Hübsche lilafarbene Blumen blühen Mitte Juni auf einer hochgewachsenen Wiese im Naturschutzgebiet Schwarze Berge in Unterfranken. Doch dann rücken die Mitarbeiter der Lebenshilfe Hammelburg an, reißen oder schneiden die Blüten ab und packen sie in einen Plastiksack. Langsam lichtet sich das violettfarbige Blütenmeer.
Die Stauden-Lupine ist ein sogenannter invasiver Neophyt. Ursprünglich wuchs die Pflanze im regenreichen Westen Nordamerikas und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zur Bodenverbesserung nach Europa gebracht. Die Nazis begannen im Jahr 1942, die Lupine auch in der Langen Rhön anzupflanzen, damit Fichten besser wachsen konnten.
Heute versucht der Landschaftspflegeverband Bad Kissingen mithilfe der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) und des Naturparks und Biosphärenreservats Bayerische Rhön die Stauden-Lupine zu bekämpfen. Dabei werden sie von der Grünen Truppe der Lebenshilfe, verschiedenen Fachbetrieben, Landwirten – und vielen Ehrenamtlichen unterstützt. Der Freistaat Bayern bezahlt das Projekt.
„Der Mensch hat unserem Ökosystem einen Störenfried hinzugefügt“, sagt Naturpark-Ranger Leonard Helfrich. Das hat vier Gründe. Erstens: „Die Lupine kommt in derartigen Massenbeständen vor, dass andere Pflanzen nicht mehr wachsen können“, erklärt UNB-Mitarbeiter Matthias Franz. Zweitens: Die Lupinen reichern Stickstoff in der Erde an. Neben der Lupine schießen die stickstoffliebenden Brennnesseln und Kletten-Labkräuter aus dem Boden und verdrängen zum Beispiel Arnika und Trollblume, die nährstoffarme Bergwiesen gewohnt sind.
Drittens: Wegen der geringen Pflanzenvielfalt finden Insekten weniger Nahrung. Außerdem sorgen die hochgewachsenen Lupinen für reichlich Schatten und verändern das Mikroklima. „Für die Küken von Bodenbrütern ist es zu kalt und zu feucht“, sagt Helfrich. Viertens: Die Lupinen-Stängel sind sehr dick. Wenn Landwirte eine Lupinen-Wiese mähen, trocknet die Pflanze zu langsam und das Heu schimmelt.
Bis zu 2000 Samen
„Der Kampf gegen die Lupine ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Jan Hochstein, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands. Bereits eine Pflanze kann bis zu 2000 Samen bilden und diese bis zu sechs Meter weit verbreiten. Darüber hinaus kann aus einem Wurzelteil eine neue Pflanze wachsen. Natürliche Fressfeinde hat das Gewächs in Deutschland nicht.
Die erfolgversprechendste Bekämpfungsmethode ist es, mit einem Ampferstecher, einer Art Spaten mit zwei Zinken, die Lupine samt Wurzel auszugraben. Möglich ist das während der gesamten Vegetationszeit, wenn das Gewächs bestimmbar ist. Und, da ist sich Jan Hochstein sicher: „Die Lupine ist unverwechselbar. Im Frühjahr lässt sie sich zum Beispiel erkennen, weil sie größer als andere Pflanzen ist.“ Ranger Helfrich ergänzt: „Charakteristisch ist die sternförmige Blattform.“
Wurzeln bleiben im Boden
Anfang Juni mähen Landwirte die Lupinenwiesen und machen daraus Heu für ihre Tiere. Dadurch verhindern sie, dass die Pflanzen aussamen. Die Wurzeln bleiben hingegen im Boden. Dieses Jahr stehen Naturschützer und Landwirte vor einem Dilemma. Weil es im Juni bisher viel regnet, können die Lupinenwiesen nicht geerntet werden. Um trotzdem so viele Pflanzen wie möglich vor der Aussamung zu entfernen, graben die Lupinenbekämpfer – wie die Grüne Truppe – die Blumen nicht mehr aus, sondern reißen oder schneiden sie nur noch ab.
Überhaupt ist es schwierig, den perfekten Zeitpunkt für die erste Lupinen-Mahd zu finden. Für eine frühe Mahd spricht, dass sich die Lupinen von Juni bis August verbreiten. Für eine späte Mahd, damit Wiesenbrütern Zeit gegeben wird, ihren Nachwuchs aufzuziehen, bis dieser flügge wird. „Zudem haben die heimischen, artenreichen Wiesen ein Problem mit einem frühen Schnitt“, erklärt Helfrich, „weil die Blumen nicht aussamen können.“










