Rottershausen
Musiktalente kämpfen ums Finale
Brainscha sorgte bereits beim Landesfinale 2025 für Gänsehautmomente. Der junge Künstler blieb unermüdlich, bewarb sich erneut und schaffte es auch diesmal in die Top 20.
Brainscha sorgte bereits beim Landesfinale 2025 für Gänsehautmomente. Der junge Künstler blieb unermüdlich, bewarb sich erneut und schaffte es auch diesmal in die Top 20. // Archiv/Martin Schöffel
Rottershausen

Aus einer außergewöhnlich starken Bewerberlage hat die Jury in den vergangenen Wochen ihre Top 20 ausgewählt für den bayerischen Musikpreis Local Heroes. Und es bleibt spannend: Am 26. Juni findet das Landesfinale auf dem „Ab geht die Lutzi“ statt. Jetzt läuft die entscheidende Phase, in der aus den Top 20 die Top 5 für das Finale auserkoren werden. „Wir können noch immer nicht fassen, was da in den vergangenen zwei Jahren passiert ist“, sagen Dani Straßner und Nicole Oppelt von Local Heroes Bayern. Die beiden ehrenamtlichen Organisatorinnen des bayerischen Musikpreises schwelgen nach wie vor in Erinnerungen an den Doppelsieg mit Udo West und blicken voller Dankbarkeit auf die „unfassbar intensive Zeit“ mit den Nachtkindern zurück, die zuletzt den Preis für das „Beste Songwriting“ im Bundesfinale erhielten.

„Nicht zuletzt diese Erfolge haben Local Heroes Bayern weit über die Landesgrenzen hinaus sichtbar gemacht“, sind die beiden Frauen überzeugt. Jetzt steht Local Heroes Bayern erneut an einem markanten Punkt. „Beide Acts haben gezeigt, wie nachhaltig das Format wirken kann, wenn künstlerische Eigenständigkeit, Live-Qualität und Entwicklung zusammenkommen“, so Dani Straßner. „Genau daran möchten wir in der neuen Ausgabe anknüpfen.“

Das kommende Landesfinale findet abermals auf dem „Ab geht die Lutzi“ in Rottershausen statt – und bekommt damit einen besonderen Rahmen, denn das Festival feiert in diesem Jahr seine 15. Ausgabe.

64 Bewerbungen

Der Weg in die Top 20 war in diesem Jahr anspruchsvoll wie selten zuvor. Insgesamt gingen 64 Bewerbungen ein – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren, wie Dani Straßner und Nicole Oppelt betonen. Besonders auffällig sei in dieser Bewerbungsphase der hohe Anteil an Acts gewesen, die sich zum ersten Mal bei Local Heroes Bayern beworben hätten. Diese Entwicklung, stellen sie heraus, komme nicht von ungefähr: „Local Heroes Bayern hat in den vergangenen Monaten gezielt daran gearbeitet, neue Szenen zu erreichen und bislang unentdeckte Talente zu ermutigen, den Schritt zu wagen.“

Entsprechend intensiv, fordernd und zugleich bereichernd gestaltete sich der erste Auswahlprozess. Bragi, vom Local Heroes Bayern-Team, spricht von vielen sehr guten Bewerbungen, aber auch von Acts, bei denen noch Entwicklungspotenzial spürbar sei. Dani Straßner wiederum betont: „Ich empfinde das Gesamtniveau als sehr hoch. Die Vielfalt aus verschiedenen Genres finde ich immer besonders schön. Das ist auch etwas, wofür Local Heroes Bayern seit Jahren steht.“

Gleichzeitig macht sie deutlich, wie schwierig die Reduktion auf nur 20 Acts war: „Die Fachjury wird es in der kommenden Auswahlrunde sehr schwer haben, da wirklich viele Landesfinal- und auch Bundesfinal-Potential haben. Auch unter den Bewerbern, die jetzt nicht weitergekommen sind, gibt es noch sehr viel weiteres Potential.“

Lutzi-Crew trifft Entscheidung

„Die erste Auswahl wurde mit viel Sachverstand und größter Sorgfalt getroffen“, freut sich Nicole Oppelt. „Wir sind begeistert, dass sich erneut viele Expertinnen und Experten aus unserem direkten Umfeld die Zeit genommen und unsere Nachwuchsarbeit unterstützt haben.“ Ein dickes Danke gehe daher an NadelNESt und Bamberger Festivals e.V. Gleicher gebühre auch dem Lutzi-Team. Innerhalb dieser Crew sei die Beteiligung diesmal besonders hoch gewesen. „Die Lutzi-Crew kam hierfür im Sportheim zusammen, hörte sich alle Bewerbungen gemeinsam an und traf die Entscheidungen im direkten Austausch – konzentriert, leidenschaftlich und mit dem klaren Blick auf Live-Tauglichkeit“, freut sich auch Dani Straßner. „Das wissen wir sehr zu schätzen, denn wenn man sich die Lutzi-Linups jedes Jahr anschaut und diese Acts dann auf dem Festival live erlebt, sieht man, dass sie genau wissen, was beim Publikum gut ankommt.“ Gleichzeitig formuliert sie klare Erwartungen an hiesige Nachwuchskünstler: Sichtbarkeit, Verlässlichkeit und Weiterentwicklung seien heute essenziell. Wenn Konzerte zu Erlebnissen werden…

Aus diesem dichten, vielstimmigen Auswahlprozess sind schließlich die Top 20 von Local Heroes Bayern hervorgegangen. kaulbærk erzählen zwischen Indie-Pop und Schlafzimmerpoesie von Angst, Aufbruch und Hoffnung und haben sich mit ihrem emotionalen, reduzierten Sound festgesetzt. Plume stehen für einen radikal eigenständigen Popbegriff, der Ästhetik, Performance und Songwriting zu einem Gesamtkonzept verbindet. Brainscha liefern energiegeladenen Indie-Punk-Pop, der live längst bewiesen hat, warum er auffällt. Igerl kombiniert bayerische Identität mit modernem Pop-Punk und professioneller Entwicklung.

Lauraine setzt auf deutschsprachigen Pop mit Haltung, Diversität und klarem ästhetischem Profil. Loissl verbindet Indie-Rap, Pop und ehrliches Storytelling mit wachsender Reichweite. Young 501 bringt Pop-Punk und Rap zusammen und setzt dabei bewusst auf Optimismus. Fennel & Friends schaffen intime Indie-Momente zwischen Verletzlichkeit und Wärme. Kaos verweigert sich klaren Genregrenzen und versteht Musik als Ausdruck von Freiheit.

Clear Blue Sky verbinden Alternative Rock mit modernen Breakdowns und gesellschaftlichem Anspruch. KillPhil machen Emotionen laut und verbinden Heavy-Pop mit Emo-Nostalgie. überrascht mit Songwriting zwischen Pop und Rock, das Verletzlichkeit zulässt. stehen für eskalierenden Pop-Punk mit Herzschmerz-Faktor. Prisoners liefern handgemachten Hard Rock mit Haltung und Wiedererkennbarkeit. kariːa keïta schafft mit Soulstimme, HipHop-Beats und Jazz-Samples intensive Räume zum Fühlen. Vanessa Melas macht Verletzlichkeit hörbar und verbindet Deutschpop mit Empathie und Tiefe. Jasna überzeugt mit starker Stimme zwischen Melancholie und Leichtigkeit. Jelias steht für modernen Indie-Pop mit spürbarer Live-Resonanz. Noah Juan & the Godzillas schließlich verwandeln Konzerte in gemeinschaftliche Erlebnisse zwischen Pop, Funk und Rock. Mit dabei ist auch die Band Bruchpilot.

Diese Top 20 sind weniger ein Ranking als eine Momentaufnahme einer lokalen Szene, die sich bewegt, reibt und weiterentwickelt. Nach zwei prägenden Jahren mit Udo West und Nachtkinder richtet sich der Blick nun auf das nächste Kapitel. Dass dieses auf dem „Ab geht die Lutzi“ geschrieben wird, einem Festival, das seit vielen Jahren für Nähe, Haltung und musikalische Entdeckungen steht, verleiht dem Landesfinale eine zusätzliche Bedeutung. „Wir sind unendlich dankbar, dass wir nun schon seit 2019 hier auf der Zeltbühne präsent sein dürfen“, betont Nicole Oppelt. „Wir fiebern dem Sommer entgegen. Aber nun sind wir erst einmal gespannt, wer es letztlich in unsere Top 5 schafft!“

Nach ihrem Doppelsieg im Bundesfinale 2024 lud das Lutzi-Festival Udo West 2025 auf die Hauptbühne ein. Das Local Heroes Bayern Team war natürlich dabei und schwenkte stolz seine Fahne.
Nach ihrem Doppelsieg im Bundesfinale 2024 lud das Lutzi-Festival Udo West 2025 auf die Hauptbühne ein. Das Local Heroes Bayern Team war natürlich dabei und schwenkte stolz seine Fahne. // Dani Red

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