Pommersfelden
Fuhrpark mit Geschichte
Vor der wunderschönen Kulisse von Schloss Weissenstein präsentieren sich fast 70 Jahre Automobilgeschichte im Wandel der Zeit (v.l.): DeDion Bouton (Baujahr 1904), Citroen AC4 (1930), Alvis Speed 20S (1933), NSU RO 80 (1968) und Mercedes Pagode 28...
Vor der wunderschönen Kulisse von Schloss Weissenstein präsentieren sich fast 70 Jahre Automobilgeschichte im Wandel der Zeit (v.l.): DeDion Bouton (Baujahr 1904), Citroen AC4 (1930), Alvis Speed 20S (1933), NSU RO 80 (1968) und Mercedes Pagode 280 SL Cabrio.Britta Schnake // 
Pommersfelden

Die Zeit ist im Fluss, alles verändert sich. Das gilt nicht nur im Bezug auf Menschen, sondern auch für technische Errungenschaften. Fahrbare Untersätze bilden da keine Ausnahme.

Georg Weikert aus Pommersfelden besitzt einen kleinen Fuhrpark, der sich sehen lassen kann: Seine fünf fahrbaren Untersätze spiegeln den Wandel der Zeit perfekt wieder.

Angefixt wurde der heute 79-Jährige eigentlich durch seine Tochter Ute. Sie wünschte sich ein japanisches Cabrio, doch der Papa legte sein Veto ein. Ein deutsches Fahrzeug sollt es sein, und so fand ein weißer Mercedes Pagode 280 SL Baujahr 1970 mit 170 PS bei den Weikerts 1990 ein neues Zuhause.

Acht PS und 35 km/h

Der DeDion Bouton, ein waschechter Franzose aus dem Baujahr 1904, ließ die Weikerts dann ein ganzes Stück zurückreisen in die Vergangenheit der Automobile. Aus Maastricht fand er den Weg nach Pommersfelden. Das schnuckelige Kleinod mit Kutschenflair hat acht PS unter der Haube, macht 35 Stundenkilometer Spitze und wurde seinerzeit in Paris als Taxi eingesetzt.

„Der DeDion hatte einen Benzinmotor und ein automatisches Schnüffelventil, also ein nicht gesteuertes Einlassventil“, führt Michael Güttler aus Pettstadt aus. Er besitzt mit einem Peugeot 301 selbst ein Vorkriegsfahrzeug. „Mit dem DeDion waren wir 1994 bei der Tour de Luxemburg, nahmen 1995 an der 100 Jahre Sachs-Ausfahrt in Schweinfurt und 2004 an der Baron von Liebieg-Fahrt von Prag über Liberec nach Koblenz teil“, berichtet Weikert nicht ohne Stolz.

Geteiltes Hobby

An seiner Seite: Ehefrau Uschi, die das Hobby ihres Mannes teilt. 1993 wurde aus dem Fahrzeug-Duo mit dem Erwerb des Citroen AC4 ein Trio. Baujahr 1930, hatte der Bolide bereits 22 PS unter der Haube. 1996 ging es mit dem dunkelblauen Vorkriegsfahrzeug von Kiel über Oslo, Lillehammer, Geiranger, Bergen und wieder retour nach Oslo einmal quer durch Norwegen.

In Brüssel fand Weikert schließlich seinen Alvis Speed 20, Baujahr 1930 und ausgestattet mit satten 90 PS. 1999 startete er mit dem grünen Cabrio eine große Sizilien-Rundfahrt. Außerdem unternahm er mit dem Briten 2001 eine große Dolomiten-Rundfahrt und nahm 2015 am Alvis-Treffen am Wörthersee teil.

Für seinen NSU RO80, Baujahr 1968, musste Weikert nur bis Stolzenroth, wo der grüne Wagen 30 Jahre in einer Scheune vor sich hin vegetierte. 2019 war das Quintett damit komplett. 116 PS zeugen von deutlich mehr Power unter der Haube.

„Er hat einen Wankelmotor ohne Kolben, das war seinerzeit die Sensation“, erläutert Michael Güttler. Er kennt sich bestens aus mit der Entwicklung des Automobils über die Jahre hinweg. „Der DeDion war noch ein Einzylinder mit Handkurbel und Magnetzündung“, erklärt er, eine Batterie habe er nicht gehabt.

Der Citroen wartete dann schon mit einer Sechs-Volt-Elektroanlage auf, die Karosserie wurde durch Blech auf einem Holzrahmen gebildet. „Er hatte noch kein synchronisiertes Getriebe, das heißt, beim Gangwechsel musste man Zwischengas geben.“

Auch der rechtsgelenkte Alvis habe einen Holzrahmen, dazu ein deutlich sportlicheres Design. Der NSU besaß schon eine selbsttragende Karosserie und eine Zwölf-Volt-Elektroanlage, und der Mercedes Pagode eine elektronische Einspritzung.

„Ab den 70er-Jahren wurde weniger die Mechanik verbessert, da ging die Entwicklung nur in die Elektronik und viel Kunststoff“, erläutert Güttler.“

Früher gab es mehr Mechanik, heute mehr Elektrik“, bringt es Weikert auf den Punkt. Auch gab es zunächst Sprit nur in der Apotheke, erst ab 1922 gab es die erste Tankstelle.

Ganz ohne Sprit und Technik kommt die wunderschöne Kutsche aus, die bei Francesco im Garten seiner Pizzeria steht. Nach den Dreharbeiten zur Netflix-Serie „Die Kaiserin“, die im Pommersfeldener Schloss Weissenstein gedreht wurde, wurde sie nicht mehr benötigt und fand bei Francesco ein neues Zuhause.

Anschaulich vervollständigt sie den Blick auf die Fahrzeuge im Wandel der Zeit. Von den zwei Pferdestärken bei Francescos Kutsche bis zu den 170 PS von Weikerts Mercedes vergingen gut 100 Jahre. Ein Wimpernschlag angesichts der Entwicklung der Fortbewegung in der Menschheitsgeschichte.

Früher Vertreter der Automobile: der DeDion Bouton. Er war mit acht PS in Paris als Taxi unterwegs.
Früher Vertreter der Automobile: der DeDion Bouton. Er war mit acht PS in Paris als Taxi unterwegs. // 
Georg und Uschi Weikert zwischen den Oldtimern vor Schloss Weissenstein in Pommersfelden.
Georg und Uschi Weikert zwischen den Oldtimern vor Schloss Weissenstein in Pommersfelden. // 
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