Seit zehn Jahren ist Erlebnissport beim TSV Ebenhausen ein im weiten Umkreis einzigartiges Sportangebot für Kindergarten- und Schulkinder. Erstmals fand es am 12. April 2016 als Projekt von Helmut Diener statt, einem ehemaligen Sportdozenten der Universität Würzburg und Beauftragten für Kinderturnen beim Deutschen Turnerbund, heißt es in einer von Schriftführerin Elisabeth Mehn verfassten Pressemitteilung. Dieses besondere Sportangebot startete damals als Integrationsprojekt für Kinder und Jugendliche – unabhängig von ihrer kulturellen oder sozialen Herkunft – in Zusammenarbeit mit dem Asylhelferkreis Ebenhausen.
2017 wurde das Projekt sogar mit einem dritten Preis beim „Integrationspreis Unterfrankens“ ausgezeichnet. Seit 2018 findet die Veranstaltung in Kooperation mit der Grundschule Oerlenbach statt, wurde jedoch durch die Corona-Pandemie ab März 2020 ausgebremst.
Im Herbst 2022 wurde das Programm wieder aufgenommen, doch sein mittlerweile hochbetagter Initiator Helmut Diener konnte sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kümmern. Er sicherte jedoch die Fortführung des Erlebnissports, indem er seine zahlreichen Spezialanfertigungen und „besonderen Sportgeräte“ dem Verein kostenfrei zur Verfügung stellte. Seitdem hat Thomas Mehn, Vereinsmitglied und Sportlehrer im Ruhestand, Planung und Veranstaltung übernommen.
Die Vorbereitungen für den Bewegungssporttag sind vielfältig und müssen gut geplant sein. Bereits am Vortag baut ein Helferteam aus fünf bis sechs Vereinsmitgliedern etwa eineinhalb Stunden lang die Gerätelandschaften und Bewegungsstationen auf: Stationen zum Klettern, Springen, Schwingen und Hangeln, Balancieren und Rutschen. Ein abwechslungsreiches Programm mit immer wieder neuen Stationen, die die Kinder vor neue Herausforderungen stellen. Diese Gerätelandschaften werden noch am gleichen Nachmittag vom Kurs „Aktiv-Kids“ des Sportvereins genutzt.
Der nächste Vormittag steht ganz im Zeichen der Kooperation mit der Grundschule Oerlenbach. In der Zeit zwischen 8 und 13 Uhr dürfen drei Grundschulklassen für jeweils zwei Schulstunden in ihrem Sportunterricht mit Unterstützung von Thomas Mehn die Erlebnissportgeräte ausgiebig testen. Damit keine Klasse zu kurz kommt, werden auch schon mal Grundschulklassen aus Rottershausen nach Ebenhausen zum Erlebnissport gebracht.
Alles kann, nichts muss
Nach einer kurzen Einweisung in die Besonderheiten und Risiken der einzelnen Stationen und der obligatorischen Aufwärmphase dürfen die Kinder frei wählen, an welcher Station sie sich versuchen möchten. Keine der Stationen ist verpflichtend zu absolvieren, alle stehen zur freien Verfügung. So manch ein Hindernis wird auf sehr kreative Weise überwunden, ganz anders, als die Sportlehrer sich das vorgestellt haben.
An manchen Stationen ist Kooperation gefragt. Der sogenannte „Rundlauf“ funktioniert zum Beispiel nur zu viert. Beim Balancieren kann die stützende Hand des Mitschülers oder der Lehrerin ganz wichtig sein. Der Indoor-Hochseilgarten kann nur bewältigt werden, wenn Mitschülerinnen und Mitschüler die jeweiligen Tritte stabilisieren. Das verlangt gezielte Zusammenarbeit, Selbstorganisation und Vertrauen zueinander.
Die Kooperation zwischen Schule und Verein läuft seit mehreren Jahren reibungslos und soll in dieser Form auf jeden Fall fortgeführt werden, heißt es weiter in der Pressemitteilung.
Ausgebucht
Am Nachmittag stehen zwei Stunden des Erlebnissports als TSV-Vereinsangebot an: eine Stunde für Kindergartenkinder und eine weitere für Schulkinder. Für beide Stunden müssen Eltern ihre Kinder inzwischen anmelden. Denn mehr als 30 Kinder sollen nicht gleichzeitig in der Halle sein, und die meisten der zurückliegenden Übungsstunden waren bis auf den letzten Platz ausgebucht.
Ein Versicherungsbeitrag für die Teilnahme ist nur dann fällig, wenn die Kinder nicht bereits über die Vereinsmitgliedschaft versichert sind.
Bei den Kindergartenkindern können Eltern oder Großeltern helfend unterstützen. Manche Stationen müssen an die kleineren Kinder angepasst werden, aber prinzipiell dürfen sich auch die Kleinsten überall versuchen. „Entwicklungsfortschritte werden in dieser Altersstufe von Stunde zu Stunde deutlich sichtbar“, meint Thomas Mehn. Die strahlenden Gesichter, wenn die Kleinen eine Station erfolgreich absolviert haben, sind Belohnung für den großen Aufwand, den alle Verantwortlichen auf sich nehmen.
Die Schulkinder brauchen dann schon größere Herausforderungen. Immer neue Varianten, größere Hindernisse und auch ein bisschen Nervenkitzel gehören dazu. Fortschritte sind laut Thomas Mehn bei allen Kindern zu erkennen. Von Stunde zu Stunde werden sie sicherer, trauen sich mehr zu, werden selbständiger und organisieren sich selbst in kleinen Kooperationsgruppen, ohne dass man sie dazu anleiten muss.
Im Unterschied zur klassischen Sportstunde können sich beim Erlebnissport alle Kinder gleichzeitig bewegen. Niemand muss in der Schlange warten, bis er an der Reihe ist.
Alle vier bis sechs Wochen
Inzwischen hat sich der Erlebnissport beim TSV Ebenhausen als offenes Angebot – nicht nur für Vereinsmitglieder – im Veranstaltungskalender etabliert. Erlebnissport findet im Abstand von vier bis sechs Wochen immer donnerstags am Nachmittag statt, jeweils eine Stunde für Kindergartenkinder und eine Stunde für Schulkinder bis zwölf Jahre. Aufgrund der hohen Nachfrage wird ab Mai versuchsweise sogar eine zweite Stunde für die Kindergartenkinder organisiert.
Durch das gut eingespielte Auf- und Abbauteam ist die aufwändige Ausgestaltung der Turnhalle gut zu bewältigen. Bei insgesamt 120 bis 150 Teilnehmern an beiden Tagen lohnt sich dieser Aufwand aber auch.
Die Termine werden auf der Homepage des TSV Ebenhausen bekanntgegeben, die Anmeldung funktioniert ausschließlich digital.








