Ein einfaches Boule-Spiel im Sommer würde an sich nicht das Interesse der Bamberger Öffentlichkeit wecken. Es war der Schauplatz, auf dem das Boule-Spiel stattfand, der jenes Match zum Ereignis machte, das in die Stadt-Geschichte eingehen wird. Denn das Spiel fand auf einem ehemaligen Schlachtfeld statt, nicht im wörtlichen Sinn, aber im bürokratischen und im juristischen Sinn. Denn genau an diesem Fleck hat sich jahrelang ein gerichtlicher Abnutzungskampf abgespielt, der nun – mit eben jenem Boule-Spiel – ein gutes Ende genommen hat.
Team Glüsenkamp gewinnt
Um die sportliche Seite dieses Ereignisses abzudecken: Das Team um Jonas Glüsenkamp hat gewonnen. Der Zweite Bürgermeister, der sich in dieser Rolle seit Jahren mit den genervten Anwohnern auf der Erba-Insel auseinandergesetzt hatte, wollte an Ort und Stelle offenbar unbedingt einen Sieg einfahren. Denn er rekrutierte eigens für das Match den Bamberger Boule-Experten Stefan Vinzelberg – mit Erfolg. Die Herausforderer um Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier, der in seinem Team die CSU-Stadträte Melanie Huml und Christian Lange wusste, musste sich geschlagen geben.
Das letzte Wort hatte als OB freilich dennoch Niedermaier, und er nutzte es, um allen Beteiligten zu danken. „Der Pocket-Park schafft Raum für Begegnung, Erholung und gemeinsames Miteinander und steigert damit spürbar die Lebensqualität vor Ort“, sagte Niedermaier. „Der Erdhaufen, der hier als Hinterlassenschaft der Bauarbeiten zurückblieb, war ein Ärgernis, aber die Anwohnerinnen und Anwohner waren – wie man in Bamberg so schön sagt – nissig und haben den von Anfang hier vorgesehenen Park eingefordert.“ Über das Projekt Mitmachklima ist es hier gelungen, Verweilmöglichkeiten zu schaffen und jede Menge Bäume zu pflanzen – was sich in diesem Sommer bereits als wichtig herausgestellt hat, auch wenn die Bäume noch wachsen müssen, um den großen Hängematten richtig Schatten zu spenden.
Die wahren Sieger des Boule-Spiels waren daher die Anwohner. Denn sie blicken jetzt über eine Grünfläche, wo vorher noch der berühmt-berüchtigte Erdhaufen lag.
Gemeinsame Wut
Jetzt ist er verschwunden – und mit ihm das Gesprächsthema Nummer eins in der Nachbarschaft. Die gemeinsame Wut über diesen Erdhaufen hatte die Anwohner zusammengeschweißt, wie das nur ein gemeinsamer Feind kann. Aus dem Kampf gegen den verhassten Haufen ist zuerst eine gut organisierte WhatsApp-Gruppe und dann sogar der neue Bamberger Bürgerverein Erba entstanden.
„Die Gesprächsthemen drehen sich jetzt eher darum, wann wir wieder mal Boule spielen“, antwortet Vorsitzender Thorsten Mühmel und lacht. Der Erdhaufenstreit scheint auch den Draht ins Bamberger Rathaus gefestigt zu haben, wie er berichtet.
Der Vorteil: Bei allem Ärger wegen der verfahrenen Situation waren die Anwohner und Beschwerdeführer sachlich und fair geblieben. Kein Hass prasselte auf die Stadtverwaltung ein, die Anwohner beließen es bei zynischen Kommentaren. Und das obwohl jahrelang gar nichts vorwärts gegangen war. Seit 2018 lag der Erdhaufen mitten im neuen Wohngebiet – und verschwand auch nicht, als die letzten Baufirmen längst abgezogen waren. Wer also hatte den leicht kontaminierten Bauschutt da liegen lassen? Diese Kernfrage blieb lange Zeit unklar.
Auffällig: Der mittlerweile verstorbene Baulöwe der Erba-Insel, Ronny Meyer, in Personalunion Gesamtsprecher der Erba-Investoren, hatte den Haufen als Druckmittel gegen die Stadt benutzt, um seine Tiefgaragenpläne zu forcieren. Nach dessen Tod brauchte es die Vermittlung mehrerer Gerichte, um den gordischen Knoten zu durchtrennen. Die Stadt erhielt Geld für die Beseitigung des Haufens.
Jahre nach dem Bezug ihrer Wohnungen, lernen die Erba-Anwohner ihr Wohnviertel jetzt also erstmals ohne Haufen kennen. Ihr neuer Bürgerverein hat bereits die nächsten Themen gesammelt, die unter den Nägeln brennen. Voran: der viele Müll. Nach einem Gespräch mit der Stadtverwaltung soll das Müllkonzept auf der Insel verbessert werden, berichtet Mühmel ohne Details zu verraten.
Und auch bei der Begrünung der Straßenräume lassen die Anwohner nicht locker. Störend auch die zugeparkten Gehwege.
Und dann wirft bereits der nächste dicke Brocken seine langen Schatten voraus. Und zwar wortwörtlich: Der große Erba-Schlot ist marode und muss dringend saniert werden.









