Kunstverein-Premiere in der über 30-jährigen Historie der Verleihung des Berganza-Preises: Dass erstmals kein Künstler geehrt wurde, sondern mit „Freund statt fremd“ ein eingetragener Verein im Ehrungs-Fokus stand, überraschte im ersten Moment etwas, fand aber einhelliges Lob nicht nur für die engagierte Arbeit beim Preisträger, sondern auch für den Mut des Gastgebers und Entscheiders, den Kunstbegriff zu erweitern. Musikalisch wurde der Abend im Kesselhaus vom Duo Dion October & Eggnog gestaltet.
„Kulturelle Arbeit ist nicht immer Kunstvermittlung und Kunstproduktion. Eine Stadt ist nicht deshalb allein kulturell lebendig, weil sie Konzerte, Theater und Museen bietet. Kultur zeigt sich nicht nur, was wir ausstellen, sondern, wie wir miteinander umgehen. Sie beinhaltet auch einen sozialen und gesellschaftlichen Aspekt. Dabei ist die Bereitschaft entscheidend, sich auf andere einzulassen. Genau hier setzt die Arbeit von ‚Freund statt fremd‘ an. Mit sehr viel Aufwand an Zeit und Energie und dies oft ohne große öffentliche Aufmerksamkeit“, erklärte Sylvia Michel die Entscheidung.
Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp nahm den Ball auf und sprach auch von einer „zweimaligen Feier“. Er nehme es wahr, dass auf der einen Seite Bamberg als tolle Stadt gelobt wird. „Was die Menschen aber nicht sehen, wie die Menschen ticken und dass es Institutionen gibt, die seit vielen Jahren mit ehrenamtlichem Engagement den Gedanken der Menschlichkeit und des Zusammenkommens fördern“, begründete er seine „wahnsinnige Dankbarkeit“, dass es in Bamberg vielen Menschen ermöglicht wird, den nächsten Schritt ihres Lebens hier in Bamberg gehen zu können.
Thomas Schwarz, VR-Bank-Vorstand Bamberg-Forchheim, legte dar, dass heutzutage Heimat nicht mehr mit Geburtsort zu übersetzen ist. „Heimat entsteht auch dort, wo es Identität, Gemeinschaft und einen Dialog darüber gibt, was uns im Innersten zusammenhält. Unabhängig von Herkunft. Aber immer entsteht Heimat erst dann, wenn Menschen einander nicht gleichgültig sind. Wenn aus Fremden Bekannte werden, aus Begegnungen Beziehungen und aus einem Nebeneinander ein Miteinander“, so leitete er zur Auszeichnung von „Freund statt fremd“ über.
Dass der Kunstverein diese Arbeit mit dem Berganza-Preis auszeichnet, stufte er als ein „bemerkenswertes Verständnis von Kultur“ ein. Er betonte die „Brücke zwischen Kunst, gesellschaftlicher Verantwortung und gelebter Menschlichkeit“. Mit dem Hinweis der besonderen Wichtigkeit in einer Zeit, in der viel über Ausgrenzung debattiert wird. Die VR Bank Bamberg-Forchheim ermöglicht die Dotierung des Berganza-Preises mit 4000 Euro seit vielen Jahrzehnten. „Wir tun das nicht aus Tradition, sondern aus Überzeugung.“
Für die Auswahl des Laudators hatte der Kunstverein ein besonders gutes Fingerspitzengefühl: Hans-Martin Lechner legte als evangelischer Dekan in der Stephanskirche den Schwerpunkt seiner Schaffenskraft von 2014 bis 2024 in die Flüchtlingsarbeit. Er fühlte sich geehrt, dass er das klare Statement und die Arbeit des Vereins für die Menschlichkeit beleuchten durfte und wählte als erstes Stichwort „Begegnung“ aus. „Dies geschieht bei ‚Freund statt fremd‘ in herausragender Weise, egal ob im Ankerzentrum oder der Blauen Frieda, es geht um die Begegnung ganz unterschiedlicher Kulturen, nationaler und auch religiöser Prägung. Einerseits herausfordernd und anstrengend, aber auch wechselseitig bereichernd und erfüllend, wenn aus Fremden Freunde werden.“
Überraschende Ehrung
Dazu bedarf es Offenheit, Freude an Vielfalt, Empathie und Solidarität, wenn man es wie der Preisträger schafft, dass gelebt werden kann, was die „Kultur unseres demokratischen Staates ausmacht“.
Alona Grygoryeva aus dem Preisträger-Vorstand durfte den Berganza-Preis entgegennehmen. „Es ist eine große Freude für etwas, was wir im Alltag mit Überzeugung und Herzblut machen, so wertgeschätzt zu werden.“ Auch wenn wir Kunstprojekte durchführen, war die Ehrung schon für uns überraschend“, beschreibt die gebürtige Ukrainerin die besondere Auszeichnung, ehe das international gestaltete Buffet eröffnet wurde.










