Demenz – ERfahrungen eines Angehörigen
Überall hängen Zettelchen
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LKR Bad Kissingen

Angelika Despang

„Es kam ganz schleichend“, beschreibt Wolfgang Z. (Name der Redaktion bekannt) die Demenzkrankheit seiner 72-jährigen Frau, „irgendwann hingen überall Zettelchen, wie die Kaffeemaschine angeschaltet wird oder in welche Schublade das Besteck gehört.“ Seine Frau habe eher als er gemerkt, dass sie sich an immer weniger erinnern kann und sich mit den Zetteln ausgeholfen.

Ursache für die Vergesslichkeit ist eine Durchblutungsstörung der Hauptschlagader, die sich auf Gedächtnis und Orientierung auswirkt. „Es ist tagesformabhängig, manchmal kann ich mich eine Viertelstunde lang gut mit ihr unterhalten. Ab Mittag ist sie aber meist so erschöpft, dass sie sich hinlegen muss.“ Durch Medikamente kann die Verkalkung der Hauptschlagader verlangsamt werden. „Es geht aber immer ein Stück weiter. Manchmal fragt sie mich x-mal, welcher Tag heute ist. Aber wenigstens erkennt sie mich noch“, ist Wolfgang Z. froh. Wenn sie mit Bekannten telefoniert und eine Erinnerungslücke hat, lässt sie sich was einfallen, „,Alt und Schlau’, sagt meine Frau immer“, schmunzelt Wolfgang Z.. Beim Frühstück liest sie jeden Tag die Zeitung auf einem Tablet, „weil sich die Erkrankung auf die Augen auswirkt und man die Schrift dort größer machen kann.“ Auch wenn sie das Gelesene oft nicht mehr wisse, interessiere sie doch das Tagesgeschehen.

Aufgrund von anderen Vorerkrankungen braucht seine Frau Hilfe bei der Körperpflege, was derzeit der 75-Jährige selbst übernimmt. „Ein ambulanter Pflegedienst kommt einmal pro Woche, um die Medikamente zu richten. Den will ich aber bei der Pflege bald noch mehr ins Boot holen“, sagt Wolfgang Z.. Verwandtschaft hat das Paar nicht vor Ort, auch die meisten Freunde sind schon gestorben, „aber die Nachbarn kommen rüber und schauen nach ihr, wenn ich mal etwas länger weg bin“. Seine Frau ist am liebsten zu Hause, Wolfgang Z. geht meistens allein einkaufen. „Man zieht sich automatisch zurück.“

Auch für den Pflegenden ist es eine Beeinträchtigung: „Ich war früher viel in Vereinen tätig, aber das habe ich eingestellt. Aber dem Betroffenen geht’s noch schlechter und man muss sich ja unterstützen.“ Wolfgang Z. hat sich mit der Situation arrangiert. Er ist froh um die Selbsthilfegruppe Demenz, zu der er regelmäßig geht: „Dort bekommt man Tipps, kann sich austauschen und wir machen immer wieder Ausflüge“, berichtet er. „Man merkt, man ist nicht allein.“

Abschalten kann er am Computer, „dafür interessiere ich mich, das ist mein Ruhepol und ich bin trotzdem zu Hause bei meiner Frau“. Manchmal geht das Paar, das seit 55 Jahren verheiratet ist, auf einen Flohmarkt: „Wenn man dann jemanden trifft unterhält sich meine Frau immer noch gerne. Da freut sie sich und lebt ein paar Stunden auf. Davon zehre ich ebenso.“

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