselbe sein, was mein seliger Vater ihm war. Kissingen werde ich besuchen, wie Meine dringendsten Geschäfte erledigt sind.“
Ludwig hatte sich wohl bei der Audienz an seinen ersten Aufenthalt in der Kurstadt erinnert. Als Kronprinz war er mit seiner Mutter Königin Marie von Bayern und seinem Bruder Otto 1852 nach Kissingen gekommen und lernte dort in der eigens für ihn und seinen Bruder errichteten Flussbadeanstalt in der Fränkischen Saale schwimmen. Einige Wochen nach dem Besuch der Kissinger Delegation reiste König Ludwig II. im Juni 1864 nach Kissingen. Unter der Regierung seines Großvaters König Ludwig I. (1786-1848) erfolgte der Ausbau des Bades Kissingen zum internationalen Kurort und Treffpunkt des europäischen Hochadels. Ludwig II. empfing jetzt dort die russische Zarenfamilie und das österreichische Kaiserpaar.
Von Marcus Spangenberg, dem Biografen Ludwigs II., können die Besucher der Bad Kissinger Sonderausstellung in einer Medienstation erfahren, wie eng sich die Beziehung zwischen Ludwig II. und der russischen Zarin in Kissingen entwickelte.
Im Sommer 1864 begann in Kissingen auch die enge freundschaftliche Beziehung zwischen König Ludwig II. und seiner Cousine Elisabeth, geborene Prinzessin in Bayern und damalige Kaiserin von Österreich. Ludwig traf sich mit Sisi zum Tee. Beide unternahmen gemeinsame Ausritte. Der aufsehenerregenden „Kaiserkur“ von 1864 folgten noch zwei weitere Aufenthalte in der Kurstadt. 1868 besuchte König Ludwig II. ein letztes Mal Kissingen.
König Ludwig II. und Otto von Bismarck sind sich in Kissingen zwar nie begegnet, in zahlreichen Briefen standen beide jedoch in regem Austausch, insbesondere während der Kuraufenthalte Bismarcks in Kissingen. Am Schreibtisch seines Arbeitszimmers, das sich mit originaler Ausstattung in der historischen Bismarck-Wohnung im Museum Obere Saline erhalten hat, verfasste Bismarck zahlreiche Briefe an den König.
Interessante Einblicke
Die Ausstellung gibt interessante Einblicke in das ambivalente Verhältnis zwischen Ludwig II. und Otto von Bismarck. Sie beleuchtet auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse von Prof. Ulrich Lappenküper, dem ehemaligen Leiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh bei Hamburg, die Beziehung des bayerischen Königs zum Reichskanzler.
Im Jahr 1866 stand Bayern an der Seite Österreichs im Krieg gegen Preußen. Im Winter 1866 bereiste Ludwig II. die im Krieg stark zerstörten fränkischen Gebiete. Der jugendliche König wurde von seinen Untertanen begeistert empfangen. Die sogenannte „Frankenfahrt“ wurde zu einem Triumphzug des Königs. Sie blieb die einzige Dienstreise Ludwigs II., die in München im königlichen Hofzug begann. In der Ausstellung wird von der Reiseroute sowie von dem Programm mit vielen Audienzen, Bällen und Besichtigungen, das Ludwig II. in Kissingen und an den anderen Stationen absolvieren musste, anschaulich berichtet.
Museumsleiterin Annette Späth hat die Ausstellung kuratiert und rückt zusammen mit ihrem Ausstellungsteam und den Autorinnen und Autoren der umfangreichen Begleitpublikation den Menschen König Ludwig II. in den Mittelpunkt der Ausstellung.
Besucher können das Parfüm des Königs testen und erfahren dank der akribischen Recherche von Cornelia Oelwein, welche Geschenke Ludwig II. in den Geschäften und Bazaren in Kissingen einkaufte. In der Ausstellung sind beeindruckende Schaustücke aus der Sammlung des profunden Ludwig II.-Kenners Jean Louis Schlim (Sammlung Jean Louis München), aus den Städtischen Sammlungen der Stadt Bad Kissingen sowie aus Privatbesitz zu sehen.
Persönliche Geschichten
Ein Parfümflakon Ludwigs II., ein Gästebucheintrag des jungen Prinzen in Kinderhandschrift oder Tagebucheintragungen erzählen persönliche Geschichten aus dem Leben des Königs. Zur Ausstellung liegt eine reich bebilderte Begleitpublikation mit Beiträgen von Jean Louis Schlim, Cornelia Oelwein, Ulrich Lappenküper, Heinrich Hacker und Annette Späth vor.
Die Ausstellung vermittelt eine andere Sicht auf den König und lässt Ludwig II. in zahlreichen Zitaten aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen auch persönlich zu Wort kommen. Zur Ausstellung findet ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Sonderführungen sowie einem Mitmachprogramm für Kinder statt. (Info: museum-obere-saline.de) red










