Heiligenfeld Kongress
Zwischen Digitalisierung und Einsamkeit
Tobias Esch hielt einen vielbeachteten Vortrag.
Tobias Esch hielt einen vielbeachteten Vortrag. // Heiligenfeld/Martina Avdeev
Bad Kissingen

Mehr als 700 Teilnehmer haben den Heiligenfeld Kongress besucht, der in der vergangenen Woche unter dem Motto „Wer sind wir eigentlich? ... in Zeiten von ...“ im Regentenbau stattgefunden hat, wie die Klinikgruppe der Presse mitteilt. Im Mittelpunkt der Vorträge und Workshops standen Fragen nach Identität, Sinn und Orientierung in einer Welt, die von Künstlicher Intelligenz, Kriegen, Umweltzerstörung sowie wachsender seelischer Überforderung geprägt ist. Über 60 Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Fachbereichen setzten sich mit dem Thema auseinander.

Tobias Esch, Neurowissenschaftler und Gesundheitsforscher, begeisterte die Teilnehmenden mit seinem Vortrag „Wer sind wir eigentlich in Zeiten der Unverbundenheit?“, in dem er die Folgen sozialer Isolation und die Bedeutung von Verbundenheit für die psychische und körperliche Gesundheit behandelte. Dabei stellte er aktuelle Forschungsergebnisse vor, die zeigen, dass Einsamkeit nicht nur das Risiko für Depressionen, sondern auch für körperliche Erkrankungen erhöhen kann. Sein Fazit: „Einsamkeit fühlt sich nicht nur belastend an, sondern hat auch ganz klare medizinische Konsequenzen.“ Wichtig seien deshalb Achtsamkeit, Zuhören und zwischenmenschliche Nähe.

Wie verändern soziale Netzwerke, Influencer sowie KI-gestützte Begleiter unser Selbstbild und unsere Beziehungen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Johanna Degen in ihrem Vortrag „Das parasoziale Selbst“. Die Sozial- und Medienpsychologin machte deutlich, dass digitale Räume nicht nur widerspiegeln, wie Menschen miteinander umgehen. Sie prägen auch, wie Menschen sich selbst sehen, wie sie Nähe erleben und wie Beziehungen entstehen. „Das Digitale ist kein neutraler Ort“, sagte Degen. „Digitale Plattformen verfolgen auch wirtschaftliche Interessen: Sie wollen Aufmerksamkeit binden, Konsum fördern und Gewinne erzielen.“

Auch im Vortrag von Nathalie Weidenfeld spielte die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Die Kulturwissenschaftlerin hielt ein „Plädoyer für einen digitalen Humanismus“.

Wie Menschen in einer zunehmend polarisierten Welt Orientierung und Gestaltungsfähigkeit bewahren können, erläuterte der Theologe und Religionswissenschaftler Michael von Brück.

Den Schlusspunkt setzte Joachim Galuska, Mitgründer und Gesellschafter der Heiligenfeld Kliniken und der Akademie Heiligenfeld. In seinem Vortrag fragte er: „Wer könnten wir werden?“ Dabei betonte er, dass uns neben der Vergangenheit auch Zukunftsbilder prägen. Entscheidend sei, ob wir Werte wie Freiheit, Würde, Liebe, Verbundenheit und Verantwortung leben und unser menschliches Potenzial verwirklichen können.

Der nächste Heiligenfeld Kongress findet unter dem Titel „Was ist Gesundheit in einer kranken Welt?“ vom 3. bis 6. Juni 2027 statt. red

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