Am Frobenius-Gymnasium Hammelburg (FGH) fand kürzlich die Preisverleihung für die drei besten Praxis-Seminare Unterfrankens statt. Die Gewinnerinnen und Gewinner mit ihren Lehrkräften, Schulleitern, dem Ministerialbeauftragten und zahlreichen Ehrengästen kamen dabei in der Aula des FGH zusammen, um ihre herausragenden Projekte vorzustellen und zu feiern, so eine Pressemitteilung aus dem FGH. Die Veranstaltung wurde durch die Big Band des FGH mit einem schwungvollen Stück eröffnet. Anschließend begrüßte der gastgebende Schulleiter Martin Steinel die Gäste. Mit einem Augenzwinkern verwies er darauf, dass P-Seminare die Chance böten, sich mit den Gegebenheiten vor Ort auseinanderzusetzen und das eigene Umfeld auf neue Weise zu entdecken.
Der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken, Dr. Robert Christoph, hob hervor, dass die Seminare individuelle Talente sichtbar machten und wichtige Erfahrungen für die Zukunft ermöglichten. Sie böten den Jugendlichen eine gute Möglichkeit, sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln, die für die Berufswahl relevant sein könnten.
Silke Dittert von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Bezirksgruppe Unterfranken, betonte die Bedeutung engagierter junger Menschen angesichts der Herausforderungen für den Arbeitsmarkt. Die Preisgelder seien hoffentlich gut angelegtes Geld in junge Menschen, meinte sie. Auch Mathias Klement als Vertreter des Landkreises Bad Kissingen gratulierte herzlich und lobte den Einsatz von Lernenden und Lehrenden. Nach einem weiteren musikalischen Beitrag kamen die Preisträgerinnen und Preisträger selbst zu Wort.
Herzen berührt
Das P-Seminar des FGH widmete sich mit seinem Projekt „Herzverse“ der Frage, wie man den Alltag älterer Menschen durch Poesie bereichern kann. Die Schülerinnen und Schüler kooperierten dabei mit Einrichtungen in Bad Kissingen und Hammelburg. Ihr Ziel war es, mit Seniorinnen und Senioren in die Welt der Gedichte einzutauchen, die Sinne anzusprechen, Erinnerungen zu wecken und Freude an der Lyrik zu vermitteln.
Inspiration fanden sie im „Weckworte“-Projekt des Berliner Poetry-Slammers Lars Ruppel, der in einem gemeinsamen Workshop die Hingabe zur Lyrik entfachen konnte. Die Gruppe entwickelte die Idee, Gedichte nicht einfach vorzulesen, sondern sie lebendig und ausdrucksstark wie kleine Geschichten zu präsentieren. Sie wählten Gedichte aus und bereiteten sie so auf, dass sie durch die Jahreszeiten ebenso wie durch die Lebenszeiten führten. Passende Bewegungen, wörtlich genommene Metaphern und bildliche Sprache zauberten den Zuhörenden ein Lächeln auf die Gesichter.
Neben den Veranstaltungen für die Seniorinnen und Senioren plante die Gruppe auch einen Workshop für Pflegekräfte, der jedoch aus Zeitmangel nicht umgesetzt werden konnte. Stattdessen erstellten sie einen Instagram-Account, auf dem sie jede Woche ein Gedicht veröffentlichen. Das Profil richtet sich an alle, die sich für Lyrik interessieren und sich den Alltag damit verschönern möchten. Die Freude an der Zusammenarbeit und die Begegnungen mit den Seniorinnen und Senioren waren der Gruppe deutlich anzumerken. Ein besonderer Dank galt der Lehrerin Eva-Maria Conrad, die das Seminar begleitet hatte. Mit dem späteren Erfolg hatten die Jugendlichen nach eigener Aussage kaum gerechnet – umso größer war die Freude über die Auszeichnung.
Latein einmal anders
Das P-Seminar des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums aus Aschaffenburg wollte zeigen, dass Latein keineswegs nur aus „staubigen Grammatiktabellen“ besteht. Unter dem Motto „Dark Rome“ entwickelten die Schülerinnen und Schüler Podcast-Episoden über die Schattenseiten des antiken Roms. Sie beschäftigten sich beispielsweise mit verbotener Liebe, Flüchen und illegalen Handlungen im Schatten des Colosseums.
Zu besonderen Fundstücken aus der römischen Schattenwelt verfassten die Jugendlichen allein oder zu zweit fiktive Geschichten, mit denen sie den Zuhörerinnen und Zuhörern wahre Begebenheiten aus dem antiken Rom näherbrachten. In Zusammenarbeit mit dem Aschaffenburger Lokalsender Radio Klangbrett lernten sie, wie eine Tonaufnahme professionell abläuft. Eine besondere Herausforderung war es, sich mit der Technik vertraut zu machen und die Aufnahmen selbst zu schneiden. Die entstandenen Episoden wurden gemeinsam zu einer zweistündigen Radiosendung zusammengestellt.
Bei der Präsentation erhielt das Publikum eine Hörprobe: Hörspiel und informativer Podcast griffen ineinander und wurden von Musik und Soundeffekten begleitet. Die Schülerinnen und Schüler berichteten, viel dazugelernt zu haben – etwa Verantwortung für ein Projekt zu übernehmen und im Team zu arbeiten. Für sie sei es ein wahres Erfolgserlebnis gewesen, die eigenen Stimmen im Radio zu hören.
Riemenschneider erleben
Zum Abschluss stellte das P-Seminar des Riemenschneider-Gymnasiums aus Würzburg eine virtuelle Ausstellung der Werke seines Namensgebers Tilman Riemenschneider vor. „Wir wollten die Werke unseres Namensgebers greifbar machen“, erklärte die Gruppe.
Dafür besuchten die Schülerinnen und Schüler das Museum für Franken, sammelten Informationen über den Künstler und sein Werk und wählten passende Kunstwerke aus. Mit mobilen Scannern erfassten sie die Figuren dreidimensional und hielten auch ihre Farben fest. Anschließend bearbeiteten sie die digitalen Aufnahmen und gestalteten die Schulaula als virtuellen Ausstellungsraum. Zu den Werken verfassten sie Informationstexte, die sich anhören lassen. Über QR-Codes konnten Interessierte die Ausstellung aufrufen und auf einem digitalen Endgerät betrachten, vergrößern, verkleinern und drehen. Auch der Einsatz einer VR-Brille war Teil der Präsentation. Besonders schätzten die Schülerinnen und Schüler den Freiraum, den ihnen die Arbeit an ihrem Projekt bot – ein Punkt, der auch in den anderen Seminaren hervorgehoben wurde und den der reguläre Unterricht so nicht immer bieten könne.
Gemeinsamer Abschluss
Die ausgezeichneten Schülerinnen und Schüler erhielten eine Urkunde und ein Preisgeld von 200 Euro. Damit würdigte die Preisverleihung nicht nur die fertigen Ergebnisse, sondern auch die intensive Zusammenarbeit, die Eigeninitiative und die vielen Stunden Arbeit, die hinter den Projekten steckten.
„Die Veranstaltung machte deutlich, dass P-Seminare weit mehr sind als eine schulische Pflichtaufgabe. Sie ermöglichen jungen Menschen, eigene Ideen umzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und wertvolle Erfahrungen für ihren weiteren Lebensweg zu sammeln. Es war eine rundum gelungene Preisverleihung, bei der die lockere und interessierte Stimmung der P-Seminare noch lange spürbar blieb“, schlossen Helena Hippler und Minaal Ahmad, zuständig für die Pressearbeit, die Mitteilung ab. red





