Die verheirateten Frauen von Sulzthal pflegen einen besonderen, alten Brauch: das Vierteltrinken. Alle zwei Jahre richtet ein anderes Dorfviertel die Veranstaltung aus, die laut Überlieferung bis ins Mittelalter zurückreicht. Dieses Mal lud die Hohe Straße in die Mehrzweckhalle ein und wählte eine neue Obrigkeit.
Showeinlagen begeistern
„Mir sind bereit!“, eröffnete Ruth Geißler, 1. Bürgermeisterin, die Faschingsveranstaltung am Rosenmontag. Sie ist einer der drei Köpfe, die dem Dorfviertel Hohe Straße in den letzten Jahren vorstanden. Gemeinsam mit der 2. Bürgermeisterin Sonja Weingart und der Polizeidienerin Antje Fischer begrüßte sie die Sulzthaler Frauen sowie die wenigen Männer, die als Barkeeper und Musiker geduldet wurden. Sie würdigte die ältesten Vierteltrinkerinnen im Publikum genauso wie die Frischverheirateten, die zum ersten Mal eingeladen waren. Nicht mehr frisch verheiratet, aber frisch im Dienst waren die Obrigkeiten des Obertors, die 2024 ihre Hüte aufbekamen.
1. Bürgermeisterin Victoria Käß überraschte damals nicht nur der neue Posten, sondern auch der Übereifer eines Gemeindemitarbeiters. Der entfernte das Schild, mit dem die Obertor-Damen ihr Revier im Neubaugebiet abgesteckt hatten, noch bevor das letzte Helau verklungen war. Käß nahm anschließend in ihrer Rede die Obrigkeiten der anderen Viertel auf die Schippe, deren Fauxpas sie nur mühevoll in Erfahrung gebracht hatte.
Vielleicht inspirierte diese schwierige Recherche die nachfolgende Showeinlage: Darin gönnten sich nämlich alle Akteurinnen eine Auszeit. Kapitän „Flieg-nit-zu-weit-furt“ von den Obertor Airlines brachte die Reisegruppe nach Bella Napoli, wo sie es sich im„Itsy-Bitsy-Bikini“ bei Musik und Cocktails gut gehen ließen. Als nächstes war das Viertel Schlange an der Reihe. 1. Bürgermeisterin Christina Eichmann sprach in ihrer Rede über die bevorstehende Kommunalwahl im März. Die Frau eines Bürgermeisterkandidaten saß an diesem Rosenmontag schließlich auch im Publikum, und falls sie in der Hohe Straßen zur neuen Obrigkeit gewählt werden würde, „gingen in dem Haus bald zwei Bürgermeister ein und aus“, so Eichmann. Dass man über das Wetter genauso spekulieren konnte wie über den Wahlausgang, das machten die Schlange-Damen bei ihrem Auftritt deutlich: Sie tanzten zunächst mit Regenponchos und Schirmen zu Hits wie „Raindrops keep falling on my head“ und „It’s raining men“, bevor sie zu „Candy Man“ und „Jailhouse Rock“ in Retrokleidern über die Bühne fegten.
Das Bug betrat als drittes das Parkett. Sandra Tremer, 1. Bürgermeisterin des Viertels, kündigte eine kurze Rede an. In ihrem Revier sei es so ruhig, dass sich sogar Wildschweine aus dem Wald dorthin verliefen. Sie freue sich aber schon auf das Vierteltrinken 2028, das sie mit ihren Mitstreiterinnen ausrichten wird. Und zwar so sehr, dass sie prompt Musikanten und Thekenpersonal aufforderte, sich den Termin schon einmal vorzumerken.
Als Showeinlage ging es dann mit dem fiktiven Busunternehmen Erna Reisen auf eine „Europatour, wie sie nur im Bug starten kann“. Über die „Sulzthaler Windmühlen“ führte die Reise zuerst in die Niederlande zum holländischen Holzschuhtanz, dann wurde eine überraschend vielseitige, lange Unterhose als französische Haute Couture präsentiert, ehe es weiter in den Süden zum spanischen Flamenco ging. Zuhause in Sulzthal, so waren sich alle einig, ist es aber am Ende doch am schönsten.
Der letzte Showact war der Auftritt des Gastgeberviertels Hohe Straße. Unter viel Applaus stürmten Cheerleader und Football-Spieler das Vierteltrinker-Stadion. Es wurde eine eigens gedichtete Hymne zum Besten gegeben und mit einem Cheer-Tanz eingeheizt, bevor die Lagberg Dunnerkeil im Match den ersten Touchdown landeten. Zur Halbzeitshow hatte man sich dann, ohne Rücksicht auf die Kosten, eine täuschend echt aussehende Lady Gaga auf die Sulzthaler Bühne geholt.
Das Finale des Abends war die Neuwahl der Obrigkeiten der Hohen Straße. Die 1. Bürgermeisterin Ruth Geißler übergab ihr Amt an Marie Eberlein, während Sonja Weingart ihren Bürgermeister-Hut Sonja Schmitt aufsetzte. Polizeidienerin Antje Fischer wählte Katrin Schmitt als ihre Nachfolgerin. red









