Bamberg
Chapeau Claque spielt Theater im Graben der Altenburg
Standesgemäß wird bei einem Stück aus der Ritterwelt gekämpft und sich mit Schwertern duelliert.Guido Apel
Standesgemäß wird bei einem Stück aus der Ritterwelt gekämpft und sich mit Schwertern duelliert.Guido Apel // 
Bamberg

Was braucht gelungenes Kindertheater? Es braucht eine spannende Geschichte, nachvollziehbar auch für die Kleinsten. Es braucht lustiges Spektakel auf der Bühne, originelle Kostüme, am besten Lieder, die im Ohr hängenbleiben, gespielte und visuelle Gags und eine Moral. Die aber nicht allzu plakativ daherkommen soll und darf.

Alle diese Ingredienzien hat das Team von Chapeau Claque zu einem wahrhaft bezaubernden Stück zusammengerührt und am Sonntag erstmals zur Aufführung gebracht.

Passenderweise open air – unter einem solide verankerten Sonnensegel – im Burggraben der Altenburg. Passend deswegen, weil „Merlin, Artus und das Schwert im Stein“, verfasst von Julia Sylvester und Heidi Lehnert, die auch Regie führt, munter zwischen den Zeitebenen hin und her springt und Motive aus dem britischen Sagenkreis um König Artus aufgreift.

Aber keine Angst, man muss nicht altenglische Philologie studiert haben, um der Handlung folgen zu können. Artus, Merlin, Lancelot, Parzival und das Wunderschwert Excalibur haben es längst in die Popkultur geschafft und sind auch für die Kleinsten begreifbar.

Zumal „Merlin, Artus …“ deutlich rekurriert auf zwei zeitgenössische Populärmythen. Da ist zum einen der Geschichten-Strauß um den Zauberlehrling Harry Potter, zum anderen, weniger deutlich, Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“, die ja ebenfalls die Artus-Sage verballhornen. Ums Zaubern geht es nicht wenig, seit ein Hexen- und Hexerquartett mit einem Besen zu einem klandestinen Magie-Kongress anflog. Es gilt eine dunkle Bedrohung zu besiegen: die große Hoffnungslosigkeit, kurz: Grohofflokeit, die wie ein Nebel sich über die Gemüter der Menschen legt.

Abgedrehte Gegenwart

In diesen Anfangsszenen, zum Glück dürften Kinder (ab vier Jahren wird das Stück empfohlen) die Anspielungen kaum konkretisieren können.

In der Gegenwart, „die Welt ist völlig abgedreht“, rappen die Schauspielerinnen und Schauspieler – Maria Adriana Albu, Susanna Bauernfeind, Hans-Günter Brünker, Valentin Kärner, Marilena Lippmann –, ist die Grohoffokeit kaum zu besiegen, stellen die Magier fest und zaubern sich kurzerhand ins Mittelalter, was den Umbau der Kulissen (Ignacio Basaure) zu einem gemalten Wald erfordert. Und siehe da: Artus ist ein Mädchen, stellt sich heraus. Und muss diverse Abenteuer und Prüfungen bestehen bis zum Rang der größten Ritterin aller Zeiten.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, an dessen Rand ein wunderbar kostümierter (Barbara Rose-Andres) Merlin steht, der seiner Zauberkraft auch einmal verlustig geht, ein Ritter Parzival, ein Gefecht mit klirrenden Schwertern und so mancher Gag wie ein brennendes Teufelsbuch oder ein Drache, der sich als Drachen entpuppt und leicht erlegt werden kann. Ach ja, den Kampf unterbricht ein Werbespot für einen Super-Power-Protein-Riegel, und die kleinen Hexlinge im Zuschauerraum dürfen auch einmal mittun.

Klar, dass Artus zum Ende das Schwert aus dem Stein zieht, die Grohofflokeit bei Kindern keine Chance hat und ein Mutmachmantel und ein magisches Fernrohr sie, um einmal diese grässliche Phrase zu verwenden, em-powern.

„Alle zusammen können wir was drehn“ singt (Musik Christian Steiner) es zum Schluss von der Bühne, und damit hätten wir das Moralfach auch gefüllt, denn Kindern kann man ja schwerlich ein Weltbild à la E. M. Cioran oder Thomas Bernhard aufoktroyieren. Gelegenheiten zur Desillusionierung bieten sich ihnen noch ein Leben lang.

1. Merlin, Artus und das Schwert im Stein im Burggraben der Altenburg ist zu sehen von Juli bis September. Karten über eventfrog.de oder (für Kindergärten und Schulen Mail buchung@kindertheater-bamberg.de, Tel. 96439426. Dauer ca. eine Stunde.

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